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Tiefpunkt überstanden : Südkoreas Wirtschaft schrumpft nur um 1 Prozent

Ein Testzentrum an einer U-Bahn-Station in Seoul Bild: dpa

So gut wie kaum ein anderes Land hat Südkorea die Corona-Pandemie in den Griff bekommen. Der Erfolg zahlt sich aus: 2020 schrumpfte die Wirtschaft nur um 1 Prozent. Das Land steht besser da als der Rest der OECD-Staaten.

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          Die Wirtschaft Südkoreas ist im vergangenen Jahr um ein Prozent geschrumpft. Südkorea bestätigt damit, dass es die Pandemie-Krise wirtschaftlich wohl hinter sich gelassen hat. Der Tiefpunkt lag im Sommer. Im zweiten Halbjahr des vergangenen Jahres wuchs die koreanische Wirtschaft dagegen schon wieder. Zu der eher geringen wirtschaftlichen Schrumpfung trug bei, dass Südkorea die Virus-Pandemie weit erfolgreicher in den Griff bekam als viele andere Länder. Das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben war nie so lahmgelegt wie in westlichen Staaten.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Auch die zum Jahresende aufbrausende dritte Welle hat Südkorea mit vergleichsweise geringen Eingriffen anscheinend schon gebrochen. Die Zahl der Neuinfektionen am Tag lag zuletzt bei 300 bis 400, deutlich weniger als der Rekord von 1241 an Weihnachten. Südkorea zählt 26 Covid-Tote auf 1 Millionen Einwohner. In Deutschland sind es mehr als 300.

          Mit dem Minus um ein Prozent für das Gesamtjahr steht Südkorea nach dem Pandemiejahr besser da als die meisten wirtschaftlich bedeutenden Länder. Wirtschaftlich ist das Land wahrscheinlich weniger geschrumpft sein als alle anderen 36 OECD-Staaten. Im Kreis der G-20-Staaten dürfte nur China besser dastehen als Südkorea. In China, in dem die Pandemie ihren Ausgang nahm, wuchs die Wirtschaft nach den amtlichen Angaben 2020 um 2,3 Prozent. Für Deutschland hatte das Statistische Bundesamt ein Minus von 5 Prozent gemeldet. Für die meisten Länder liegen Wachstumsdaten für das vergangene Jahr noch nicht vor.

          So positiv das Land im internationalen Vergleich dasteht, so eingreifend wird die wirtschaftliche Schrumpfung im Land selbst empfunden. Zuletzt schrumpfte die Wirtschaft im Jahr der Asienkrise 1998. Die Pandemie beendete eine mehr als 20 Jahre dauernde Wachstumsgeschichte, obwohl die Regierung mit vier Nachtragshaushalten und Mehrausgaben dagegenhielt.

          Impfungen starten erst im Februar

          Der Staatskonsum legte nach den Angaben der Bank von Korea um 5 Prozent zu, konnte aber den Einbruch des privaten Konsums nicht ausgleichen. Positiv zum Wachstum trugen Anlageinvestitionen bei, die nach zwei Jahren der Schrumpfung um 6,8 Prozent zulegten. Der für Südkorea ausgesprochen wichtige Export ging um 2,5 Prozent zurück. Im zweiten Halbjahr aber trieb der Export schon wieder das Wachstum an. Südkoreas große Elektronikkonzerne wie Samsung, SK Hynix oder LG bedienten die in der Home-Office-Wirtschaft deutlich steigende Nachfrage nach Halbleitern und Geräten der  Verbraucherelektronik wie Fernseher oder Heimcomputer. Das größte südkoreanische Unternehmen, Samsung Electronics, steigerte den Betriebsgewinn im vergangenen Jahr um rund 30 Prozent auf etwa 36 Billionen Won (27 Milliarden Euro).

          Die Aussichten für das gerade begonnene Jahr stehen gut. Die Bank von Korea erwartet ein Wachstum von 3 Prozent, während manche Analysten auch ein Plus von 5 Prozent für möglich halten. Die Nachfrage nach Halbleitern, dem wichtigsten Exportprodukt des Landes, ist robust und die Preise steigen. Der Export generell dürfte in einer sich erholenden Weltwirtschaft das Wachstum antreiben. Unsicher bleibt dagegen die Entwicklung des privaten Konsums, nachdem die Rezession die Arbeitslosenquote am Jahresende auf das Elf-Jahreshoch von 4,6 Prozent steigen ließ und die Beschäftigung so schnell schrumpfte wie zuletzt 1999.

          Präsident Moon Jae-in, der im kommenden Jahr das Amt verlässt, will mit großen Investitionen in die Digitalisierung und den Umweltschutz die Wirtschaft in diesem Jahr antreiben. Für eine Erholung des Konsums ist aber ebenso wichtig, dass die Virus-Gefahren endgültig eingedämmt werden. Analysten verweisen auf die Bedeutung der Schutzimpfungen für die wirtschaftliche Entwicklung. Südkorea wird erst im Februar mit Schutzimpfungen der Bevölkerung gegen das Coronavirus beginnen. Die Verzögerung im Vergleich zu westlichen Staaten erklärt sich zum Teil dadurch, dass die Regierung im vergangenen Sommer, als die Corona-Lage in Südkorea sich deutlich entspannt hatte, mit weniger Eifer Schutzimpfungen für die 52 Millionen Einwohner bestellt hatte als von der Pandemie stärker betroffene Länder.

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