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Weltraum : Südkoreas erster eigener Raketentest geht schief

Südkoreas „Nuri“-Rakete startete von der südlichen Insel Goehung. Bild: AFP

Südkorea hat große Ambitionen in der Raumfahrt und will sich einen eigenen Weg ins All öffnen. Ein Satellitentest mit einer selbst gebauten Rakete ist jetzt aber missglückt.

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          Südkorea ist am Donnerstag damit gescheitert, mit einer eigenständig entwickelten Rakete einen Satelliten in die Erdumlaufbahn zu befördern. Der Traum, als zehntes Land neben der Europäischen Union diese Technik eigenständig zu beherrschen, ist damit vorerst geplatzt. Präsident Moon Jae-in erklärte, alle drei Antriebsstufen der Rakete hätten gezündet und sich erfolgreich gelöst. Der Dummy-Satellit habe aber nicht die geplante Höhe von 700 Kilometern erreicht. Moon sagte dennoch, dass das koreanische Weltraumzeitalter näher komme. Das Land will die Tür zu dem lukrativen Geschäft mit Satellitenstarts öffnen. Der nächste Raketenstart ist für Mai 2022 vorgesehen. Bis 2030 will Südkorea eine Sonde auf den Mond schießen.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die 200 Tonnen schwere Rakete mit dem Namen „Nuri“ oder „Welt“ startete von der südlichen Insel Goehung mit einer Stunde Verspätung. An Bord war ein 1,5 Tonnen schwerer Dummy-Satellit. Die Rakete war komplett in Südkorea entwickelt worden. Nach einigen Fehlstarts hatte das Land zuerst 2013 eine Naro-Rakete ins All geschossen, die mit russischer Hilfe entwickelt worden war. Am Donnerstag brannte der Antrieb in der dritten Raketenstufe nicht lange genug, um dem Satellitenmodul genug Schwung mitzugeben.

          Die Regierung in Seoul hat seit 2010 fast 2 Billionen Won (1,46 Milliarden Euro) für die Entwicklung der Rakete ausgegeben. An der Entwicklung sind rund 300 Unternehmen beteiligt. Die Fäden laufen bei Korea Aerospace Industries zusammen. Hanwha Aerospace baute den Antrieb. Bis 2027 sind vier weitere Raketenstarts als Tests geplant. Südkorea will die eigene Raketentechnik unter anderem für ein koreanisches satellitengestütztes Navigationssystem und für militärische Satelliten zur Überwachung von Nordkorea nutzen. Bislang vertraut das Land dazu auf amerikanische Überwachung. Im vergangenen Jahr hatte Südkorea einen ersten eigenen Militärsatelliten aus Florida mittels des amerikanischen Raketenanbieters Space X ins All gebracht.

          Raketenstarts sind auf der koreanischen Halbinsel im Konflikt mit dem diktatorischen Regime im Norden naturgemäß mit viel politischem Ballast verbunden. Nach südkoreanischen Angaben ist die Nuri-Rakete, die mit Flüssigbrennstoff angetrieben wird, nicht als militärische Waffe gedacht. Das Land entwickelt aber mit Hochdruck seine eigene ballistische Raketentechnik weiter. Im Mai hatte Südkorea sich mit den Vereinigten Staaten darauf geeinigt, alle Beschränkungen für diese Raketenentwicklungen aufzuheben.

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