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„Taunus-Mamis“ : Golfen, Reiten, Gutes tun

Das Geld verdient man unten in Frankfurt, das soziale Leben organisieren die Frauen, und wenn Zeit bleibt, wartet der Golfplatz Bild: Jens Gyarmaty

Die Mütter im Taunus sind gut ausgebildet. Die Karriere überlassen sie dennoch dem Ehemann, der ihnen ein finanziell sorgloses Leben ermöglicht. Dafür managen sie den Alltag - mit Powerpoint und Blackberry.

          6 Min.

          Auf diesen Abend hat Beatrice von Knebel Doeberitz lange hingearbeitet. Überall hat sie geworben für Xiao Xiao Zhu, von ihm geschwärmt vor ihren Freundinnen im „Diskussionskreis Taunus“, einem Frauenclub der exklusiven Art. Jetzt also sitzt der junge Kerl endlich am Flügel und spielt, eine Partita von Bach, danach Beethoven und Schumann. Und wie er spielt! Frau von Knebel entspannt sich. Der Abend ist geglückt, die Stadthalle in Kronberg ausverkauft. 300 Gäste lauschen dem Pianisten, erst 23 Jahre alt, den sie anschließend als „wirklich außergewöhnlich“ loben. „Eine vorzügliche Wahl, Beatrice“, attestiert man ihr bei Wein und Gebäck im Foyer.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sie scharen sich um die junge Organisatorin, schütteln ihr die Hände, drücken sie an sich. Die große, schlanke Frau lächelt, sichtlich erleichtert. „Man weiß ja nie“, sagt sie. Der angehende Pianist ist zwar ein Ausnahmetalent, aber das Publikum im Saal verwöhnt. Und Beatrice von Knebel ist Präsidentin des Clubs, kennt jeden der Gäste persönlich. Nicht auszudenken, wenn die enttäuscht wären - vom Pianisten und damit auch von ihr, die ihn nach Kronberg geholt hat, als Höhepunkt ihrer Amtszeit.

          Drei Sprösslinge sind die Regel, fünf nicht ungewöhnlich

          Der Diskussionskreis Taunus versteht sich als Club von Frauen für Frauen, zum Austausch über „Bildung - Kultur - Soziales“. 1100 Damen sind hier Mitglied, 90 durchlaufende Seminare umfasst das Angebot, Kurse und Gesprächstreffs. Die Frauen diskutieren über Habermas, die Römerbriefe, Pubertät oder Selbstwertgefühl. Andere Runden befassen sich mit der Philosophie des Glücks, der russischen Oper, dem Sauvignon Blanc oder Amos Oz.

          Der schwarze Geländewagen gehört zur Grundausstattung in Kronberg
          Der schwarze Geländewagen gehört zur Grundausstattung in Kronberg : Bild: Jens Gyarmaty

          Keine Frage: Solch ein Club gedeiht nur in einem Ort mit erlesenem Publikum. Allenfalls am feinen Ufer des Starnberger Sees massiert sich ähnlicher Wohlstand wie an den Hügeln des Vordertaunus. Städtchen wie Kronberg, Königstein, Bad Homburg, Bad Soden und Hofheim zählen zu den reichsten Gemeinden Deutschlands; wohl nirgendwo konzentrieren sich so viele Einkommensmillionäre und alteingesessene Industriellenfamilien. Viele Frauen entscheiden sich hier - ganz bewusst - gegen die eigene Karriere und für das „Lebensmodell Kronberg“; für die Familie, für ihre Kinder. Und sie haben viele Kinder. Drei Sprösslinge sind die Regel, fünf nicht ungewöhnlich.

          Diese Frauen verabschieden sich vom Kampf um den beruflichen Aufstieg, um Posten oder eine Gehaltserhöhung - all das überlassen sie den Männern. Sie genießen die Freiheiten eines privilegierten Lebens. Morgens fahren sie in ihren schwarzen SUVs vor die Kindergärten und Schulen, setzen die Kinder ab und brausen weiter; Richtung Tennisplatz, Fitnessclub oder Reitstall, zum Shoppen, Frühstück oder zum Ehrenamt. Anschließend sammeln sie die Kinder wieder ein und verteilen sie auf die verschiedenen Hobbys; Klavier, Geige, Ballett, Golf, Tennis oder Fußball.

          Status und Karriere jenseits des Berufs bieten Ehrenämter

          Sinn und Anerkennung beziehen diese Frauen aus den diversen sozialen Tätigkeiten. Wohltaten stehen hoch im Kurs. Die Mitglieder des DT-Clubs beispielsweise helfen regelmäßig im Kinderhospital, im Altenheim, unterstützen ausländische Kinder bei den Hausaufgaben und golfen für gute Zwecke. Man trifft sich daheim im Wohnzimmer, reihum. „Deshalb achten wir auf eine gewisse Homogenität“, erzählt Präsidentin von Knebel bei einer Tasse Tee im „Lucullus“, einem Edelitaliener in Königstein unterhalb der Burgruine, am Durchgang zwischen pittoresker Altstadt und Park. Die Präsidentin hat Banklehre und ein Jahr European Business School hinter sich, um dann auf Modestylistin umzusatteln. Sie hat drei Kinder, organisiert die Familiengottesdienste in der Kirchengemeinde und vertreibt zweimal im Jahr eine Cashmere-Kollektion, eine private Veranstaltung im engeren Bekanntenkreis. Über eine Freundin, die sie zu einem Fotokurs mitgenommen hatte, stieß sie zum Frauenclub DT, den sie seit zwei Jahren leitet - damit hat es sie es weit nach oben gebracht im Taunus-Milieu, hat Status und Karriere jenseits des Berufs erreicht.

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