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Telekommunikation : Das Bezahlen mit dem Mobiltelefon rückt näher

  • -Aktualisiert am

Hier funktioniert das mobile Bezahlen schon Bild: AP

„Bar oder mit Karte?" hieß es früher, wenn es um die Rechnung ging. Diese Zeiten aber sind fast vorbei. Schon in Kürze wird es heißen: „Zahlen Sie bar oder mit Ihrem Handy?" Die Netzbetreiber entwickeln eine gemeinsame Abrechnungsplattform.

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          „Bar oder mit Karte?" hieß es früher, wenn es um die Rechnung ging. Diese Zeiten aber sind fast vorbei. Schon in Kürze wird es heißen: „Zahlen Sie bar oder mit Ihrem Handy?" Der Traum des Bezahlens mit dem Handy ist so alt wie das Mobiltelefon selbst. Jetzt aber könnte aus dem Traum endlich Realität werden.

          Bisher scheiterte die Lösung für das sogenannte „Mobile Payment" an der Zerstrittenheit der Netzbetreiber. Welcher Händler aber wäre bereit, ein Bezahlsystem zu installieren, das nur von einem Mobilfunkanbieter unterstützt wird. Dieses Hindernis ist jetzt aus dem Weg geräumt.

          Einheitliche Abrechnungsplattform

          Die vier großen Netzbetreiber Vodafone und T-Mobile sowie Orange und Telefónica Moviles gaben am Mittwoch bekannt, daß sie ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet haben, das zügig eine einheitliche Abrechnungsplattform für das Bezahlen mit dem Mobiltelefon erarbeiten soll. Dies könnte auch zu einer Konkurrenz für die Kreditkartenanbieter werden, die ebenfalls Interesse an dem mobil abgewickelten Zahlungsverkehr haben.

          Das Prinzip des mobilen Zahlens ist denkbar einfach: Der Kunde gibt zur Zahlung einer Rechnung seine Mobilfunknummer an, erhält daraufhin vom Händler eine Kurzmitteilung (SMS) über den zu zahlenden Betrag. Mit einer Bestätigung und einer Identifikationsnummer (Pin) könnte die Zahlung autorisiert werden. Der Kunde findet den entsprechenden Betrag dann auf seiner Telefonrechnung, die vom Konto abgebucht wird.

          Sicherheitsstandards

          So weit die Theorie. Es bleiben allerdings trotz der geballten Macht der Mobilfunkanbieter noch Schwierigkeiten. So müssen zum Beispiel die notwendigen Sicherheitsstandards gewährleistet werden. Auch müssen Wege gefunden werden, um den Kunden, die keinen Laufzeitvertrag abgeschlossen haben, die Nutzung der Zahlung über das Handy zu ermöglichen. Da diese sogenannten Prepaid-Kunden in manchen Ländern die Mehrheit der Handynutzer stellen, ist auch diese Kundengruppe von besonderer Bedeutung für die Mobilfunkanbieter.

          Trotz dieser Schwierigkeiten gilt das Gemeinschaftsunternehmen als die bisher aussichtsreichste Initiative, um das Handy als Bezahlinstrument zum Erfolg zu führen. Zum Vorstandsvorsitzenden der bisher als Mobile Payment Services Association bezeichneten Gesellschaft wurde Tim Jones berufen, ein Banker, der bisher unter anderem das Privatkundengeschäft bei der National Westminster Bank in Großbritannien geleitet hat.

          Beeindruckende Marktmacht

          Die Marktmacht der Gruppe aber ist beeindruckend: Allein die vier Gründungsmitglieder der neuen Gesellschaft bringen es international auf rund 270 Millionen Kunden. Aber auch die anderen Mobilfunkunternehmen in Europa wollen mitmachen. So beeilten sich am Mittwoch beispielsweise die niederländische KPN oder auch MMO2 aus Großbritannien, mitzuteilen, daß man einem solchen Standard sehr positiv gegenüberstehe und gerne in der neuen Gesellschaft mitarbeiten wolle.

          Die direkte Kundenbindung, über die die Mobilfunkgesellschaften verfügen, gilt als der Schlüssel zum Erfolg für ein solches Bezahlsystem. Da die Kunden mit Hilfe der Sim-Karte mit ihrer Telefonnummer und einer Geheimzahl mit relativer Sicherheit zu identifizieren seien, könnte man das Abrechnungssystem, das sowieso hinter dem Mobilfunkgeschäft stehe, um die Abrechnung von anderen Beträgen erweitern. Ohne diese Kundenbindung hingegen sind die bisherigen Versuche, ein System zum Mobile Payment aufzubauen, gescheitert.

          Paybox.net stellt Geschäftsbetrieb ein

          Erst vor wenigen Wochen hatte der bisherige Hoffnungsträger der Branche, die deutsche Paybox.net AG aus Frankfurt, ihren Geschäftsbetrieb in Deutschland eingestellt. Nachdem der ehemalige Hauptaktionär Deutsche Bank sich von Paybox abgewandt hatte, suchte das Unternehmen erfolglos nach einem neuen Partner für sein Mobile-Payment-System. Mit rund 300 000 aktiven Kunden in Europa hatte sich Paybox zwar in einer Nische etabliert, war aber weit davon entfernt, sich wirklich durchzusetzen. Von Paybox selbst war zu hören, daß das Unternehmen über ein funktionierendes System verfüge, das bereitstehe, wenn die Mobilfunker daran Interesse hätten.

          Dies allerdings darf getrost bezweifelt werden. Die neue Gesellschaft hat sich zwar noch nicht festgelegt, befindet sich aber in Gesprächen mit dem Stuttgarter Unternehmen Encorus, einer Tochtergesellschaft der amerikanischen E-One-Global. Von Encorus selber war keine Aussage hierzu zu erhalten. Bekannt ist allerdings, das Encorus schon länger mit den Gründungsmitgliedern Vodafone und T-Mobile über Systeme für das Mobile Payment verhandelt.

          E-One-Global ist Spezialist für mobile Zahlungssysteme und gehört zu 75 Prozent zur First Data Corporation, einem der größten internationalen Dienstleister zur Abwicklung (Processing) von Zahlungsvorgängen. Die restlichen 25 Prozent von E-One-Global werden über die I-Formation-Group von der Boston Consulting Group, der Risikokapitalgesellschaft General Atlantic Partners und Goldman Sachs gehalten.

          First Data ist in den vergangenen Tagen schon einmal durch den Erwerb der Tele-Cash GmbH von der Deutschen Telekom in Erscheinung getreten. Diese Abwicklungsgesellschaft betreibt in Deutschland mehr als 166 000 Punkte, an denen mit EC- oder Kreditkarte gezahlt werden kann. So fügen sich die Bausteine zu einer Strategie der First Data, die eindeutig auf den Einstieg in den europäischen Processing-Markt abzielt und dabei den Markt für das mobile Bezahlen in einen besonderen Focus genommen hat.

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