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Tabakwaren : Reemtsma geht über den Tresen

  • Aktualisiert am

Schluss, aus: Tchibo will sich vom Tabak trennen Bild: Rose/Mueller/STOCK4B

Ein Verkauf der Tchibo-Tochter Reemtsma für sechs Milliarden Euro an Imperial Tobacco steht offenbar bevor.

          Die Zeiten eines eigenständigen deutschen Tabakherstellers nähern sich dem Ende. Der britische Tabakkonzern Imperial Tobacco steht offenbar kurz vor der Übernahme von Reemtsma.

          Die Briten ließen zwar nur durchsickern, dass derzeit Verhandlungen laufen, doch Branchenkreise bestätigten Zeitungsberichte, dass Imperial Tobacco kurz vor einer Übernahme sei und sich den Fang sechs Milliarden Euro kosten lassen wolle. Damit würde ein eher kleiner Fisch einen „big player“ des weltweiten Zigarettengeschäfts übernehmen. Während „West“-Produzent Reemtsma weltweit die Nummer vier ist, kommen die expansionsdurstigen Briten nur auf den 13. Rang.

          Altadis hat das Nachsehen

          Auch wenn die Imperial-Aktie an der Londoner Börse zunächst ein wenig unter Druck geriet, überrascht die Meldung nicht völlig: Die Verhandlungen zwischen den Konzernen laufen bereits seit einer Weile. Auch die französisch-spanische Altadis-Gruppe ist an Reemtsma interessiert, hat nun aber wohl das Nachsehen. „Ich vermute, der hohe Kaufpreis ist für den Kursverfall verantwortlich“, meinte Tabak-Analyst Jonathan Leinster von UBS Warburg.

          Familienzwist bei Tchibo

          Hinter Reemtsma steht die Herz-Familie, die sich seit längerem von der Tabakfirma trennen will. Die Familie gilt als zerstritten, weshalb spekuliert wird, dass sie nach dem Verkauf ihre Unternehmensbeteilungen anders sortieren und möglicherweise unter den verfeindeten Geschwistern aufteilen wird. Der Herz-Familie gehört die Tchibo-Holding mit den Kaffeefirmen Tchibo und Eduscho, einer Beteiligung von mehr als 30 Prozent an dem Nivea-Hersteller Beiersdorf und einem 75-Prozent-Paket an Reemtsma.

          Die Verkaufsbemühungen für Reemtsma ziehen sich schon seit mehr als einem Jahr dahin. Ein zunächst ins Auge gefasster Börsengang wurde ebenso verworfen wie andere Alternativen. Die Familie war über Monate kaum handlungsfähig, nachdem Michael Herz seinen Bruder Günter Anfang 2001 nach erfolgreichen Jahrzehnten aus der Tchibo-Spitze gedrängt hatte. Michael Herz hält mit seinen Brüdern Wolfgang und Joachim mit 50,5 Prozent die Tchibo-Mehrheit, während Günter mit Schwester Daniela und einem Wirtschaftsprüfer auf 39,6 Prozent kommt. Mutter Ingeburg hält 9,9 Prozent und will sich aus dem Streit heraushalten.

          Kaffee-und Kosmetikkonzern

          Das Geld aus dem Reemtsma-Verkauf soll nicht auf den Konten der Familie landen, sondern strategisch investiert werden. Am liebsten will die Familie die Mehrheit an dem erfolgreichen Beiersdorf-Konzern erwerben, doch dazu muss die Allianz einwilligen. Der Münchner Versicherungskonzern hält rund 44 Prozent der Aktien des Nivea-Herstellers und hält sich bislang zu den eigenen Plänen bedeckt. Als Alternative gilt, dass die Allianz ihre Anteile an einen Konkurrenten von Beiersdorf verkauft und damit einen neuen Branchenriesen schafft. Genannt werden in diesem Zusammenhang immer wieder die französische L'Oreal, die niederländische Unilever oder die deutsche Henkel.

          Gelänge es hingegen, Beiersdorf mehrheitlich unter das Tchibo-Dach zu bekommen, entstünde ein Konzern mit den beiden Standbeinen Kaffee und Kosmetik. Nach den Medienspekulationen der vergangenen Monate ist es von dort nur noch ein kurzer Schritt zur vollständigen Aufteilung unter den Geschwistern, die damit allen künftigen Streitereien aus dem Weg gehen könnten.

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