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Telefonaktion : Wie viel Risiko verträgt mein Depot?

Bild: Bengt Fosshaq

Die einen sind ängstlich, die anderen mutig: Das bestimmt die Geldanlage. Doch wie finde ich meine Risikoneigung heraus?

          Bevor Sie weiterlesen, beantworten Sie sich folgende Frage: Sie werfen eine Münze. Wenn Kopf kommt, kriegen Sie einen Euro. Fällt die Zahl, bekommen Sie nichts. Vorher müssen Sie aber einen Einsatz bringen: Wie viel Geld würden Sie auf das Eintreten von Kopf setzen?

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Summe, die Sie darauf wetten, sagt etwas über Ihre persönliche Risikostufe aus. Und die ist fürs Leben so wichtig wie fürs Geldanlegen. Denn genauso wenig wie jeder von uns im Leben gern ein Selbständiger sein oder ein Fallschirmspringer werden möchte, will auch nicht jeder beim Geldanlegen dasselbe Risiko eingehen wie andere und deshalb auch nicht unbedingt dasselbe Produkt kaufen.

          Die Kunst besteht nun darin, die Produkte herauszufinden, die zur persönlichen Risikoneigung passen. Denn denen bleibt man lange treu. Und das ist ein entscheidendes Kriterium dafür, ob sich Vermögen vermehrt oder ob durch stetes Hin- und Herschichten Rendite verpufft. Jüngst gab es zwar viele gute Jahre, in denen Sparer hohe Renditen erwirtschaften konnten. Dafür gab es aber auch etliche, in denen gleich die Hälfte des Vermögens verpuffte. Kann und will man das notfalls aussitzen?

          Zugegeben, es ist nicht leicht, die Frage zu beantworten: Welcher Risikotyp bin ich? Aber es lohnt sich. Denn die Risikoneigung eines Menschen bleibt übers Leben relativ konstant.

          Das mag komisch klingen in diesen Zeiten. Zumal Umfragen nahelegen, die meisten von uns seien gerade erst zu Angsthasen mutiert. Noch nie antworteten so viele Menschen auf die Frage, wonach sie ihre Geldanlage auswählen, mit: Sie soll sicher sein. Das sagen sie nicht nur, sie handeln auch so: Innerhalb von Monaten zogen Anleger ihr Geld aus Aktien, Immobilien- und sogar Rentenfonds ab. Sind also mehr Anleger ins Lager der Risikoscheuen gewechselt?

          Nein, sagt Armin Falk, Verhaltensökonom und Risikoforscher an der Universität Bonn: „Man darf die persönliche Risikobereitschaft nicht verwechseln mit der Frage, für wie risikobehaftet man es hält, eine Aktie zu kaufen. Letzteres ist nur eine subjektive Erwartung – unsere Vorstellung von der Welt.“ Die habe sich zwar ganz sicher durch die Krise geändert, weil viele Aktionäre erfahren mussten, wie Kurse und Banken stürzten und vermeintlich sichere Zertifikate wertlos wurden. „Aber wenn jemand sagt, dass er keine Aktien mehr kauft, muss er nicht seine tiefe Einschätzung geändert haben.“

          Die nämlich hängt maßgeblich von der Persönlichkeit ab – und nur wenig von den Märkten. Wenn die Persönlichkeitsmerkmale eines Menschen erst voll ausgebildet sind, ab dem 20. Lebensjahr, dann bleiben sie größtenteils ein Leben lang erhalten. Sie verschieben sich noch um Nuancen, ändern sich aber selten komplett.

          Die Risikofreude ist teils schon bei der Geburt angelegt

          Neuroökonomen haben herausgefunden, dass unsere Risikofreude sogar schon bei der Geburt zum Teil angelegt ist. So hat Christian Elger von der Universität Bonn belegt, dass im Gehirn die Dichte der Verbindung zwischen dem Mandelkern und dem Belohnungssystem – die genetisch bedingt ist – darüber entscheidet, ob wir Risiko scheuen oder lieben. Ist diese Verbindung besonders aktiv, wird das Glückshormon Dopamin besonders gut angenommen. Das gibt jedesmal einen Kick im Hirn – wir sind risikofreudiger.

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