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Anstieg der Exporte : Südkoreas Wirtschaft wächst so stark wie seit 2010 nicht mehr

Südkoreas Wirtschaft ist im vergangenen Jahr dank einer deutlichen Erholung der Exporte und des Privatverbrauchs um 4 Prozent gewachsen. Bild: Reuters

Die Wirtschaftsleistung in dem Land legte 2021 um 4 Prozent zu. Die Erholung verdankt Südkorea dem starken Zuwachs des privaten Konsums und dem Anstieg der Exporte. Auf das Risiko Omikron reagiert die Regierung mit neuen Ausgaben.

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          Südkoreas Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um 4 Prozent gewachsen und damit so stark wie seit elf Jahren nicht mehr. Damals hatte das Bruttoinlandsprodukt in der Erholung nach der globalen Finanzkrise inflationsbereinigt um 6,8 Prozent zugelegt. Auch jetzt spiegelt das starke Wachstum die Erholung nach einer Krise wider. Im ersten Pandemiejahr 2020 war die Wirtschaft des von der Ausfuhr abhängigen Landes noch um 0,9 Prozent geschrumpft, als der weltwirtschaftliche Handel in den ersten Monaten des Covid-Schreckens eingebrochen war.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Mit diesem Wachstumsmuster erlebte Südkorea im Vergleich zu vielen westlichen Staaten wie etwa Deutschland 2020 einen schwächeren Einbruch und 2021 eine stärkere wirtschaftliche Erholung. Südkorea ist gemessen am Bruttoinlandsprodukt die zehntgrößte Volkswirtschaft in der Welt, nach Kanada und vor Russland.

          Privater Konsum stark

          Die Erholung im vergangenen Jahr gründete im Zuwachs des privaten Konsums um 3,6 Prozent, aber auch in einem starken Anstieg des Exports um 9,7 Prozent. Südkorea profitierte von der starken Nachfrage nach Halbleitern, dem wichtigsten Exportprodukt des Landes. Im ersten Pandemiejahr waren privater Konsum und Export geschrumpft.

          Die weiterhin starke Nachfrage nach Computerchips deutet nach Einschätzung der südkoreanischen Notenbank auf eine andauernde wirtschaftliche Erholung des Landes auch in diesem Jahr hin. Wichtige Unternehmen wie Samsung Electronics haben große Investitionen angekündigt, sodass die gesamtwirtschaftlichen Anlageinvestitionen wie in den bisherigen beiden Pandemiejahren robust wachsen könnten. Insgesamt wird dennoch eine abgeschwächte Wachstumsrate in diesem Jahr erwartet. Die Bank von Korea rechnete im November mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 3 Prozent. Die Erwartungen von Geschäftsbanken und Wertpapierhäusern schwanken um diesen Wert.

          Der wichtigste Risikofaktor ist derzeit die Binnenwirtschaft. Trotz strenger Quarantäne-Vorschriften an den Außengrenzen hat die Omikron-Welle das Land erfasst. Mit mehr als 8000 gemeldeten Covid-Neuinfektionen erlebte Südkorea am Dienstag einen neuen Rekord. Die Regierung verschärft die Anti-Corona-Vorschriften. Die Pandemielage wird so zu einem abermaligen Risiko für den privaten Konsum. Positiv steht dem gegenüber, dass schon mehr als 50 Prozent der Bevölkerung eine Auffrischungsimpfung gegen die Covid-Infektion erhalten haben. Beobachter wie Alex Holmes von Capital Economics erwarten deshalb keine dauerhafte Beeinträchtigung der Konsumneigung.

          Steigende Staatsausgaben

          Zur Abwehr wirtschaftlicher Folgeschäden der Omikronwelle beschloss die Regierung unter Präsident Moon Jae-in vergangene Woche den ersten Nachtragshaushalt des Jahres im Volumen von 14 Billionen Won (10 Milliarden Euro) oder rund 0,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Damit hält Moon auch in den letzten Monaten seiner Amtszeit am Kurs steigender Staatsausgaben fest.

          In den vergangenen vier Jahren stieg der Staatskonsum nach Angaben der Bank von Korea jahresdurchschnittlich um 5,6 Prozent. Anfang März wählen die Südkoreaner einen neuen Präsidenten. Derzeit führt in den Umfragen der konservative Kandidat Yoon Suk-yeol vor dem Parteifreund Moons, Lee Jae-myung.

          Gegen Inflationsgefahren und Risiken an den Kapitalmärkten hatte die Zentralbank in diesem Monat den Leitzins von 1 auf 1,25 Prozent angehoben und signalisiert, dass mindestens eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr zu erwarten sei.

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