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Telekommunikation : Nokia schürt Skepsis

  • Aktualisiert am

Nokia mit Modelloffensive Bild: dpa

Beim Gewinn bleibt Nokia zuversichtlich, doch der Umsatz wird wohl enttäuschen. Daran können auch zahlreiche neue Handys nichts ändern.

          Eigentlich schien die Nachricht gar nicht so schlimm: Immerhin bestätigte Nokia die Gewinnprognose vom Januar. Dennoch brach die Aktie an der Börse Helsinki zeitweilig um knapp sieben Prozent ein. Der Grund: Der weltgrößte Handyproduzent geht nun von einem höheren Umsatzeinbruch im ersten Quartal aus.

          Der Konzern, der weltweit eins von drei verkauften Handys herstellt, war für die ersten drei Monate des Geschäftsjahres ursprünglich von einem Umsatzrückgang von sechs bis zehn Prozent zum Vorjahreszeitraum ausgegangen. Doch nun dürfte das Minus bei über zehn Prozent liegen. Vor allem das Netzwerkgeschäft verläuft schleppender als noch vor zwei Monaten erwartet. In diesem Bereich dürfte es im laufenden Quartal zu einem Umsatzrückgang von 25 Prozent kommen - bislang hatte man ein Minus von 20 Prozent angepeilt. Der Umsatz der Handysparte dürfte auch nach aktueller Einschätzung von Nokia um sieben Prozent schrumpfen.

          Noch keine Trendwende

          Ein finnischer Analyst bezeichnete die Zahlen zwar als „nicht katastrophal“, wies aber darauf hin, dass sich Nokia im zweiten Quartal mächtig anstrengen muss, um das Jahresziel zu erreichen. Immerhin konnte der Konzern am Dienstag zwei UMTS-Großaufträge im Volumen von etwa 500 Millionen Euro präsentieren (siehe Link).

          Dennoch reichte die nach unten geschraubte Umsatzprognose, um die Aktien anderer Technologiekonzerne wie Siemens oder Infineon unter Druck zu setzen. Derzeit reagieren die Finanzmärkte äußerst nervös auf jedes Anzeichen einer Verzögerung bei der erwarteten konjunkturellen Erholung. „Nokia verdeutlicht, dass es noch zu früh ist, von einer baldigen Trendwende innerhalb der Branche auszugehen“, sagte Pictet-Analyst Michel Cretier.

          Trotz der noch schleppenden Geschäftsverlaufs im Netzwerkbereich ist Nokia zuversichtlich, dass der Quartalsgewinn am oberen Ende der in Aussicht gestellten Spanne von 0,15 bis 0,17 Euro je Aktie ausfallen wird. Vor allem die Kostensenkungen sowie der gut laufende Verkauf von hochwertigen Handys dürften zum Erreichen des Gewinnziels beitragen.

          Nokias Modelloffensive

          Vor allem die auf der Cebit vorgestellten neuen Handys sollen den Umsatz in den kommenden Monaten ankurbeln. Nokia präsentierte einen Tag vor der Eröffnung der weltgrößten Computermesse gleich fünf neue Modelle. Eins, das „7210“ ist mit einem Farbbildschirm und einem Radio ausgestattet. Das mit großem Tamtam angekündigte UMTS-Handy mit Kamera wurde nur kurz als Prototyp gezeigt. Die offizielle Präsentation des Produkts ist am 26. September zur Markteinführung. Insgesamt will der Konzern allein im ersten Halbjahr 20 neue Mobilfunkgeräte einführen - im gesamten letzten Jahr waren es 14.

          Die Modelloffensive soll dazu beitragen, dass Nokia seine Stellung als Weltmarktführer noch ausbauen kann. „Unser Ziel beim Marktanteil liegt bei 40 Prozent“, sagte Anssi Vanjoki, Vize-Präsident des Handy-Bereichs. Im vergangenen Jahr lag der Nokia-Anteil am Weltmarkt bei rund 35 Prozent. Nokia setzt dabei auf den Trend zum Austausch älterer Handys gegen neue Modelle. Der Austausch mache bereits mehr als 50 Prozent des Gesamtmarktes aus, betonte Vanjoki.

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