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Debatte über Atomkraft und Gas : Brüsseler Taxonomie-Salat

  • -Aktualisiert am

Atomkraftwerk in Civaux: Frankreich gewinnt viel Strom aus Kernkraft. Bild: Reuters

Das Ringen um die Einstufung von Atomkraft und Gas als „grün“ zeigt, wie anmaßend der planwirtschaftliche Ansatz der Taxonomie ist – und stellt die Pro- EU-Linie der deutschen Regierung auf die Probe.

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          Die Kritik am Vorschlag der Eu­ropäischen Kommission zur Taxonomie hat geradezu bizarre Züge angenommen, seit sie ihren Entwurf zum Jahreswechsel vor­gelegt hat. Wenn die EU Atomkraft und Gas als „grün“ einstufe, sei alles grün, ereifern sich Klimaschützer, Grüne und Sozialdemokraten. Dann könne sie das Ökolabel für Fi­nanzprodukte auch auf Ölplattformen, Kreuzfahrten oder Massentierhaltung kleben. Dann seien Pommes Salat. Ob sich die Kritiker mit ihrer Fundamentalopposition einen Gefallen getan haben, darf bezweifelt werden. Die Kommission zumindest hat sich unbeeindruckt gezeigt und ihren nun vorgelegten endgültigen Vorschlag nur in Nuancen geändert.

          Natürlich haben die Kritiker im Grundsatz recht. Weder Erdgas noch Atomkraft sind „grün“ im strengsten Sinne des Wortes – auch wenn Atomkraft sehr wohl als kohlenstoffarm durchgeht. In einer idealen Welt würde ein Ökolabel für Finanzprodukte deshalb weder das eine noch das an­dere umfassen. Schließlich ist die Kernidee der Taxonomie, Investoren ein klares Signal zu senden, was grün ist, und damit Greenwashing zu verhindern. Etikettenschwindel ist der Vorschlag dennoch nicht. Denn in einer solchen idealen Welt lebt auch der Klimaschutzvorreiter EU nicht.

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