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Einigung im Tarifstreit : Lufthansa-Piloten erhalten 980 Euro mehr im Monat

Die Maschine mit dem Kranich kann abheben: Pilotenstreiks sind bis zum Sommer 2023 ausgeschlossen Bild: dpa

Lufthansa und die Vereinigung Cockpit schließen eine Vereinbarung. Piloten bekommen mehr Geld, über andere Themen diskutiert man weiter. Doch Streiks sind bis zum Sommer 2023 ausgeschlossen.

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          Schon als die Vereinigung Cockpit in der vergangenen Woche zur zweiten Streikrunde im Tarifkonflikt mit der Deutschen Lufthansa aufrief, schien klar, dass sich nicht alle Streitpunkte zwischen Gewerkschaft und Konzern zeitnah ausräumen lassen würden. Beide Seiten fanden dann zumindest soweit zueinander, dass es doch nicht zum – schon verkündeten – mehrtägigen Ausstand kam. Stattdessen liefen Verhandlungen wieder an, die nun zu einem Teilergebnis geführt haben.

          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Piloten der Kernmarke Lufthansa, die dem sogenannten Konzerntarifvertrag unterliegen, erhalten in zwei Schritten Aufschläge: Rückwirkend zum 1. August und noch einmal zum 1. April 2023 steigt ihre monatliche Grundvergütung um je 490 Euro – in Summe somit um 980 Euro. Damit setzt sich Lufthansa mit ihrem Willen durch, nicht den gleichen prozentualen Aufschlag für alle Kapitäne und Ersten Offiziere zu zahlen, sondern mit dem Festbetrag die Spreizung der Gehälter etwas zu verkleinern.

          „Die Erhöhung des Grundgehalts mit einheitlichen Sockelbeträgen führt zu der gewünschten überproportionalen Anhebung der Einstiegsgehälter“, sagte Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann am Montag. Allerdings fällt der Aufschlag größer aus als ursprünglich vorgesehen. Bis zur vergangenen Woche hatte Lufthansa in Summe 900 Euro geboten.

          Aufschlag um bis zu 20 Prozent

          Die Vereinigung Cockpit, die gefordert hatte, dass die Piloten mindestens die allgemeine Teuerung ausgeglichen bekommen. Nun kann die Gewerkschaft ihren Mitgliedern verkünden, dass zumindest die unteren Vergütungsgruppen in den Cockpits – insbesondere Kopiloten mit wenigen Dienstjahren – deutlich mehr erhalten. Lufthansa rechnet vor, dass die Erhöhung um die Pauschalbetrag von April 2023 an einen Aufschlag von knapp 20 Prozent auf die bisherige Grundvergütung gleichkomme.

          Für die Spitzenverdiener im Cockpit – langjährige Kapitäne, deren Gesamtvergütung wesentlich mehr als 200.000 Euro im Jahr erreicht – bedeutet die Vereinbarung in der Endstufe einen Aufschlag um 5,5 Prozent, also weniger als die aktuelle Inflation. Die Vereinigung Cockpit erklärt, man habe sich darauf verständigt, „um der hohen Inflation während der Laufzeit zu begegnen und gleichzeitig eine starke soziale Komponente einzubauen“.

          Streitthemen bleiben

          Mit der Übereinkunft bleiben aber Details jenseits der monatlichen Zahlungen ungeklärt. Passagiere sollen dennoch die fehlende Einigung vorerst nicht durch weitere Streiks zu spüren bekommen. Konzern und Gewerkschaft einigten sich auf eine Friedenspflicht bis zum 30. Juni 2023. „Die Tarifverträge sind zwar weiterhin offen, aber die zu verhandelnden Punkte können nun in einem vertraulichen Rahmen diskutiert werden“, sagte ein Sprecher der Vereinigung Cockpit dazu.

          Lufthansa-Personalvorstand Niggemann sagte: „Das gemeinsame Ziel ist, unseren Pilotinnen und Piloten auch in Zukunft attraktive und sichere Arbeitsplätze mit Entwicklungsperspektiven zu bieten.“ Nun wolle man die nächsten Monate „im vertrauensvollen Dialog“ nutzen, um „nachhaltige Lösungen zu finden und umzusetzen“.

          Diskussionen um eine Flottenzusage

          Der Tarifkonflikt war unter anderem dadurch schärfer geraten, weil Lufthansa kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres – noch im Zeichen der Auswirkungen der Corona-Pandemie – eine Perspektiv-Vereinbarung (PPV) aufgekündigt hatte, die festschrieb, dass mindestens 325 Flugzeuge im Konzern vom Personal im Lufthansa-Konzerntarifvertrag geflogen werden. „Die PPV-Flottenzusage passt weder zur aktuellen Krise, noch zu den mittelfristigen Rahmenbedingungen", ließ Lufthansa die Piloten damals wissen.

          Die Piloten werteten das als Kampfansage, da sie die Verlagerung von mehr Verkehren zu Tochtergesellschaften außerhalb des Konzerntarifs – vor allem zu neu gegründeten Einheit Eurowings Discover – fürchten. Inzwischen gilt angesichts der erstarkten Nachfrage das kategorische Aus für die Perspektiv-Vereinbarung auch im Konzernvorstand als Fehler. Der Konzern plant nach einer Schrumpfung während der Pandemie die Flotte 2023 wieder um 13 Langstrecken- und 40 Mittelstreckenflugzeuge wachsen zu lassen.

          Lufthansa hat sich auch bereit erklärt, den Pakt wieder aufleben zu lassen. Allerdings dürfte dem Konzern an Modifikationen gelegen sein, die auf Gewerkschaftsseite nicht auf Gegenliebe stoßen. Ein Knackpunkt dürften unter anderem von der Regelung erfasste Piloten der Betriebseinheit Germanwings sein, deren Betrieb in der Pandemie eingestellt wurde. Das Flugangebot der Kernmarke Lufthansa hat noch nicht wieder das Volumen erreicht, dass alle betroffenen Germanwings-Piloten dort eingesetzt werden könnten.

          Die Vereinigung Cockpit hatte als weitere offene Themen Regelungen zu Krankheit, Urlaub und Schulungen genannt und fordert eine „zukunftsfähige Lösung für die Vergütungsstruktur in allen Berufsgruppen“. Die Gewerkschaft verweist daher auf offene Punkte bestehen. „Das gute monetäre Ergebnis ist erfreulich, aber ebenso freuen wir uns, dass wir einen weiteren Schritt in Richtung einer tragfähigeren Partnerschaft erzielen konnten“, sagte der Vorsitzende Tarifpolitik, Marcel Gröls. Für die nächsten Verhandlungsmonate beteuert er aber auch: „Wir sind aktuell auf einem guten Weg mit der Lufthansa."

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