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Nach Volksabstimmung : Taiwan hält am Importverbot für Lebensmittel aus Fukushima fest

Supermarkt in der japanischen Präfektur Fukushima Bild: AFP

Sieben Jahre nach dem Unglück im Atomkraftwerk Fukushima haben die meisten Länder das Verbot der Einfuhr von Lebensmitteln aus Japan wieder aufgehoben. Die Mehrheit der Bürger in Taiwan aber bleibt voller Sorge.

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          Diese Entscheidung hat das Zeug, die Beziehungen mit Japan belasten. In einer Volksabstimmung haben die Taiwaner am Wochenende entschieden, dass die Einfuhr von Nahrungsmitteln aus fünf japanischen Präfekturen auf der Insel weiter verboten bleibt. Das Einfuhrverbot war nach dem Reaktorunfall im Kraftwerk Fukushima Daiichi im Jahr 2011 erlassen worden. Nach Angaben der Wahlkommission stimmten 7,79 Millionen Taiwaner für die Beibehaltung des Importverbots, 2,23 Millionen stimmten für die Aufhebung.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Entscheidung ist ein Schlag für die Regierung von Präsidentin Tsai Ing-wen, die sich für bessere Beziehungen zu Japan und eine Aufhebung des Importverbots einsetzte. Tsais Demokratische Progressive Partei hatte bei den Lokalwahlen am Wochenende eine deutliche Niederlage erlitten. Die Politikerin, die die Unabhängigkeit Taiwans gegenüber China hochhält, war nach der Wahlniederlage vom Amt als Parteivorsitzende zurückgetreten. Manche in Taiwan sehen die Volksabstimmung über das Einfuhrverbot als Versuch der oppositionellen Kuomintang, die Beziehungen mit Japan zu unterminieren.

          EU hat Einfuhrkontrollen gelockert

          Nach dem Reaktorunglück hatten 54 Länder Einfuhrverbote für Lebensmittel aus Japan erlassen. 29 Länder haben die Verbote mittlerweile wieder gestrichen, zuletzt Brasilien im August. 8 Länder, darunter Taiwan, verbieten auch die Einfuhr von Agrarprodukten aus bestimmten Präfekturen. 16 Länder verlangen besondere Zertifikate, um die Ungefährlichkeit der Strahlenbelastung nachzuweisen. Die Europäische Union hatte im Dezember 2017 die Einfuhrkontrollen gelockert und verlangt für bestimmte Produkte, darunter Reis aus der Präfektur Fukushima, nicht mehr die Vorlage von Testzertifikaten.

          Japan hat strenge Kontrollen auf Radioaktivität für Agrarprodukte aus Fukushima und anderen Präfekturen auferlegt. Die gemessenen Werte liegen schon seit Jahren unter den gesetzlich festgelegten Grenzwerten, sowohl für Fisch und andere Nahrungsmittel wie Reis. Eine Ausnahme sind Pilze oder Bambussprossen, für die die Regierung Verkaufsverbote auferlegt.

          Die Präfektur Fukishima war vor dem Reaktorunglück bekannt vor allem für Pfirsiche. In den Supermärkten Japans sind viele frische Nahrungsmittel üblicherweise mit der Herkunftspräfektur gekennzeichnet. Im täglichen Leben in Tokio gewinnt man nicht den Eindruck, dass Produkte aus Fukuhisma in den Regalen liegen bleiben. Auf Internetseiten des Agrarministeriums oder der Präfektur Fukushima können sich Verbraucher über die aktuell gemessenen Strahlen Belastungen informieren.

          Der Export von Agrarprodukten und Fischen aus der Präfektur Fukushima war nach der Kraftwerkshavarie drastisch von 153 Tonnen im Jahr auf nur noch 2 Tonnen im Fiskaljahr 2012 eingebrochen. Der Nachfrageentzug belastete das Leben nicht nur für die Bauer in den verstrahlten Gebieten, sondern auch im Großteil der Präfektur, die durch das Reaktorunglück gar nicht betroffen war. Zuletzt näherte der Export sich wieder dem Niveau vor der Katastrophe an.

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