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Tabakindustrie : Altria droht Insolvenz

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Altria Group, der bis vor kurzem unter Philip Morris firmierende Konsumgüterkonzern, hat im Ringen um Schadensbegrenzung in einem wichtigen Rechtsstreit eine herbe Niederlage erlitten. Ein Senatsausschuß in Illinois hat eine Obergrenze für eine Kaution abgelehnt.

          Der bis vor kurzem unter Philip Morris firmierende Konsumgüterkonzern hat im Ringen um Schadensbegrenzung in einem wichtigen Rechtsstreit eine herbe Niederlage erlitten. Ein Senatsausschuß im amerikanischen Bundesstaat Illinois hat eine Obergrenze für eine Kaution abgelehnt, die Altria hinterlegen müßte, um ein Berufungsverfahren gegen ein kürzlich gesprochenes Urteil anzustrengen. Die amerikanische Zigarettensparte Philip Morris USA wurde vor zwei Wochen von einem Gericht wegen Täuschung von Verbrauchern zur Zahlung von 10,1 Milliarden Dollar verurteilt. Das Unternehmen hat nach Meinung des Gerichts Verbrauchern eingeredet, Zigaretten mit der Aufschrift "Lights" seien weniger gesundheitsschädlich als reguläre Marken. Für ein Berufungsverfahren muß der Hersteller der Marke Marlboro nach einer Anordnung des Gerichts eine Kaution von 12 Milliarden Dollar zahlen, die sich aus der Urteilssumme zuzüglich Zinsen ergibt.

          Altria hat bereits nach dem Urteil mitgeteilt, diese Summe nicht aufbringen zu können. Seither mehren sich die Vermutungen, wonach für die Tochtergesellschaft Philip Morris USA ein Antrag auf Gläubigerschutz gestellt werden könnte. Am Donnerstag hat die Ratingagentur Fitch die Kreditbewertung von Altria herabgestuft. Das Rating befindet sich jetzt noch um drei Stufen über dem "Junk"-Status, also der Bewertung als hochspekulative Investition. Anfang der Woche hatte bereits Moody's das Rating zurückgenommen. Auch Standard & Poor''s überprüft im Moment die Kreditbewertung des Unternehmens.

          Sorge um Insolvenz

          Nach der Entscheidung des Senatsausschusses nehmen die Sorgen um einen Insolvenzantrag nun weiter zu. Philip Morris hat aber noch Möglichkeiten, um die finanzielle Belastung zu verringern. So könnte das Unternehmen versuchen, sich mit den Klägern in Illinois auf eine verbindliche Vergleichszahlung zu einigen, wenn diese im Gegenzug eine geringere Kaution akzeptieren. Ähnlich war das Unternehmen in einem früheren Rechtsstreit mit einem krebskranken Raucher vorgegangen. Darüber hinaus hofft Altria weiterhin auf politischen Druck. Der Konzern hat bereits angedroht, eine für Mitte April bevorstehende Rate aus dem sogenannten Master Settlement von insgesamt 2,5 Milliarden Dollar nicht bezahlen zu können, sollte die Kaution nicht deutlich reduziert werden.

          Die Tabakindustrie hatte sich im Jahr 1998 mit 46 Bundesstaaten auf eine Zahlung von insgesamt 206 Milliarden Dollar geeinigt, auf Philip Morris entfällt der größte Teil. Viele Bundesstaaten sind aufgrund von Finanzlöchern in ihren Haushalten auf die Zahlungen der Tabakkonzerne dringend angewiesen. Viel Zeit hat Philip Morris im Ringen um eine Lösung aber nicht mehr. Die Kaution muß bis zum 20. April hinterlegt werden.

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