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Keine Einigung : IG Metall beschließt ganztägige Warnstreiks

Finden nicht zueinander: Roman Zitzelsberger (l), Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg, und Stefan Wolf, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall Bild: dpa

Die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie sind abgebrochen worden. „Die IG Metall hatte mehr Interesse an einem Streik als an einem Abschluss“, sagt der Arbeitgeber-Präsident.

          In der Metall- und Elektroindustrie wird es in der nächsten Woche erstmals 24-Stunden-Streiks geben. „Das wird von Mittwoch bis Freitag die Republik bestimmen“, sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann in Stuttgart. Man werde in 250 Betrieben zu den Warnstreiks aufrufen, allein in 70 Betrieben in Baden-Württemberg. Zuvor waren die Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag für die 3,9 Millionen Beschäftigten der Branche nach rund 16 Stunden Gesprächen abgebrochen worden. Beide Seiten bezichtigten sich des fehlenden Einigungswillens.  Es habe „Geiz vor Vernunft“ gesiegt, sagte Hofmann und fügte mit Blick auf die Wirkung der Streiks hinzu: „Die Erwartungshaltung wird nicht kleiner.“

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Die Arbeitgeberseite zeigte sich entsetzt. Man habe insgesamt 6,8 Prozent mehr Entgelt angeboten, bei einer Laufzeit von 27 Monaten.  „Es sieht so aus, dass die Verhandlungen heute vorsätzlich abgebrochen wurden, um diese Streiks einmal auszuprobieren“, sagte Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger mit Blick auf die 24-Stunden-Streiks. Diese Art von Warnstreiks gab es bisher noch nie. Die Arbeitgeber fürchten, dass ein ganztägiger Arbeitsausfall in strategisch bedeutsamen Betrieben zu erheblichen Folgewirkungen führen kann.

          „Die IG Metall hatte mehr Interesse an einem Streik als an einem Abschluss“, sagte Dulger. In jedem Thema sei man der IG Metall entgegen gekommen, nach jedem Schritt aber habe die Gewerkschaft neue Forderungen auf den Tisch gelegt, berichtete Dulger aus den Verhandlungen, die am Freitag um 19 Uhr wieder aufgenommen worden waren.

          „Dass muss man erst einmal verdauen“

          Die IG Metall stellt dieses Verhaken ganz anders dar: „Es gab von den Arbeitgebern so gut wie kein konstruktives Angebot, sondern immer nur ein Aufwerfen von Problemen. Wenn wir das versucht haben zu beantworten, wurde das als Nachschieben einer Forderung dargestellt.“

          Von „Scheitern“ wollen beide Seiten nicht sprechen. Die Gespräche seien fair gewesen, man habe nicht das Tischtuch zerschnitten oder die Tür zugeschlagen, betonte Baden-Württembergs IG Metall-Chef Roman Zitzelsberger. Aber jetzt müsse man eben noch einmal eine Schippe drauflegen. Südwestmetall-Chef Stefan Wolf sagte: „Nach so einer Nacht, nach einer anfangs guten Annäherung dann so eine Rolle rückwärts zu machen, das muss man erst einmal verdauen.“

          Damit zeichnet sich ab, dass die Gespräche in einigen Tagen wieder aufgenommen werden, frühestens aber wohl nächstes Wochenende. Nur wenn die Tarifverhandlungen für gescheitert erklärt würden, könnten die Gewerkschaften die Urabstimmung über flächendeckende, unbegrenzte Streiks einleiten. Dass es dazu kommen könnte, drohte IG-Metall-Chef Hofmann an: „Wir haben alle Bezirke aufgefordert, Vorbereitungen für Urabstimmungen zu treffen.“ Solche gab es in der Metallbranche zuletzt im Jahr 2003. Damals ging es um die 35-Stunden-Woche.

          Knackpunkt der aktuellen Tarifrunde ist ebenfalls ein Arbeitszeit-Thema. Die IG Metall fordert, dass Arbeitnehmer für maximal zwei Jahre ihre Arbeitszeit auf 28 Stunden reduzieren können. Die Arbeitgeber sind dagegen eher daran interessiert, dass mit längeren Arbeitszeiten insgesamt mehr Volumen möglich ist – denn die Auftragsbücher sind voll und Fachkräfte in einigen Bereichen Mangelware. Dort, wo auf betrieblicher Ebene ein Arbeitszeitkorridor vereinbart worden sei, habe sich immer gezeigt, dass unter den Beschäftigten ein größeres Interesse an längeren Arbeitszeiten bestanden habe, um mehr Geld zu verdienen, heißt es im Arbeitgeberlager.

          Verknüpft hat die Gewerkschaft ihre Forderung nach einer Flexibilisierung mit der Idee, dass ein Zuschuss die Einbußen durch die kürzere Arbeitszeit für bestimmte, besonders belastete Gruppen lindert. Diese Forderung hatten die Arbeitgeber als rechtswidrig bezeichnet, weil es dadurch zu Diskriminierungen kommen würde. In diesem Punkt gab es vor dem Abbruch der Gespräche offenbar eine Annäherung über ein Modell, das zwar keinen Zuschuss in Geld, aber einen in Form von Freizeit vorsah.

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