https://www.faz.net/-gqe-2nin

Tankstellen : Kein Ende der Preisspirale

  • Aktualisiert am

Kaum ein Tag vergeht ohne eine weitere Erhöhung des Benzinpreises. An den Tankstellen kostet der Liter Super im Schnitt fast 2,20 Mark.

          2 Min.

          Einen Tag nach der jüngsten Preisrunde an den Tankstellen haben die Mineralölkonzerne die Benzinpreise auf einen neuen Rekordwert angehoben. Ein DEA-Sprecher sagte am Donnerstagabend, der Preisanstieg um drei Pfennig je Liter Ottokraftstoff sei diesmal von BP ausgegangen. Der Erhöhung hätten sich die anderen Mineralölfirmen angeschlossen.

          Nach der neuen Preisrunde kostet der Liter Normalbenzin den Angaben von DEA zufolge durchschnittlich 2,149 Mark, Super 2,189 Mark und schwefelärmeres Super plus 2,279 Mark. Dagegen wurde der Dieselpreis bei rund 1,69 Mark unverändert belassen. BP begründete die Preisanhebung mit einem höheren Rohölpreis. Allerdings verringerte sich bis zum Donnerstagabend in London der Preis der Markt führenden Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni um 47 Cent auf 26,82 Dollar je Barrel (das Fass zu 159 Liter).

          Knappe Benzinreserven in den USA

          Als weiteren Grund für die neue Preisrunde führte BP gestiegene Preise am Rotterdamer Markt für Raffinerieprodukte an. In Rotterdam erhöhte sich der Preis je Tonne Superbenzin nach Angaben von Shell um fünf Dollar auf rund 335 Dollar, nachdem er am Vortag um etwa vier Dollar zurückgegangen sei. Als Grund für den erneuten Preisanstieg gelten vor allem Aufkäufe aus den USA, wo die Benzinbestände knapp sind und außerdem die Reise intensivere Jahreszeit für höhere Nachfrage sorgt. Außerdem ist der Benzinmarkt wegen des Ausfalls zweier Raffinerien in Nordengland und auf der Karibikinsel Aruba angespannt.

          Am Mittwoch hatten die Mineralölunternehmen die Benzinpreise um fünf Pfennig je Liter und für Diesel um vier Pfennig angehoben, wodurch die über Ostern gerade erst erreichten Rekordpreise noch übertroffen wurden. In Rotterdam hatte sich die Tonne unverbleites Normalbenzin bis Mittwochabend allerdings auf 321 Dollar je Tonne verbilligt. Esso-Sprecher Karl-Heinz Schult-Bornemann hatte dies als Zeichen für ein Ende des Preisanstiegs gewertet. Seit Anfang April hat sich Benzin in Rotterdam aum 53 Dollar je Tonne verteuert. Der Anstieg auf dem internationalen Markt sei so groß, dass die bisherigen Preisanhebungen an den Tankstellen nicht ausgereicht hätten, sagte Shell-Sprecher Rainer Winzenried.

          „Abzocker-Mentalität“

          Nach den Preisanhebungen unmittelbar vor Ostern hatten Politiker und Automobilclubs die Mineralölunternehmen scharf kritisiert und das Bundeskartellamt aufgefordert, deren Verhalten zu untersuchen. Die Kartellbehörde kann jedoch nur einschreiten, wenn sie konkrete Hinweise für wettbewerbswidrige Preisabsprachen hat. Wenn die Tankstellenkonzerne ihre Preise lediglich zur gleichen Zeit anhöben, könne die Behörde nicht tätig werden, hatte ein Behördensprecher erklärt.

          ADAC-Präsident Otto Flimm sagte, weder der starke Dollar noch der aktuelle Rohölpreis rechtfertigten eine derart drastische Preispolitik der Mineralölkonzerne. Er warf den Konzernen „Abzocker-Mentalität“ vor. Zudem sei die Steuerpolitik der Bundesregierung für die hohen Spritpreise mitverantwortlich.

          Der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) teilte unterdessen mit, nach den hohen Verlusten des vergangenen Jahres hätten sich die Erträge der Tankstellen in den ersten drei Monaten 2001 stabilisiert. Im Jahr 2000 schrieben die Tankstellen mit dem Verkauf von Benzin Verluste von rund einer Milliarde Mark.

          Weitere Themen

          Die Schwarzen fallen weiter zurück

          Corona und Polzeigewalt : Die Schwarzen fallen weiter zurück

          Die Pandemie und die Welle der Gewalt durch Sicherheitskräfte legen die oft prekäre Lage der Minderheit bloß. Sie ist finanziell und gesundheitlich schlechter gestellt. Die Unruhen könnten den Trend zur Stadtflucht verstärken.

          Trockenheit bedroht die Ernten Video-Seite öffnen

          Landwirtschaft in Belgien : Trockenheit bedroht die Ernten

          Die Trockenheit macht derzeit den Landwirten in Belgien zu schaffen. Noch nie in den letzten 120 Jahren hat es dort im Mai so wenig geregnet, wie in diesem Jahr. Viele Bauern fürchten um ihre Ernten, Joel van Coppenolle ist einer von ihnen.

          Topmeldungen

          Militäreinsatz im Inneren : Darf Trump das?

          In Washington wurden schon Black Hawks eingesetzt, um Randalierer im Tiefflug einzuschüchtern. Können anderswo die Gouverneure einen Armeeeinsatz verhindern? Und warum nennt Trump die Antifa eine Terrororganisation? Die wichtigsten Antworten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.