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Taxifahrer im Gespräch : „Von Uber kaufe ich bestimmt keine Aktie“

  • -Aktualisiert am

Der selbständige Taxiunternehmer Svemir Islamcevic, 41, fährt seit fast 20 Jahren durch Frankfurt. Bild: Bäuml, Lucas

In Frankfurt demonstrieren Hunderte Taxifahrer gegen Uber. Im Interview spricht der Taxiunternehmer Svemir Islamcevic über Ubers Milliarden, seine Wut auf Mercedes und die Angst um seinen Job.

          Herr Islamcevic, Sie fahren seit mehr als 19 Jahren Taxi. Können Sie als Ein–Wagen-Betrieb gut davon leben?

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Seit 2005 bin ich selbständig. Großen Luxus kann ich mir nicht leisten. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder. Da reicht es für einen kleinen Urlaub im Jahr.

          Wie lange fahren Sie in der Woche?

          Als ich im Jahr 2000 anfing, bin ich gar nicht auf die Idee gekommen, Samstag und Sonntag zu fahren. Da hatte ich unter der Woche genug erzielt. Nun mache ich in manchen Wochen täglich 12 bis 14 Stunden, sogar sieben Tage die Woche. Mein Umsatz ist ähnlich geblieben, dafür arbeite ich deutlich mehr.

          Dann sind die Wartezeiten länger?

          Die Anzahl der Fahrzeuge ist unverändert, aber die Wartezeiten sind 20 Prozent länger. Wenn ich einen Tag am Flughafen bin, komme ich auf vier bis fünf Fahrten in zehn bis zwölf Stunden. In der Stadt sind zehn bis zwölf Fahrten am Tag auch schon in Ordnung.

          Woran liegt das?

          Zu Messen kommen weniger Besucher, weil sich das Sortiment übers Internet abrufen lässt. Viele Kunden sind früher beruflich zu siebt nach Amerika geflogen, die haben wir zum Flughafen gefahren. Heute gibt es eine Videokonferenz.

          Eines Tages kommen selbstfahrende Autos – und wir brauchen keine Taxifahrer mehr.

          Hoffentlich dauert es noch, bis die Technik so weit ist.

          Haben Sie Angst um Ihre Arbeit?

          Leider! Nach so einer langen Zeit will ich eigentlich nicht an ein Ende denken. Aber die Situation ist ungewiss.

          Als Feindbild taugt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Ihre Kollegen nennen ihn „Diesel-Versager“ und „Taxikiller“. Haben Sie auch einen Hals auf den Minister?

          Natürlich. Er möchte das Personenbeförderungsgesetz ändern – zum größten Teil gegen die Taxifahrer.

          Das Gesetz regelt, wie Fahrgäste in Bussen, Bahnen und Taxen befördert werden dürfen. Scheuer will das Gesetz anpassen. Dagegen protestieren die Taxifahrer in vielen Städten und zürnen: Das Taxigewerbe soll vernichtet werden. Ist es so schlimm?

          Das Schlimmste, was uns passieren kann, ist, dass die Rückkehrpflicht für Mietwagen wegfallen würde.

          Wenn Mietwagen ihren Passagier zum Ziel gefahren haben, müssen sie bislang zu ihrem Firmensitz zurückkehren. Was ist gut daran, wenn Autos leer durch die Stadt fahren?

          Der Minister sieht das als unnötige Leerfahrten an. Aber das stimmt nicht. Die Städte werden dann im Verkehr versinken. Es wäre noch schwieriger, einen Parkplatz zu finden. Wir würden in Frankfurt eintausend oder zweitausend Fahrzeuge mehr in der Stadt haben. Keiner würde genug Geld verdienen, um die Kosten zu decken.

          Das ist aber erst ein Szenario.

          Der Herr Verkehrsminister möchte die Mobilität in kleinsten Orten sichern. Das würde mit der Aufhebung der Rückkehrpflicht aber nicht passieren. Wir sehen so viele Mietwagenbetriebe aus dem Umland von Frankfurt, die sich nur in der Stadt aufhalten und hier Aufträge annehmen. Wie viele Fahrzeuge werden schon in kleineren Orten benötigt? Der Mietwagenbetrieb in einer kleinen Gemeinde im Hochtaunus würde in die Großstädte kommen, wo das Geschäft läuft.

          Also müssen wir uns um das Taxigeschäft Sorgen machen?

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