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Taxifahrer im Gespräch : „Von Uber kaufe ich bestimmt keine Aktie“

  • -Aktualisiert am

Der Wettbewerb ist heute schon da. Wir stehen am Flughafen, aber der Kunde sucht sich das Fahrzeug aus. In Frankfurt mit seinen vielen Geschäftsleuten holen auch Mietwagen ihre Kunden an Bahnhöfen oder am Flughafen ab. Wer sich für das Geschäft mit Mietwagen entscheidet, weiß, was er machen kann.

Die Bedingungen sind nicht gleich.

Wir brauchen die Trennung zwischen Taxi und Mietwagen mit Fahrern. Der Unterschied ist, dass ein Taxiunternehmen Aufträge während einer Fahrt zum Halteplatz annehmen kann. Mietwagen müssen Aufträge am Betriebssitz annehmen. Wieso gibt es die Personenbeförderung mit Taxis so lange? Um vor Ort schnell an ein Fahrzeug zu kommen.

Sie haben auch Pflichten.

Ein Taxifahrer muss in seinem Gebiet jeden Gast zum vorgegebenen Preis befördern. Mietwagenfahrer können sich ihre Kunden aussuchen. Wenn denen eine Fahrt zu kurz ist, lassen sie das. Mit Taxis wird sichergestellt, dass Personen, die Fahrten brauchen, befördert werden. Das ist ganz wichtig!

Sie brauchen auch Ortskenntnis. Kennen Sie jede Straße der Stadt?

In den Neubaugebieten ist es schwer. Ein Taxifahrer kann sich gar nicht genug in seiner Stadt auskennen. Es wäre ein großer Fehler, die Ortskenntnis-Prüfung für Taxis abzuschaffen, wie es unser Verkehrsminister möchte.

In Zeiten von Google Maps und Navigationssystemen – wozu braucht der Taxifahrer noch die Ortskenntnis?

Sonst ist der Fahrer fixiert auf sein Navigationssystem und achtet weniger auf den Verkehr. Da ist die Unfallgefahr größer. Oft helfen Navigationssysteme gar nicht. Wenn Touristen oder Geschäftsleute aus aller Welt Frankfurt sehen wollen, sollte der Taxifahrer ihnen helfen können. Neulich haben Kunden gesagt: Fahren Sie mich mal in eine schöne Bar!

Der öffentliche Nahverkehr wird schon lange ausgebaut. Ist das nicht der wahre Gegner?

Busse und Bahnen sind ein starker Konkurrent. Sie sind preisgünstig und zu manchen Zeiten sogar schneller, weil Bahnen nicht im Stau stehen. Vor 20 Jahren fuhr die S-Bahn noch nicht bis nach Offenbach, Hanau oder Rodgau. Da haben wir diese Touren gehabt.

Wer fährt denn noch Taxi: Geschäftsleute, Betrunkene oder beide?

In Frankfurt hängt es zu 70 Prozent an Geschäftsleuten. Am Freitag und Samstag sind das eher die Jugendlichen, die nachts unterwegs sind.

Und wer zieht die Fahrgäste ab?

Im Moment ist das Uber – gerade unter Jüngeren. Wenn Mytaxi nicht nur Taxis, sondern auch Mietwagenfahrten vermittelt, könnten die einen großen Teil unserer Kunden wegnehmen. Vor denen haben wir die größte Angst. Die sprechen wirklich Geschäftsleute an.

Volkswagen versucht mit dem Dienst Moia in Hamburg Sammeltaxis auf den Weg zu bringen. Warum gehen Taxifahrer dagegen vor?

Unsere Autokonzerne sollten vernünftige Autos bauen und nicht mehr überall auf der Welt negativ in den Nachrichten sein. Die sollten wieder unsere Marke „Made in Germany“ groß machen.

Sie fahren auch ein deutsches Auto.

Ja, die Marke mit dem Stern fahren bundesweit 80 Prozent. Aber das kann sich ändern. Wenn Mercedes mit Mytaxi und „Free Now“ kommt, dann überlegen wir uns das.

Welches Auto kaufen Sie dann?

Das ist dann unsere Firma Opel aus Rüsselsheim. Am Flughafen fahren schon Taxis, die haben den Stern abgeklebt, damit man den nicht mehr sieht.

Wie lange wollen Sie noch Taxi fahren?

Eigentlich bis zur Rente. Ich bin 41 Jahre alt, aber ich kann mir nicht vorstellen, Angestellter zu sein. Einmal Taxifahrer, immer Taxifahrer.

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