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Tarifsystem : Bahn verprellt die Stammkundschaft

  • Aktualisiert am

Eine verpasste Bahn kostet künftig nicht nur Zeit Bild: dpa

Das neue Tarifsystem der Deutschen Bahn straft vor allem Pendler und Kurzstreckenfahrer. Für sie könnte Bahnfahren in Zukunft eine kostspielige Angelegenheit werden.

          Die Bahn kommt - für manchen bedeutet das eine Drohung. Denn wer das neue Preissystem der Bahn etwas genauer unter die Lupe nimmt, der weiß, was auf einen zukommt. Vor allem Pendler und Kurzstreckenfahrer werden die großen Verlierer sein. Zumal von einer größeren Durchsichtigkeit des Tarifsystems nicht wirklich die Rede sein kann.

          Zwar wird das neue Preissystem offiziell erst am 15. Dezember eingeführt. Doch startet die Bahn bereits ab dem 1. November den Vorverkauf für entsprechende Fahrscheine - wohl um das auch für die Bahn lukrative Weihnachtsgeschäft voll nutzen zu können.

          Wehe dem, der den Zug verpasst

          Wahr ist, penible Planer, Frühbucher und Langstreckenfahrer (ab 180 Kilometer) die, am besten mit Bahncard ausgestattet und in einer Gruppe von 5 Leuten quer durch die Republik reisen, zahlen deutlich weniger als bisher. Wer alle Rabattmöglichkeiten ausnutzt, der spart und das kräftig. Beispiel: Wer bei einem Normalpreis von 100 Euro alle Rabatte nutzt zahlt am Ende lediglich noch 33,75 Euro.

          Doch wehe dem, der seinen reservierten Zug verpasst - denn hier kennt die Bahn kein Erbarmen mehr. Wer bei einem Normalpreis von 100 Euro seinen sieben Tage vorher gebuchten Plan&Spar40-Ticket-Zug mit einem Preisnachlass von 40 Prozent verpasst, den bittet die Bahn kräftig zur Kasse.

          Insgesamt 145 Euro kostet die umgebuchte Fahrkarte. Darin enthalten: die Differenz von 40 Euro auf den Normalpreis, sowie eine Umbuchungsgebühr, die der ein oder andere auch als Bußgeld betrachten könnte, von 45 Euro.

          Aber bitte keine Spontanreisen

          Die eindeutigen Verlierer sind aber Pendler und Kurzstreckenfahrer (bis 180 Kilometer). Für diese hat die Bahn ab dem 15. Dezember die ein oder andere böse Überraschung parat.

          Für sie wird es bis zu zehn Prozent teurer, da die meisten aufgrund von nicht absehbaren Arbeitszeiten keinen Frühbucher-Rabatt in Anspruch nehmen können und die neue Bahncard nur noch eine Vergünstigung von 25 anstelle der bisher üblichen 50 Prozent vorsieht. So kostet ein Fahrkarte zweiter Klasse für die Städteverbindung Köln - Düsseldorf künftig 15,60 Euro und somit 10 Prozent mehr als bisher.

          Unterbesetzte Züge wird es geben wie bisher

          Für Pendler, Kurzstrecken-Fahrer und Spontan-Reisende kann Bahnfahren unter Umständen ein teures Vergnügen werden. Für viele, die bisher die Bahn dem Auto vorzogen, könnte das neue Tarifsystem ein Zeichen zum Umdenken sein.

          Und auch der doch eher kläglich anmutende Versuch der Bahn, mit Hilfe des neuen Tarif- und Rabattsystems bisher unterbesetzte Züge besser auszulasten, kann nicht wirklich überzeugen. Schließlich zahlt man auch in Spitzenzeiten wenig, wenn man früh genug bucht, und muss tief in die Tasche greifen, wenn man spontan einen menschenleeren Zug benutzen will.

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