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Telekommunikation : Bewegung im Mobilcom-Clinch

  • Aktualisiert am

Will Mobilcom-Chef Schmid seinen Anteil verkaufen? Bild: ddp

Im Streit zwischen Mobilcom und France Télécom zeichnet sich eine Lösung ab. Banken sind offenbar am Anteil von Mobilcom-Chef Schmid interessiert.

          In den Dauerstreit zwischen France Télécom und der deutschen Mobilcom kommt Bewegung. Ein Konsortium aus mehreren internationalen Großbanken will offenbar von Mobilcom-Chef Gerhard Schmid dessen 42-prozentigen Anteil an dem Büdelsdorfer Mobilfunkunternehmen übernehmen.

          Das schreibt die Nachrichtenagentur Reuters und beruft sich dabei auf Londoner Bankenkreise. Bereits am Morgen hatte die französische Wirtschaftszeitung „La Tribune“ ohne Angaben von Quellen Ähnliches berichtet. An der Börse wird seit einigen Tagen spekuliert, Schmid wolle seine Aktien verkaufen - die eleganteste Lösung für alle Beteiligten. Zurzeit ist France Télécom mit 28,5 Prozent zweitgrößter Aktionär von Mobilcom.

          Schmid soll abtreten

          Nun heißt es, die französische Societe Generale, die Deutsche Bank und die niederländische ABN Amro, die zu den größten Kreditgebern von Mobilcom gehörten, wollten Schmid dieses Angebot auf der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch unterbreiten. Teil des Vorschlags sei eine Vereinbarung, mit der sich die Banken zur Weitergabe der Aktien an France Télécom bereit erklärten, wenn der französische Telefonkonzern seine hohe Verschuldung verringert habe. Den Bankenkreisen zufolge wurde zur Voraussetzung für die Übernahme der Aktien gemacht, dass sich Schmid auch als Vorstandschef aus dem von ihm gegründeten Unternehmen zurückziehe.

          Bislang hatte Schmid immer wieder betont, er werde seine Anteile nicht verkaufen. Die genannten Banken lehnten eine Stellungnahme dazu ab, ein Mobilcom-Sprecher sprach von „reiner Spekulation“. Von Seiten des Aufsichtsrates war keine ebenfalls kein Kommentar zu bekommen. Allerdings wird damit gerechnet, dass spätestens am Donnerstag, wenn beide Konzerne ihre Geschäftszahlen vorlegen, mehr Klarheit in die Angelegenheit gebracht wird.

          Verhandlungen werden fortgesetzt

          Bei France Télécom hieß es nur, es werde weiter mit Mobilcom über eine Einigung im Streit um die Finanzierung des deutschen UMTS-Mobilfunknetzes verhandelt. Die Gespräche über alle möglichen Szenarien würden fortgesetzt, bisher sei keine Einigung erzielt worden. Mobilcom trägt seit mehreren Wochen öffentlich einen Streit mit seinem zweitgrößten Aktionär France Télécom über die Finanzierung des UMTS-Netzes aus. Die Unternehmen drohten sich nach Ansicht von Analysten durch den Streit gegenseitig zu blockieren.

          Während Mobilcom bis Ende 2003 rund 1,4 Milliarden Euro investieren will, verlangt France Télécom die Ausgaben zu strecken. Mobilcom hatte zeitweise damit gedroht, Teile des Kooperationsabkommens mit France Télécom zu veröffentlichen. Damit sollte belegt werden, dass sich der französische Konzern dazu verpflichtet hat, dem Büdelsdorfer Unternehmen den Aufbau des UMTS-Netzes zu finanzieren. France Télécom ist über ihre Mobilfunktochter Orange an Mobilcom beteiligt und kann von November 2003 an durch Ankauf von Aktienpaketen Schmids eine Mehrheit an dem Konzern erwerben. Durch den Streit droht auch die Finanzierung von Mobilcom in Gefahr zu geraten, wenn nicht bis Mitte 2002 ein von den Banken gewährter Überbrückungskredit über 4,7 Milliarden Euro neu verhandelt wird.

          Streit um Gutachter

          Zudem geht es zwischen den Konzernen um den Kauf von vier Millionen Aktien durch Schmids Ehefrau Sybille Schmid-Sindram. Bei einer vorherigen Aufsichtsratssitzung hatten sich die Unternehmen darauf geeinigt, dass die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO ein Gutachten zu dem Aktienerwerb erarbeitet. Das Gutachten sollte eigentlich auf der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch vorgelegt werden.

          Auch in diesem Punkt ist es offenbar zu einem Streit zwischen den Konzernen gekommen. So hieß es, dass Schmid die Ablösung des France Télécom-Vertreters im Aufsichtsrat, Erich Bouvier, verlangt habe. Dieser habe verschwiegen, dass es wirtschaftliche Beziehungen zwischen France Telecom und der Prüfungsgesellschaft gibt, die ursprünglich das Gutachten über die Optionsgeschäfte von Schmids Gattin anfertigen sollte. Viel Stoff für eine Fortsetzung der Mobilcom-Saga.

          entspannt. Die Franzosen wollen angesichts ihrer eigenen hohen Verschuldung das Engagement in Deutschland gern etwas abbremsen und die UMTS-Investitionen strecken. Mobilcom-Chef Schmid beharrt auf vertraglichen Verpflichtungen, auch wenn er nicht mehr unbedingt als erster UMTS in Deutschland anbieten will. Allerdings will er sich beim aktuellen Geschäftsplan nicht von den Franzosen hereinreden lassen, was aus seiner Sicht auch vertraglich nicht so vorgesehen ist.

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