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Tarifpolitik : DGB erfreut über Tarifvertrag zur Zeitarbeit

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Die Gewerkschaften im DGB ziehen nach: Nach dem Christlichen Gewerkschaftsbund haben nun auch sie einen Tarifvertrag für die Zeitarbeitsbranche geschlossen.

          Nach mehr als fünf Monaten Verhandlungen haben sich der Arbeitgeberverband BZA und die DGB-Gewerkschaften auf einen Tarifvertrag für die Zeitarbeitsbranche geeinigt. Wie die IG Metall und Verdi am Mittwoch in Frankfurt am Main mitteilten, gilt der Tarifvertrag für rund 200 Unternehmen mit bis zu 100.000 Zeitarbeiternehmern. Auch ein Abschluß mit dem anderen großen Zeitarbeitgeberverband, der Interessengemeinschaft Zeitarbeit (IGZ), stehe unmittelbar bevor.

          Im Februar war überraschend der Christliche Gewerkschaftsbund (CGB) mit einem Tarifabschluß mit der Interessengemeinschaft Nordbayerischer Zeitarbeitsunternehmen (INZ) vorgeprescht. Der für rund 150 Unternehmen abgeschlossene Tarifvertrag sorgte für erheblichen Unmut bei den DGB-Gewerkschaften.

          Der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Jürgen Peters, erklärte in Frankfurt am Main, der Tarifvertrag biete den Zeitarbeitnehmern konkrete tarifliche Regeln und damit Sicherheit vor Lohndumping. Auch die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Margret Mönig-Raane, zeigte sich zufrieden mit dem Tarifergebnis. Die Arbeitnehmer hätten nun eine Perspektive vor Augen und die Firmen Kalkulationssicherheit.

          Zeitarbeit spielt in den an die Vorschläge des VW-Personalvorstands Peter Hartz angelehnten Gesetzen zur Arbeitsmarktreform eine wesentliche Rolle: In den Arbeitsamtsbezirken sollen Personal-Service-Agenturen (PSA) eingerichtet werden, um Arbeitslose als Zeitarbeiter in Unternehmen zu vermitteln.

          Die dabei ursprünglich als wesentliche Voraussetzung angesehenen Abschläge für Langzeitarbeitslose sind den Angaben zufolge aber im Tarifvertrag nicht vorgesehen. Die Gewerkschaften fürchten, daß billigere Zeitarbeitnehmer die Arbeitsplätze von Stammbelegschaften gefährden könnten.

          Der am Dienstag abgeschlossene Tarifvertrag tritt den Angaben zufolge am 1. Januar 2004 in Kraft und gilt bis Ende 2007. Im Einzelnen sieht er den Angaben zufolge neun Entgeltgruppen mit einem Stundensatz von zunächst 6,85 Euro bis zu 15,50 Euro in der neunten Gruppe vor. Nach jährlichen Erhöhungen von 2,5 Prozent erhalte die erste Gruppe im Jahr 2007 einen Stundensatz von 7,38 Euro und die neunte Gruppe von 16,69 Euro. Zusätzlich erhielten die Arbeitnehmer einen Zuschlag, je länger sie in einem Unternehmen arbeiteten.

          Für den Einsatz in Ostdeutschland sei zunächst ein Abschlag vereinbart worden. Zu dem von den Gewerkschaften ursprünglich verlangten Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ sei eine Verhandlungsverpflichtung bis spätestens 1. Oktober 2004 vereinbart worden.

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