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Technologiebranche : Die Unsicherheit bleibt

  • -Aktualisiert am

Hightechbranche: nebulöse Aussichten Bild: dpa

Technologieunternehmen präsentierten zuletzt Geschäftsberichte von unterschiedlicher Qualität. Einige Konzerne haben die Konjunkturschwäche gut im Griff.

          Die ersten Quartalsberichte des Jahres prasseln auf die Finanzmärkte ein, und die Akteure sind hin und her gerissen. Vorläufig scheint ein Boden gefunden zu sein im Bereich der Hightech-Branche, induziert sowohl durch die überraschende Zinssenkung der Fed, als auch durch die Einpreisung der unzähligen Gewinnwarnungen.

          Der kurzfristige Trend zeigt nach oben. Dennoch ist die Volatilität weiterhin hoch im Wochenhandel - ein Ausdruck der immer noch grassierenden Unsicherheit. Die Unsicherheit scheint berechtigt. Während einzelne Unternehmen wie Microsoft, Nokia oder AOL Time Warner ordentlich durch die konjunkturelle Talsohle schippern, bauen andere wie Nortel Networks, Texas Instruments oder Intel deutlich ab.

          Halbleiterbranche als Frühindikator

          Ein Blick auf die Halbleiterbranche verdeutlicht die Stimmung. Während Anbieter wie Infineon oder Advanced Micro Devices verhalten optimistisch auf die kommenden Monate blicken, schockierte Branchenführer Intel die Finanzgemeinde mit einem Gewinneinbruch von über 80 Prozent und kündigt Entlassungen an. Die Halbleiterbranche gilt als Frühindikator für den Telekommunikationssektor, da Chips entscheidende Bauteile für Computer, Handys, Automobile und sämtliche Elektronikgeräte sind. Analysten sind uneins, wie die Branche in den nächsten Quartalen performen wird. Einige sehen die Wende nah, die Lagervorräte abgebaut, die Preise langsam wieder steigen. Andere behaupten das Gegenteil.

          Die Spreu trennt sich vom Weizen

          Für den Anleger ist das eine verwirrende Realität. Vielleicht sollte man deshalb den Blick von Branchen weg auf die Einzelunternehmen richten. Nokia beispielsweise hält die Gewinnmargen weitestgehend, steigert die Marktanteile und sieht von Entlassungen ab. Ähnlich sieht es bei Microsoft aus. Beide Unternehmen scheinen effizient und einfallsreich genug, um den Konjunktureinbruch abzufedern. Andere entlassen tausende Mitarbeiter, um die Kosten zu senken, und wagen noch nicht einmal eine Geschäftsprognose für 2001 abzugeben: Motorola 22.000 Personen, Nortel Networks etwa 20.000, Lucent Technologies 16.000, Ericsson 10.000 und Texas Instruments 2.500. Hier hat das Management versagt. Sie haben die Lager mit Produkten aufgebläht, die Nachfrage überschätzt und haben nun ein teilweise sehr ernstes Cashproblem. Büßen müssen diese Fehleinschätzung meist die Angestellten in den Produktionsanlagen. Nur Hewlett Packard hat sich entschieden, auch auf der Führungsebene anzusetzen: 3.000 Managementstellen sollen gestrichen werden.

          Weitere Gewinnwarnungen und Entlassungen

          Die Gewinnwarnungen und Stellenkürzungen werden vorerst weitergehen. Bei einigen wie SAP, IBM und Apple zeichnet sich Hoffnung ab. Sie konnten in den vergangenen Tagen die Erwartungen der Finanzmärkte übertreffen, Erwartungen, die allerdings schon sehr niedrig angesetzt waren. Problematisch für Anleger bleiben Unternehmen wie Nortel und Ericsson, die sich aufgrund der konjunkturellen Unsicherheit nicht in der Lage sehen, eine Prognose für das Geschäftsjahr abzugeben. Eine Berechnung des Kurs-Gewinn-Verhältnis KGV ist damit schwierig und damit auch eine fundierte Bewertung der Aktien.

          Unsicherheit pur

          Andere Konzerne wie Nokia können den Kopf zwar deutlich über Wasser halten, sie bieten Prognosen an, müssen dabei jedoch die Wachstumserwartungen herunterschrauben. Das führt dazu, dass etwa Nokia trotz der deutlichen Abschläge immer noch ein KGV von 35 aufweist. Das ist zu hoch, meinen die einen, das ist fair bewertet, sagen die anderen. Der Finanzmarkt im Frühjahr 2001: Unsicherheit pur.

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