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Taylor Swift im Porträt : Ein Superstar mit Kampfgeist

Der nächste für die Sammlung: Swift mit ihrem Grammy für „Folklore“ Bild: dpa

Taylor Swift ist derzeit eine der erfolgreichsten Musikerinnen überhaupt. Doch auch als gewiefte Unternehmerin hat sie sich einen Namen gemacht und scheut nicht den Konflikt mit Konzernen.

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          Mit Rekorden kennt sich Taylor Swift bestens aus. Seit Montag hält sie einen weiteren: Als erste Frau überhaupt hat sie drei Grammys in der Kategorie „Album des Jahres“ gewonnen. Ausgezeichnet wurde diesmal „Folklore“ aus dem Juli 2020.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es ist ihr achtes Werk und wie das knapp fünf Monate später erschienene „Evermore“ mit allen voran Aaron Dessner von der Indie-Rock-Band The National und Swifts langjährigem Mitstreiter Jack Antonoff entstanden. Dass alle Beteiligten aufgrund der Pandemie von zu Hause aus arbeiten mussten, hat den Werken offensichtlich nicht geschadet.

          Ihr Erfolg steht ohnehin nicht zur Debatte – was sich unabhängig vom persönlichen Musikgeschmack über Swifts gesamte Laufbahn sagen lässt: Die 31 Jahre alte Amerikanerin ist eine begnadete Songwriterin und Interpretin. Doch sie hat sich auch als gewiefte Unternehmerin einen Namen gemacht, die sich ihres Einflusses bewusst ist und ihn einzusetzen weiß.

          Musikalisch ist Swift nach einer Phase des Hochglanz-Pops mittlerweile bei bedächtigem Indie-Folk angelangt. Begonnen hat ihre Karriere einst im Country-Mekka Nashville, wo die ehrgeizige Teenagerin mit ihren Songs auf sich aufmerksam machen wollte. Gitarre spielen hatte sie schon mit zwölf Jahren gelernt. Als einen der ersten Acts auf seinem neu gegründeten Label Big Machine Records nahm 2005 schließlich Scott Borchetta die damals 15 Jahre alte Swift unter Vertrag.

          Swift während eines Auftritts Ende Oktober 2010 in New York
          Swift während eines Auftritts Ende Oktober 2010 in New York : Bild: Picture-Alliance

          Ihr Vater, von Beruf Banker, erwarb im Zuge dessen eine geringfügige Beteiligung am Label. Mit dem Vertrag sollten die Rechte an den künftig über Big Machine veröffentlichten Aufnahmen Swifts bei dem Label liegen. Eine recht übliche Konstellation zur damaligen Zeit, wo CDs noch wichtig und infolgedessen allein der Vertrieb von Musik viel aufwendiger war als heute. Zudem investierte Borchetta in eine völlig unbekannte Künstlerin.

          Kräftemessen mit Apple und Spotify

          Der Deal sollte später für reichlich Ärger sorgen und ist ein Grund dafür, dass Swifts nächste Veröffentlichung die Neuaufnahme ihres zweiten Albums („Fearless“) sein wird. 2008 hatte es ihr zum großen Durchbruch jenseits der Country-Fans verholfen und den ersten Grammy in der Kategorie „Album des Jahres“ eingebracht. Überhaupt lief die Zusammenarbeit mit Big Machine lange gut. Zwar hatte die Musikindustrie zunehmend zu kämpfen, da der Umsatz mit Tonträgern schrumpfte und Downloads die Verluste nicht abfedern konnten – unter anderem weil die Piraterie florierte.

          Swifts 2012 erschienenes Album „Red“ verkaufte sich trotzdem weit mehr als fünf Millionen Mal. Auf dem damals noch kleinen Streamingdienst Spotify war „Red“ zunächst nicht verfügbar. Auch andere Stars wie beispielsweise Adele zeigten sich noch länger wenig beigeistert ob des aufkommenden Musik-Streamings.

          Im Fall von Swift war es aber nur ein Vorgeschmack auf das, was kommen sollte: 2014 verschwand ihr kompletter Katalog vom schwedischen Dienst, was sie mit ihrem Ärger über Spotifys werbebasierte Gratis-Version begründete: Wertvolle Dinge wie Musik dürften nicht kostenlos sein, hatte sie schon einige Monate zuvor in einem Beitrag für das „Wall Street Journal“ ausgeführt.

          Die Macht der Musikerin bekam wenig später auch Apple zu spüren, als der Konzern – eigentlich ein guter Partner, wie Swift betonte – 2015 seinen Angriff auf Spotify startete. Eine Gratis-Version gab und gibt es bei Apple Music zwar nicht, doch sollten in der dreimonatigen für Nutzer kostenfreien Probephase keine Tantiemen an Künstler respektive deren Partner fließen.

          Kurz nach einem Tumblr-Post von Swift, in dem sie argumentierte, Musiker fragten Apple ja auch nicht nach kostenlosen iPhones, lenkte der Konzern ein. Spotify dagegen bezeichnete sie kurz darauf wenig galant als „Start-up ohne Cash flow“, und ihre Musik sollte bis Juni 2017 auf dem Dienst fehlen.

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