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Telekommunikation : Wer hilft Mobilcom?

  • Aktualisiert am

Schwierige Zeiten für Mobilcom-Boss Gerhard Schmid Bild: AP

Die Landesbank Schleswig-Holstein dementiert Gerüchte, man würde als Partner einspringen, wenn France Télécom aussteigt.

          Das schleswig-holsteinische Wirtschaftsministerium hat mit Mobilcom-Chef Gerhard Schmid ein vertrauliches Gespräch über die Situation des Büdelsdorfer Telekommunikationskonzerns geführt. Eine Ministeriumssprecherin wies am Freitag zugleich einen Zeitungsbericht zurück, demzufolge das Ministerium an einem Notfallplan für Mobilcom arbeite. Die Tatsache, dass ein Gespräch geführt worden sei, könne nicht mit der Entwicklung eines Rettungsplans gleichgesetzt werden, sagte sie.

          Das Handelsblatt hatte berichtet, dass entsprechende Überlegungen bereits am Mittwoch zwischen dem Mobilcom-Vorstandsvorsitzenden und Hauptaktionär, Gerhard Schmid, und dem schleswig-holsteinischen Wirtschaftsminister, Bernd Rohwer, erörtert worden seien.

          Die Landesbank in Kiel dementiert unterdessen Gerüchte, man werde bei Mobilcom Anteile übernehmen.

          2.000 Arbeitsplätze gefährdet

          Durch den möglichen Rückzug des französischen Konzerns France Télécom wären 2.000 Arbeitsplätze bei Mobilcom sowie weitere Stellen bei zahlreichen Zulieferbetrieben gefährdet, heißt es in dem Bericht weiter. Das Unternehmen beschäftigt bundesweit rund 6.000 Menschen.

          Auslöser für die Gespräche auf Landesebene ist Presseberichten zufolge ein Vorstoß der französischen Regierung, die mehr als 50 Prozent der France-Télécom-Anteile besitzt. Die Regierung habe den Telekomkonzern nach Informationen aus Unternehmenskreisen aufgefordert, das Engagement bei Mobilcom zu beenden und so eine höhere Verschuldung zu verhindern. France Télécom ist mit 28,5 Prozent an der am Neuen Markt notierten Mobilcom beteiligt.

          Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Klaus-Dieter Müller, sagte, die rot-grüne Landesregierung habe großes Interesse daran, dass bei Mobilcom keine Arbeitsplätze verloren gingen. Dafür wäre die Landesregierung auch bereit, Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) um Hilfe zu bitten, sagte Müller weiter. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass von Mobilcom eine entsprechende Bitte komme.

          Streit um UMTS-Technik eskaliert

          Der französische Konzern und der deutsche Mobilfunkanbieter streiten seit mehr als einer Woche offen über die Interpretation der zwischen den Unternehmen geschlossenen Vereinbarungen für das deutsche UMTS-Mobilfunkgeschäft. France Télécom will in den nächsten Jahren möglichst wenig in die UMTS-Technik investieren. Mobilcom plant indes einen möglichst schnellen Marktstart und will bis 2005 etwa 2,5 Milliarden Euro in den Netzausbau investieren.

          Mobilcom hatte am Mittwoch erstmals eine Klage gegen seinen zweitgrößten Aktionär und UMTS-Partner angekündigt. Mobilcom-Sprecher Matthias Quaritsch hatte zur Wochenmitte gesagt, das Unternehmen wolle France Télécom verklagen, da der UMTS-Partner entgegen den Absprachen auf dem deutschen Mobilfunkmarkt in Konkurrenz zu Mobilcom trete.

          Zahlungsunfähigkeit droht

          Der drohende Rechtsstreit zwischen den Partnern kann nach jüngsten Angaben aus Branchenkreisen in der Zahlungsunfähigkeit von Mobilcom enden. Zur Refinanzierung eines im August auslaufenden Brückenkredits über 4,7 Milliarden Euro müssen nach Mobilcom-Angaben spätestens im März Gespräche mit Banken beginnen.

          Angaben aus Branchenkreisen zufolge ist eine erfolgreiche Refinanzierung nahezu unmöglich, solange der UMTS-Geschäftsplan nicht die Zustimmung von France Télécom und Mobilcom gefunden hat. Quaritsch sieht dagegen keine Gefahr für die Zahlungsfähigkeit von Mobilcom. Er räumte am Mittwoch allerdings ein: „Die Bedingungen für die Verhandlungen mit den Banken könnten besser sein.“ Für die notwendige Refinanzierung habe man aber noch Zeit.

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