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Teilung Indiens 1947 : Die größte Flucht jenseits von Kriegen

Die Teilung des indischen Subkontinents machte Millionen Menschen zu Vertriebenen. Der Westen und der Osten gehörte fortan Muslimen, die Halbinsel dazwischen Hindus und Sikhs. Bild: Margaret White Bourke/Life/Shutterstock

Es war eine der größten Vertreibungen der Geschichte. Die Teilung des indischen Subkontinents im Jahr 1947 wirkt bis heute nach. Menschen erfuhren, was es heißt, Heimat zu verlieren.

          5 Min.

          Die Böllerschüsse vom Jubeltag sind längst verklungen, der Alltag hat Indien 75 Jahre nach seiner Unabhängigkeit eingeholt. Die Erinnerung an den Herbst 1947 aber mag für viele nicht vergehen. Denn die Unabhängigkeit, fast über Nacht von den Briten erklärt, kam mit scharfen Trennlinien zwischen Staatengebilden. Gezogen hat sie Cyril Rad­cliffe, ein Jurist. Er war in seinem Leben nie weiter nach Osten gekommen als bis Paris. Südasien kannte er nur aus Karten, Berichten und Skizzen.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Linien auf Radcliffes Reißbrett aber, als Staatengrenzen verkündet am 17. August 1947, stürzten Millionen von Menschen in Angst, Verzweiflung, Verderben. Diese Linien zerlegten den Punjab und Bengalen, deren Hälften in nun konkurrierenden Ländern lagen. Der Teilung vorausgegangen war „Das Große Morden“, zu dem der von Muslimen initiierte Generalstreik in Kalkutta ein Jahr zuvor ausgeartet war – in nur 72 Stunden fanden geschätzt 5000 Menschen den Tod, die allermeisten Muslime. Danach gab es kein Halten mehr. Unruhen ergriffen das Land. Ihnen sollte Ratcliffe mit Lineal und Zeichenstift ein Ende bereiten – ihren Forderungen folgend bekamen Muslime die eine Hälfte des Subkontinents, Hindus und Sikhs die andere.

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