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Swissair-Pleite : Luftnummer

  • -Aktualisiert am

Fünf Jahre nach der Pleite beginnt der Swissair-Prozess Bild: dpa

Einst war sie der Stolz der Schweiz. Gut fünf Jahre nach dem „Grounding“ der Swissair stehen seit diesem Dienstag 19 ehemalige Führungskräfte vor Gericht. Der frühere Verwaltungsrat Gerhard Fischer verweigerte am ersten Verhandlungstag vor dem Bezirksgericht Bülach die Aussage.

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          Die Schweiz bietet viele Attraktionen. Die Stadthalle von Bülach nördlich von Zürich gehört sicher nicht dazu. Dennoch ist der moderne Zweckbau, sonst Schauplatz etwa der „Schweizer Meisterschaft im Salsa-Paartanz“, seit diesem Dienstag ein Anziehungspunkt - für die Hauptpersonen allerdings unfreiwillig.

          4.200 Aktenordner umfasst die Anklage gegen 19 Beschuldigte in der Affäre um die Pleite der Fluggesellschaft Swissair, deren Maschinen am 2. Oktober 2001 nicht mehr starteten und die danach in Konkurs ging. Das „Grounding“ war ein Trauma für die Schweizer und die größte Wirtschaftskatastrophe für das erfolgsverwöhnte Land. Im Prozess um die bislang größte Wirtschaftspleite in der Schweizer Unternehmensgeschichte muss sich seit diesem Dienstag die gesamte ehemalige Führungsriege der Fluggesellschaft verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten Konkursverschleppung vor. Der frühere Swissair-Verwaltungsrat Gerhard Fischer verweigerte am ersten Verhandlungstag vor dem Bezirksgericht Bülach die Aussage und bekannte sich in allen Anklagepunkten nicht schuldig. Das Swissair-Nachfolgeunternehmen Swiss wurde 2005 von der Lufthansa übernommen.

          Einst der Stolz des kleinen Landes

          Die Swissair stellte einst den Stolz des kleinen Landes dar. Die edle Fluglinie mit ihrer hohen Qualität trug das Schweizerkreuz in alle Welt. Doch auch die anderen Fluggesellschaften blieben nicht untätig. In den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts schlossen sich viele zusammen, gründeten Allianzen und starteten gemeinsame Programme. Auch die Swissair war auf diesem Feld aktiv. Doch das Projekt „Alcazar“, Arbeitstitel für einen Verbund mit der niederländischen KLM, der skandinavischen SAS und der AUA in Österreich, scheiterte 1993 an politischen Widerständen.

          Unter dem Finanzfachmann Philippe Bruggisser unternahm die Fluglinie 1997 einen neuen Anlauf. Grundlage dafür war eine 49,5-Prozent-Beteiligung an der Sabena in Belgien. Doch die Sabena war ein Schwächling. Und wo Bruggisser im Rahmen seiner „Hunter-Strategie“ hinzukaufte, bei der TAP in Portugal, LOT in Polen, diversen Regionalgesellschaften in Frankreich und Italien sowie beim deutschen Ferienflieger LTU, sah es nicht viel besser aus. Im Januar 2001 bereitete der Swissair-Verwaltungsrat dem Treiben Bruggissers ein Ende und entließ ihn fristlos. Aber auch der Verwaltungsrat stand im Feuer.

          Corti versuchte zu retten, was zu retten war

          Warum hatte er es überhaupt so weit kommen lassen?, fragten die Schweizer je länger, desto drängender. Im März erklärten neun von zehn Verwaltungsräten ihren Rücktritt. Übrig blieb nur der damalige Nestlé-Finanzchef Mario Corti. Er übernahm die Spitze und versuchte zu retten, was zu retten war. Aber die Expansion hatte die Swissair überfordert. Am 2. Oktober kam das Ende. Als die Banken eine dringend benötigte Finanzspritze verzögerten und sich dabei vor allem die UBS, der Cash-Manager der Fluglinie, hervortat, blieben die Maschinen am Boden.

          Warnzeichen, dass die Swissair auf eine Katastrophe zusteuerte, gab es einige. Im Juli 1999 zeigte sich der Verwaltungsrat besorgt über die Liquiditätslage des Unternehmens. Berater gingen bei der Swissair ein und aus, in 24 Monaten gab Bruggisser dafür angeblich 250 Millionen Franken aus. Im Juli 2000 kam es zu einem Eklat: Der Credit-Suisse-Analyst Christopher Chandiramani warnte vor einem Milliardenloch. Bruggisser tobte, beschwerte sich bei seinem Verwaltungsrat und Credit-Suisse-Chef Lukas Mühlemann.

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