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Teil 6: Gucci : Das tödliche Patt in Familienunternehmen

  • -Aktualisiert am

Der Aufstieg von Gucci war spektakulär, der Fall auch: Tasche aus der Herrenkollektion Herbst/Winter 2007/2008 Bild: REUTERS

Fehden, Mord, Denunziation: In der Familie Gucci lief einiges schief. Der Gründer des Luxusunternehmens Guccio Gucci hatte an alles gedacht, nur nicht an geordnete Verhältnisse im Unternehmen nach seinem Tod. Der Preis war hoch.

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          Gucci ist eine weltweit etablierte Modemarke, die von einem florierenden Familienunternehmen in drei Generationen aufgebaut wurde, das den Nachnamen seines Gründers Guccio Gucci trägt. Die Familie, die durch öffentlich ausgetragene, bizarre Auseinandersetzungen - wie Mord und Anzeigen bei der Steuerfahndung - auf sich aufmerksam machte, verlor die Macht im Unternehmen infolge mangelhafter Erbregelungen.

          Als die Weltwirtschaftskrise Guccios Eltern zur Aufgabe ihres kleinen florentinischen Unternehmens zwang, wanderte Guccio nach England aus und verdingte sich dort im Nobelhotel Savoy als Boy. Dort fiel ihm auf, dass die reichen und berühmten Gäste ihren Wohlstand besonders gern durch ihr Gepäck zur Schau stellten. Das brachte ihn auf die Geschäftsidee, Koffer und Taschen aus Leder zu entwerfen und zu verkaufen. Nach Florenz zurückgekehrt, eignete er sich als Angestellter in Lederfachgeschäften die Materialkenntnisse und das kaufmännische Wissen an. Mit einem kleinen Reparaturbetrieb machte er sich selbständig und verkaufte auch von ihm entworfene, von Handwerksbetrieben im Auftrag hergestellte Koffer und Taschen, die reißenden Absatz bei den in Florenz zahlreichen ausländischen Besuchern fanden.

          Sohn Aldo baute das Amerika-Geschäft auf

          Schon bald musste er vergrößern und zusätzliches Personal einstellen. Seine Kinder drängte er, von klein auf im Unternehmen mitzuwirken. Bald eröffnete er Filialen in ganz Italien, deren Leitung er seinen Kindern übertrug. Sein in die Vereinigten Staaten entsandter Sohn Aldo betrieb die dortigen Geschäfte für die Familie als Aktiengesellschaft, die unter seiner Leitung schnell expandierte. Von dort aus erschloss er auch in den siebziger Jahren den bedeutenden japanischen Markt. Das Warenangebot wurde nach und nach um Parfüms, Schuhe und Schals erweitert.

          Er machte Gucci in Amerika groß: Aldo Gucci auf einem Bild von 1977

          Als Guccio starb, hinterließ er ein schnell wachsendes Familienunternehmen. Entsprechend seiner Grundüberzeugung, Frauen keinen unternehmerischen Einfluss zu gewähren, enterbte er seine einzige Tochter. Das Unternehmensvermögen ging an seine Söhne in gemeinschaftlichem Eigentum. Guccio schrieb vor, dass auch in Zukunft nur Familienangehörige Gesellschafter des Unternehmens sein sollten.

          Aldo wollte an die Börse, die Brüder nicht

          Der dynamische Aldo trieb die Entwicklung von Amerika aus voran. Mit seinen Plänen stieß er jedoch bald an finanzielle Grenzen. Er schlug deshalb seinen Brüdern vor, mit dem amerikanischen Unternehmen an die Börse zu gehen. Diese waren mit dem Erreichten zufrieden und verweigerten ihm ihre Zustimmung. Sie erneuerten das Verbot der Fremdbeteiligung „für die nächsten 100 Jahre“. Nachdem der dritte Bruder aus dem Unternehmen ausgeschieden war, hielten Aldo und Rodolfo je 50 Prozent.

          In der Folgezeit kam es immer wieder zu Versuchen, dieses Patt zu beenden. Skurrilerweise misstrauten beide Väter ihren Söhnen. Aldo zog Rodolfos einzigen Sohn, Maurizio, in die amerikanische Unternehmensführung herein. Dieser konnte jedoch keine Beteiligungsquote einbringen, weil sein Vater Rodolfo an seiner unmittelbaren Beteiligung festhielt. Aldo hatte schon früher seinen drei Söhnen je ein Drittel übertragen. Wenn es Rodolfo gelänge, auch nur einen der Söhne Aldos auf seine Seite zu ziehen, verfügte er über die Mehrheit von 53,3 Prozent.

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