https://www.faz.net/-gqe-957pf

Milliardärs-Kommentar : Superreiche Gründer

Gute Freunde: Warren Buffett und Bill Gates Bild: EPA

Die Liste der reichsten Menschen der Welt führen Leute wie Jeff Bezos, Bill Gates, Warren Buffett oder Mark Zuckerberg an. Hinter ihrer großen Leistung steckt eine wichtige Gemeinsamkeit.

          100 Milliarden Dollar sind eine gewaltige Summe. So groß ist das Vermögen des Amazon-Gründers Jeff Bezos nun, ergibt die Reichen-Rangliste, die der Finanzdienst Bloomberg kontinuierlich ermittelt. Er ist der reichste Mensch der Welt.

          Um welche Größenordnung es geht, zeigt dieser Vergleich: Ungefähr so hoch ist derzeit auch der gesamte Börsenwert des deutschen Industrieunternehmens Siemens, eines Konzerns, der auf der ganzen Welt ungefähr 360.000 Mitarbeiter hat.

          Und noch eine Zahl sticht in der aktuellen Vermögensaufstellung ins Auge: Jeff Bezos ist alleine in diesem Jahr demnach um mehr als 34 Milliarden Dollar wohlhabender geworden. Das schlägt jedes Einkommen, alleine für diese Summe könnte er viele der im deutschen Standardwerteindex Dax notierten Unternehmen komplett kaufen.

          Keine Angestellten

          Die Milliardärs-Rangliste zeigt allerdings auch sehr eindrücklich und erhellend, was die reichsten Menschen des Planeten auszeichnet: Sie sind vornehmlich Unternehmensgründer. Jeff Bezos gründete den Onlinehändler Amazon im Jahr 1994 und gab dafür keine schlechte Anstellung in der amerikanischen Finanzbranche auf. Bill Gates schuf den Software-Konzern Microsoft, dessen Betriebssystem Windows allgegenwärtig ist. Warren Buffett gründete in den fünfziger Jahren seine erste private Unternehmung „Buffett Partnership“. Der spanische Unternehmer Amancio Ortega (Platz 4 der Rangliste) ist bekannt für die Bekleidungsmarke Zara. Auf den vorderen Plätzen folgen dann unter anderen die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin, der Facebook-Gründer und -Vorstandsvorsitzende Mark Zuckerberg, der aus Schweden stammende Ikea-Gründer Ingvar Kamprad und der chinesische Internetunternehmer Jack Ma, der die Amazon-Konkurrenten Alibaba auf den Weg brachte. Der reichste Deutsche in dieser Rangliste ist derzeit Dieter Schwarz (Platz 31) mit einem Vermögen von 24 Milliarden Dollar, zu dessen Unternehmen der Discounter Lidl gehört.

          Alle diese Menschen sind durch ihre Unternehmungen unglaublich reich geworden. Sie haben viele Arbeitsplätze geschaffen und ziemlich ausnahmslos Produkte oder Konzepte erdacht, die auf der ganzen Welt nicht Hunderte, Tausende oder Millionen, sondern Milliarden Menschen kaufen oder nutzen. Das ist eine große Leistung.

          Anstößig ist dieser Reichtum darum ganz und gar nicht, übrigens auch mit Blick hierauf: Diese Unternehmer sind persönliche Risiken eingegangen. Sie haften für Erfolg und Misserfolg ihrer Unternehmungen durch die Anteile, die sie nach wie vor daran halten – Jeff Bezos beispielsweise gehören 16 Prozent an Amazon, dessen Aktienkurs in diesem Jahr bislang um mehr als 50 Prozent zugelegt hat. Deshalb ist Bezos nun (auf dem Papier) um so viele Milliarden reicher als im vergangenen Jahr um diese Zeit. Fällt der Kurs von Amazon, Google oder Facebook mal wieder um – sagen wir 20 Prozent, was für Technikunternehmen keine außergewöhnliche Schwankung wäre – würde sich der Wohlstand dieser Unternehmer genauso schnell um viele Milliarden Dollar verringern, wie er nun gestiegen ist.

          Und genau das unterscheidet sie von den angestellten Managern internationaler Unternehmen. Diese haften nicht in dieser Weise für eingegangene Risiken – schlimmstenfalls werden sie (vorzeitig) entlassen, häufig übrigens mit durchaus üppigen Millionenabfindungen in bar oder in Form von Anteilspaketen. Kein Wunder, dass es zumeist um jene angestellten Manager geht, wenn Gehaltsexzesse oder „goldene Fallschirme“ angeprangert werden oder über gerechte Entlohnung gestritten wird.

          Die reichen Gründer haben hingegen in der Tendenz einen guten oder sehr guten Ruf. Und sicher nicht vornehmlich, weil sie sich, wie etwa Bill Gates, auch stark in nicht-gewinnorientierten Projekten engagieren.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Folgen:

          Weitere Themen

          „Wohnen ist keine normale Ware“ Video-Seite öffnen

          Mieterbund gegen Profitgier : „Wohnen ist keine normale Ware“

          Auf dem Deutschen Mietertag in Köln hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel skeptisch zu einem Mietendeckel geäußert. Mietervertreter fordern aber, ein solches Instrument zu prüfen – und schicken mahnende Worte hinterher.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.