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Tarifverhandlungen : Von der Leyen fordert kräftige Lohnerhöhung

Ursula von der Leyen: „Wenn alle fleißig mitarbeiten, werden alle am Erfolg und Wohlstand beteiligt“ Bild: dapd

Ursula von der Leyen hat sich für starke Lohnerhöhungen ausgesprochen. Dieser Vorstoß in die Tarifverhandlungen hat ihr Kritik aus der eigenen Koalition beschert.

          Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat mit ihrem Plädoyer für kräftige Lohnerhöhungen in der laufenden Tarifrunde Kritik in den Reihen der Koalition hervorgerufen. Nach Jahren der Lohnzurückhaltung müssten die Arbeitnehmer jetzt an den Erfolgen der Wirtschaft beteiligt werden, sagte sie der „Bild am Sonntag“. „Das Mehr in der Lohntüte darf nicht gleich von den Preissteigerungen aufgefressen werden.“ Auch wenn die Arbeitgeber Bedenken hätten, wiesen die „harten Daten“ doch auf einen soliden Arbeitsmarkt und volle Auftragsbücher hin. Von der Leyen sagte ferner, der Lohn müsse so hoch sein, dass auch ein Geringqualifizierter, der Vollzeit arbeite, sich seinen eigenen Lebensunterhalt verdienen könne.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Das „Grundversprechen der sozialen Marktwirtschaft“ laute: „Wenn alle fleißig mitarbeiten, werden alle am Erfolg und Wohlstand beteiligt.“ Der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Michael Fuchs (CDU) kritisierte von der Leyens Vorstoß in die Tarifverhandlungen. „Die Politik soll sich grundsätzlich aus der Lohnfindung heraushalten“, sagte er am Sonntag. Es sei „nicht klug“, Arbeitgebern und Gewerkschaften Vorgaben zu machen. Die wirtschaftliche Entwicklung sei unsicher. Auch der FDP-Sozialpolitiker Heinrich Kolb warnte vor Einmischung der Politik in die Tarifautonomie.

          Die Gewerkschaften hatten in der vergangenen Woche 6,5 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie gefordert. 6,5 Prozent mehr Lohn verlangt auch die Gewerkschaft Verdi für den öffentlichen Dienst. Am Dienstag wird die Tarifforderung in der Chemiebranche erwartet. 59 Prozent der Deutschen halten die Forderung der IG Metall nach 6,5 Prozent mehr Lohn laut einer Emnid-Umfrage für gerechtfertigt. Nur 34 Prozent sind dagegen. Jedoch unterstützen nur 45 Prozent der Befragten die geforderten 6,5 Prozent im öffentlichen Dienst, eine knappe Mehrheit ist dagegen.

          Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, verteidigte die Forderungen und drohte indirekt mit Streiks. „Die Leute haben die Nase voll davon, dass gute Arbeit nicht überall anständig bezahlt wird“, sagte er der Zeitung „Bild“. Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall Martin Kannegiesser reagierte mit Unverständnis auf die Forderung von der Leyens. „Niemand muss uns belehren, was wir unseren Mitarbeitern schulden“, sagte er der „Berliner Zeitung“.

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