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Tarifsystem : Wirbel um neues Preissystem der Bahn

  • Aktualisiert am

Was taugt der neue Fahrplan? Bild: dpa

Am Samstag hagelte es wieder Kritik gegen das neue Preissystem der Bahn. Bahnchef Mehdorn schloss in einem Interview Nachbesserungen nicht aus.

          2 Min.

          Die Kunden der Bahn sind unzufrieden, obwohl das neue Preissystem so viel einfacher und günstiger sein soll. Und nicht nur die, auch Fahrgastverbände kritisieren an den Neuerungen herum. Führt die Kritik zu Änderungen? Am Samstag schloss Bahnchef Hartmut Mehdorn Nachbesserungen an dem neuen Preissystem nicht aus.

          Das Institut für Demoskopie Allensbach gibt der Bahn schwarz auf weiß, dass die Änderungen nicht willkommen sind. In einer Umfrage im Auftrag der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ ist fast jeder Dritte (31 Prozent) der Meinung, dass die Nachteile der Neuerungen überwiegen. Nur 19 Prozent glauben, dass neuer Fahrplan und neue Tarife Vorteile bringen. Allensbach hatte in der vergangenen Woche über 1.000 Menschen befragt.

          Pro Bahn kritisiert Interregio-Streichungen

          Und auch der Fahrgastverband Pro Bahn Mitteldeutschland spart nicht mit Kritik: Die Interregio-Verbindungen sollen der Meinung des Verbandes nach bleiben. Vor allem in den neuen Bundesländern drohten künftig viele Fahrgäste wegen des Wegfalls aufs Auto umzusteigen, teilte Pro Bahn am Samstag mit. Bis auf wenige Linien würden die Interregios mit dem Fahrplanwechsel von Sonntag an durch Nahverkehrszüge oder Intercitys (IC) ersetzt. IC-Fahrkarten seien für viele Menschen zu teuer, hieß es. Pro Bahn forderte die Politiker auf, Konzepte für einen neuen Interregio zu entwickeln.

          Und auch die Kunden selbst entschieden sich bisher gegen die Neuerungen, indem sie weiterhin die alte Bahncard kauften. „Bisher haben wir mehr alte Bahncards als neue verkauft“, sagte Bahn-Sprecher Gunnar Meyer der „Berliner Zeitung“ (Samstagsausgabe). Zahlen wollte er aber nicht nennen. Der Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Holger Jansen, empfahl, den Samstag als letzte Möglichkeit für den Kauf der alten Bahncard zu nutzen. Sie lohne sich vor allem für Senioren, Junioren und Alleinreisende, die flexibel fahren wollten.

          Mehdorn will erst Mal starten

          Das alles sollte für die Deutsche Bahn Grund genug sein, das neue System zu überdenken. Und das schloss Bahnchef Mehdorn auch nicht aus: „Bei Bedarf machen wir das - jetzt starten wir erst mal“, sagte er der Bild-Zeitung. Doch gleichzeitig wies er Kritik an den Tarifänderungen erneut zurück: "Alle reden von Reformen, wir machen eine. Das sollte man nicht gleich zerreden“, sagte er dem Blatt.

          Das für den Personenverkehr verantwortliche Bahn-Vorstandsmitglied Christoph Franz wies gleichzeitig Vorwürfe zurück, das neue System werde Kunden verprellen. Es sei weitgehend gut aufgenommen worden, sagte er im Deutschlandradio Berlin. Die Zahlen an den Bahn-Schaltern belegten dies. Bei einer großen Reform sei es nicht machbar, dass es für jeden Kunden günstiger werde als vorher, sagte Franz in dem Radiointerview. Er betonte, dass angesichts des Streckennetzes von 30.000 Kilometern und 1.200 Zügen ein einfacheres Preissystem nicht zu leisten sei.

          Keine Kursbücher zum Fahrplanwechsel

          Die Veränderungen sind so groß, dass die Bahn zum Fahrplanwechsel am Sonntag auch zunächst mal keine Kursbücher anbieten kann. Nach einer einstweiligen Verfügung des Landgerichts Berlin darf das Unternehmen in den Büchern nicht wie bisher behaupten, sie enthielten alle Zugverbindungen Deutschlands. Wegen des Richterspruchs sei auch der Vertrieb von Fahrplan-CD-ROMs und der so genannten Städteverbindungen gestoppt worden, teilte die Bahn mit. Fahrplanauskünfte gebe es aber weiter an Bahnschaltern, im Internet und per Telefon.

          Die Deutsche Bahn AG führt am Sonntag ihr neues Preissystem und gleichzeitig einen neuen Fahrplan ein. Kern der Tarifreform ist ein Rabattsystem, das frühe Buchungen belohnt. Für spontane Reisen gibt es dagegen mit der neuen, billigeren Bahncard nur noch 25 Prozent Rabatt. Dieser ist allerdings auf alle Tarife anrechenbar. Dafür werden die Stornogebühren auf bis zu 45 Euro drastisch erhöht.

          Bahn will sich von Immobilien trennen

          Unterdessen berichtete die „Welt am Sonntag“, dass die Bahn den Verkauf von Immobilien im von 2,5 Milliarden Euro plant. Die Verhandlungen über die Veräußerung der Grundstücke mit einer Fläche von insgesamt 35 Millionen Quadratmetern seien kurz vor dem Abschluss. Mit dem Erlös plane der Staatskonzern, seine bis zu zehn Milliarden Euro betragenden Schulden abzubauen, berichtete das Blatt vorab. Käufer solle die Westdeutsche Immobilienbank, eine Tochter der Westdeutschen Landesbank, sein.

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