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Telekommunikation : TelDaFax: das Ende des „Todeskampfes“?

  • Aktualisiert am

Die Telekom darf säumige Schuldner vom Netz nehmen. Die aktuelle Gerichtsentscheidung trifft TelDaFax hart.

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          Die hoch verschuldete TelDaFax steht nach einer Entscheidung des Landgerichts Köln vor dem Aus. Das Gericht entschied am Freitag, dass die Deutsche Telekom die Marburger Telefongesellschaft wegen offener Rechnungen von ihrem Netz abschalten kann.

          „Die TelDaFax AG in ihrer bisherigen Form ist mit dieser Entscheidung tot“, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Bernd Reuss. Dem Unternehmen sei die Geschäftsgrundlage im Festnetz entzogen. Sanierungspläne gingen jetzt nicht mehr auf. Reuss sprach vom Ende des „Todeskampfes“.

          Nach dem Urteil ist der Teldafax-Kurs am Neuen Markt ins Bodenlose gefallen. In der Spitze fielen die Papiere um über 36 Prozent auf ein Rekordtief von 0,30 Euro. „Teldafax sollte vom Handel ausgesetzt werden", sagte eine Händlerin. Die Meldung verstärke die Aktivität vieler rein spekulativ orientierter Anleger. „Das ist kein seriöser Handel mehr, sondern reine Zockerei.“

          Zusammenarbeit nicht zuzumuten

          Eine Zivilkammer des Landgerichts hob eine einstweilige Verfügung auf, durch die die Deutsche Telekom verpflichtet war, ihr Leitungsnetz für die Marburger Telefongesellschaft freizuschalten. Der Wettbewerber habe seine Schulden in Höhe von mindestens 73 Millionen Mark trotz Mahnung nicht beglichen, begründeten die Richter ihre Entscheidung. Es sei keinem Kaufmann zuzumuten, mit einem Vertragspartner zusammen zu arbeiten, der ihm einen so erheblichen Betrag schuldig geblieben ist.

          Die Aufhebung des Beschlusses traf die TelDaFax AG indes nicht völlig unvorbereitet, teilte das Unternehmen in einer Ad-hoc-Veröffentlichung mit. Man habe für den Fall des gerichtlichen Unterliegens und der möglichen erneuten Abschaltung durch die Deutsche Telekom AG bereits Vorsorge getroffen.

          Dann eben künftig als Reseller

          "Wenn uns die Deutsche Telekom ihr Netz nicht zur Verfügung stellt, dann arbeiten wir künftig als Reseller auf den Netzen unserer Partner", so Bernd Reuss. Entsprechende Verträge seien bereits paraphiert worden, um so dem überwiegenden Teil der Kunden weiterhin einen reibungslosen Service anzubieten zu können. „Wir bleiben also trotz aller Widrigkeiten weiterhin am Markt präsent", erklärte Reuss.

          TelDaFax war bereits im April für rund zwei Wochen vom Telekom-Netz abgeschaltet und hatte dadurch einen Großteil ihrer Vertragskunden verloren. Gegen die jüngste Entscheidung prüft TelDaFax derzeit die zur Verfügung stehenden Rechtsmittel.

          Die Deutsche Telekom wird dem Marburger Unternehmen am Dienstag endgültig die Leitungen kappen. Ein Konzern-Sprecher sagte am Freitag, ab morgens 8.00 Uhr werde es der Gesellschaft nicht mehr möglich sein, das Telefonnetz der Telekom zu nutzen. Die Verbindungen würden noch nicht umgehend abgeschaltet, damit die Kunden von TelDaFax noch Gelegenheit hätten, sich einen anderen Anbieter zu suchen.

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