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Telekommunikation : Mobilcom vorerst gerettet

  • Aktualisiert am

Mobilcom-Großaktionär Schmid stimmt Treuhänder Thoma zu Bild:

Nach der Einigung zwischen Regierung und Gerhard Schmid über einen Treu-händer rechnet Mobilcom nun auch mit der Unterstützung von France Télécom.

          Der Mobilfunkanbieter MobilCom ist nach wochenlanger Zitterpartie vor dem drohenden Aus gerettet. Mit der Einigung auf Ex-RTL-Chef Helmut Thoma als Treuhänder für die Aktien des Mobilcom-Gründers Gerhard Schmid ist der Weg für die weitere Sanierung frei.

          Am Freitag verlängerten die Banken erwartungsgemäß fällig werdende Kredite in Höhe von 4,7 Milliarden Euro um eine Woche. Das bestätigte Vorstandschef Thorsten Grenz. Nun warten alle Beteiligten noch auf grünes Licht aus Paris. Großaktionär France Télécom gab noch keine Entscheidung zu der Treuhänder-Regelung bekannt.

          Warten auf France Télécom

          Allerdings heißt es aus Unternehmenskreisen, der französische Konzern bleibe bei seinen Zusagen. Man habe keinen Zweifel daran, dass die Unterschrift unter die Verträge wie geplant erfolge, hieß
          es. Denkbar sei, dass die Franzosen sich etwas Zeit ließen und damit die Verhandlungen auf deutscher Seite zwischen Bundesregierung und Mobilcom-Großaktionär auf ihre Art “beantworteten“.

          Zuversichtlich äußerten sich auch die Gewerkschaften. Sicher könne ein Unternehmen wie France Télécom nicht von heute auf morgen sieben Milliarden Euro überweisen, sagte der örtliche IG-Metall-Vertreter Kai Petersen. Er gehe aber davon aus, dass Mobilcom nicht mehr von der Insolvenz bedroht sei.

          Schmid lenkt ein

          Schmid hatte am Donnerstagabend einen Vertrag unterzeichnet, mit dem seine Aktien und die Anteile der Firma seiner Frau an Thoma als Treuhänder übertragen werden. Der Vertrag sei mit der Bundesregierung und dem Unterhändler Dieter Vogel abgestimmt, betonte eine Schmid- Sprecherin in Frankfurt.

          Die Büdelsdorfer Telefonfirma, bei der 5.000 Stellen auf dem Spiel standen, balanciert seit Wochen am Rande des Abgrunds. Am Freitag wäre ein Kredit über 4,7 Milliarden Euro fällig geworden, für den das Unternehmen die Rückendeckung von Großaktionär France Télécom braucht. Insgesamt soll France Télécom sieben Milliarden Euro an Mobilcom-Schulden übernehmen.

          Der Übergang des 37-prozentigen Aktienanteils von Schmid und dessen Frau auf einen Treuhänder war eine Bedingung der Franzosen, um Mobilcom aus der Klemme zu helfen. Schmid und die Bundesregierung konnten sich sich lange Zeit nicht auf die Person des Treuhänders einigen. Bei Mobilcom herrschre jedenfalls erstmal große Erleichterung. Die Weichen für eine positive Zukunft seien gestellt, nun könne man den Blick nach vorne richten, sagte Sprecher Matthias Quaritsch. Einzelheiten zu dem Vertrag konnte er nicht nennen. „Wir müssen das Werk erstmal analysieren.“

          Weiter Millionen in Aussicht

          Auch die Bundesregierung begrüßte in einer Stellungnahme „die positive Entscheidung von Herrn Schmid“. Nähere Details zu den nun zu erwartenden weiteren finanziellen Hilfen wollte weder eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums noch ein Sprecher der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) nennen.

          Laut Grenz würden die nötigen Verträge zur Rettung des Unternehmens nun noch abgestimmt, da sich diese alle aufeinander beziehen. Eine Unterzeichnung durch alle Beteiligten erwarte er noch am Freitag oder spätestens am Montag. Dann werde Mobilcom durch ein Konsortium unter Führung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) weitere Kredite in Höhe von 110 Millionen Euro erhalten. „Diese ziehen wir dann nach Bedarf“, sagte Grenz.

          An der Börse legten Mobilcom-Aktien auch am Freitag weiter zu und erhöhten um über zwölf Prozent. Bereits am Donnerstagabend hatten die Titel von der Einigung zwischen Schmid und der Bundesregierung profitiert. „Nun springen auch noch die letzten auf den fahrenden MobilCom-Zug“, sagte ein Händler.

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