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Telekommunikation : Milliardenverluste bei der Telekom

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Analystin Hasselbring (Berenberg Bank): "Trotz Verlust Wachstumschancen" Bild: ddp

Die Deutsche Telekom hat das schlechteste Ergebnis seit ihrem Börsengang erwirtschaftet.

          Erstmals seit ihrer Gründung als Aktiengesellschaft im Jahr 1995 muss die Deutsche Telekom rote Zahlen in die Bilanz schreiben. Trotz Erträgen aus Beteiligungsverkäufen lag der Verlust im vergangenen Jahr bei 3,1 Milliarden Euro, obwohl der Umsatz um über 18 Prozent auf 48,3 Milliarden Euro deutlich anstieg.

          Im Jahr zuvor hatte der Ex-Monopolist noch einen Gewinn von 5,9 Milliarden Euro ausgewiesen - allerdings nur aufgrund von Sonderposten. Der um Sondereinflüsse bereinigte Konzernverlust stieg 2001 auf 4,7 Milliarden Euro nach 1,5 Milliarden Euro im Vorjahr. Das ebenfalls um Sondereinflüsse bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda) kletterte auf 15,1 Milliarden Euro. Ob unter diesen Umständen für das Jahr 2001 eine Dividende gezahlt wird, ist noch offen. Ein Telekom-Sprecher sagte, der Vorstand werde der Hauptversammlung im Mai rechtzeitig seinen Vorschlag machen.

          Hohe Verluste bei Voicestream

          Gründe für die Verluste der Telekom sind neben den Kosten für den Aufbau der neuen UMTS-Netze auch die hohen Verluste der US-Mobilfunktochter Voicestream. Das Unternehmen legte ebenfalls am Dienstag seine Bilanz vor. Darin wird der Verlust mit rund drei Milliarden Dollar angegeben. Er geht allerdings nur zur Hälfte in die Telekom-Zahlen ein, da die US-Gesellschaft erst seit Juli voll in die Telekom-Bilanz einbezogen ist.

          Das positive Ergebnis im Jahr 2000 beruhte wesentlich auf dem Verkauf von Anteilen an der US-Gesellschaft Global One sowie der Kabelnetze in Nordrhein-Westfalen und Hessen, außerdem auf den Einnahmen aus dem Börsengang der Internet-Tochter T-Online. Ohne diese Sondereinflüsse hätte schon 2000 eine Verlust von 1,5 Milliarden Euro ausgewiesen werden müssen.

          Abschreibungen und Neubewertung von Immobilien

          Zu dem Verlust im Jahr 2001 tragen auch höhere Abschreibungen bei. So schlägt die Umbenennung der weltweiten Mobilfunk-Unternehmen unter die einheitliche Marke T-Mobile mit einer außerordentlichen Abschreibung von einer Milliarde Euro zu Buche, die Neubewertung von Immobilien kostet noch einmal 500 Millionen Euro in der Bilanz. Dank einer Steuerrückzahlung konnte die Telekom ihre Schulden von 65,2 Milliarden Euro im dritten Quartal auf 62,1 Milliarden Euro zum Jahresende wieder leicht senken. Ende 2000 hatten die Netto-Verbindlichkeiten 56,5 Milliarden Euro betragen.

          Im Rahmen der Erwartungen

          Nach Meinung von Ralf Hallmann, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin (BGB), sind die Zahlen der Deutschen Telekom insgesamt positiv zu bewerten. Das Ebitda sei leicht über den eigenen Schätzungen ausgefallen. Dagegen liege der Umsatz etwas unter den Prognosen, so Hallmann. Der unter den Konsenschätzungen ausgefallenen Nettoverlust sei auf Abschreibungen auf Markennnamen zurückzuführen. Diese seien in den Prognosen nicht enthalten gewesen. Rechne man dies heraus, liege das Ergebnis hier im Rahmen der Schätzungen, so der Analyst.

          Damit habe Deutsche Telekom das eigene Ziel sogar leicht übertroffen. Auch die Daten zu T-Mobile seien im Rahmen der Erwartungen ausgefallen. Bei Voicestream lasse zudem der Rückgang im Ebitda-Verlust auf einen Break-Even Ende des zweiten Quartals 2002 hoffen, so Hallmann. Ganz so zufriden war die Börse nicht: die T-Aktie verlor knapp ein Prozent.

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