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Programmierer und Forscher : Tech-Konzerne kritisieren Trumps Visa-Stopp

Eine amerikanische Flagge vor dem Weißen Haus Bild: AP

Präsident Trump setzt die Vergabe neuer Visa für Fachkräfte bis zum Jahresende aus. Unternehmen wie Google und Amazon wehren sich.

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          Der amerikanische Präsident Donald Trump hat die Erteilung neuer Visa für bestimmte Gruppen bis zum Ende des Jahres gestoppt. Die Verfügung, die sofort in Kraft tritt, trifft nach Schätzungen der Regierung 525.000 Personen, darunter hochqualifizierte Programmierer, Computerfachleute und Wissenschaftler, die über H1B-Visa in amerikanischen Unternehmen und an Hochschulen Stellen gefunden haben.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Betroffen sind auch Führungskräfte und Spezialisten aus Konzernen und internationalen Organisationen, die in die Vereinigten Staaten versetzt werden sollten. Dazu kommen mitreisende Angehörige, die bisher Arbeitsgenehmigungen bekommen konnten. Saisonkräfte für Freizeitparks, Hotels, Skigebiete und für Landschaftsbau bekommen ebenfalls in diesem Jahr keine Arbeitserlaubnis mehr. Die Beschränkung trifft offenbar auch Au-pairs. Die Vereinigten Staaten erteilen überdies in diesem Jahr keine Green Cards mehr und verschärfen das Asylrecht.

          Trump reagiert mit diesen Beschränkungen auf die in der Pandemie-Krise dramatisch gestiegene Zahl an Arbeitslosen: Allein 17 Millionen Arbeitnehmer haben ihre Stelle im Freizeit- und Gastgewerbe verloren, während Arbeitgeber weiter die Erteilung von H2B-Visa beantragten, teilte das Weiße Haus mit. Auf Visa für Au-pairs zielt der Hinweis der Regierung, dass junge Leute in Amerika zwischen 20 und 24 Jahren besonders stark unter der aktuellen Krise litten, mit einer Arbeitslosenquote von 23 Prozent.

          Amazon: Das gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit

          Die neuen Visa-Regelungen stoßen auf heftige Kritik der Technologie-Konzerne. Der Vorstandschef von Google, Sundar Pichai, verbreitete über Twitter, er sei enttäuscht über Trumps Proklamation. Einwanderung habe den ökonomischen Erfolg der Vereinigten Staaten beflügelt. Immigration habe das Land zum Technologieführer der Welt gemacht und Google zu dem Unternehmen, das es heute sei. Pichai selbst ist in Indien geboren.

          Amazon teilte in einer Stellungnahme mit, die Regierung gefährde die Wettbewerbsfähigkeit, indem sie qualifizierte Kräfte davon abhalte, nach Amerika einzureisen und zu der wirtschaftlichen Erholung des Landes beizutragen. Das Weiße Haus errichte ein „Nicht willkommen“-Schild für ausländische Ingenieure, Führungskräfte, Mediziner, Krankenschwestern und andere Arbeitnehmer, beklagte der Chef der Amerikanischen Handelskammer, Thomas Donohue.

          Von den H1B-Visumbeschränkungen sind vor allem indische Spezialisten betroffen, die regelmäßig rund zwei Drittel der jährlich erteilten Visa ergattert haben. Insgesamt handelt es sich um 85.000 Visa im Jahr, rund 20.000 davon gehen an ausländische Absolventen amerikanischer Hochschulen. Hier wächst nun die Sorge, dass weniger Bewerber aus dem Ausland einen amerikanischen Studienplatz anstreben könnten.

          Für viele Hochschulen sind die Gebühren ausländischer Studenten zentral für die Finanzierung. Schüleraustausch-Programme sind von der neuen Verordnung offenbar nicht betroffen. Ebenso ausgenommen sind ausländische Arbeitnehmer, die in den Vereinigten Staaten essentielle Arbeiten in der Lebensmittelproduktion ausüben. Sonderregelungen gelten auch für den Gesundheitssektor.

          Das Weiße Haus weist darauf hin, dass erst nach Monaten der wirtschaftlichen Erholung die Belebung des Arbeitsmarktes beginne. Diese Erfahrung rechtfertige den Immigrationsstopp bis zum Ende des Jahres. Trump hatte in seinen Wahlkämpfen scharfe Beschränkungen der Zuwanderung verkündet. Diese betten sich in eine längerfristige Strategie des Weißen Hauses ein, Einwanderung zu bremsen. Die klassische Green-Card-Lotterie soll abgeschafft, der Familiennachzug eingeschränkt werden. Dazu kommen Pläne, das Asylrecht so stark zu verschärfen, dass es nur noch in raren Ausnahmen gewährt wird.

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