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Tchibo erhöht die Preise : Warum das Pfund Kaffee bald deutlich mehr kostet

Kaffeebohnen der Sorte Arabica werden geröstet. Bild: dpa

Die tägliche Tasse Kaffee wird teurer – vor allem, weil das Wetter in Brasilien die Ernte beeinträchtigt.

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          Die Tasse Kaffee gehört für die allermeisten Menschen zum Alltag. Im Jahr trinken die Deutschen durchschnittlich 168 Liter Kaffee, Tendenz steigend. Dieser Genuss wird nun deutlich teurer. Den Impuls für die neue Preissteigerungsrunde gibt Marktführer Tchibo , der ankündigt, die Preise ab dem 21. Februar zu erhöhen. Das Pfund Kaffee soll dann je nach Sorte und Herkunftsland um 50 Cent bis 1,30 Euro teurer sein. Die Sorte „Feine Milde“, der nach Tchibo-Angaben beliebteste Filterkaffee in Deutschland, wird dann 6,99 Euro je Pfund kosten.

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Hamburg.

          Der Kaffeepreis eilt damit der hohen Inflation weit voraus. Bis jetzt kostet die „Feine Milde“ noch 5,69 Euro je Pfund, bis Mitte Juni lag der Preis sogar nur bei 4,99 Euro. Errechnet sich aus der aktuellen Preisrunde ein Anstieg von fast einem Viertel, kostet der Kaffee durch die zweifache Erhöhung nun bald insgesamt 40 Prozent mehr. Im Gegensatz zu anderen Kaffeeröstern kann Tchibo den Verkaufspreis selbst festlegen, weil die Ware ausschließlich in europaweit 900 eigenen Geschäften sowie in 24 300 sogenannten Depots in Supermärkten verkauft wird, wo Tchibo die Preishoheit hat. Von den zuletzt 3,1 Milliarden Euro Jahresumsatz entfällt grob die Hälfte auf das Geschäft mit Kaffee.

          Was in den Supermärkten und Discountern für andere Kaffee-Marken verlangt wird, hängt von der Verhandlungsmacht von Branchengrößen wie Jacobs, Nestlé oder Dallmayr einerseits sowie der Handelsriesen wie Edeka und Rewe, Lidl und Aldi auf der anderen Seite ab. Generell ist Kaffee ein Artikel, der häufig für Sonderangebote genutzt wird, was mit einer hohen Preissensibilität vieler Verbraucher einhergeht. „Wie in der Vergangenheit können sich die Kunden darauf verlassen, dass Tchibo die Preise senken wird, sobald die Rohkaffeepreise dies zulassen“, verspricht der Hamburger Kaffeeröster deshalb schon in der Mitteilung zum Preisanstieg.

          Jetzt aber geht es erst einmal in die andere Richtung. „Wir haben lange gezögert, aber seit vergangenem Sommer sind die Rohkaffeepreise um 50 Prozent gestiegen“, erläutert Tchibo-Sprecher Arnd Liedtke die Preisfindung. Vor allem hochwertige Arabica-Qualitäten seien deutlich teurer geworden. Die Rohstoffexperten der Commerzbank berichten von einem Preisanstieg für Arabica-Kaffee um 76 Prozent im Jahr 2021. Im Dezember habe der Arabica-Preis ein Zehn-Jahreshoch erreicht.

          Als Grund für den Preisanstieg verweisen die Rohstoffexperten auf eine enttäuschende Ernte in Brasilien, dem wichtigsten Produzenten und Exportland. Entspannung ist nicht in Sicht. Brasilien erlebte im vergangenen Jahr die schlimmste Dürreperiode seit 90 Jahren, gefolgt vom stärksten Frosteinbruch seit Jahrzehnten, was auch zu Rodungen von Kaffeebäumen geführt hat. Zudem wird befürchtet, dass das Wetterphänomen La Niña die nächste Ernte beeinträchtigt. Die südlichen Staaten kämpfen seit Dezember mit extremer Hitze und Trockenheit, in anderen Regionen gab es übermäßige Regenfälle. Allerdings gibt es auch gegenläufige Entwicklungen, wie die Commerzbank berichtet. So haben Vietnam und Indonesien zuletzt 18 und 17 Prozent mehr Kaffee exportiert, allerdings nicht die Sorte Arabica, sondern Robusta.

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