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Versprechen eingelöst : Südkorea verkürzt die Wochenarbeitszeit – auf 52 Stunden

Demonstration für bessere Arbeitsbedingungen in Seoul im Juni 2017 Bild: dpa

Mit 2052 Stunden arbeiten die Menschen in Südkorea im Jahr fast 700 Stunden mehr als der durchschnittliche Deutsche. Nun hat die Regierung in Seoul reagiert – und kommt ihren Bürgern vor allem am Wochenende entgegen.

          Aus westlicher Perspektive gilt in Asien Japan als ein Land, in dem die Menschen besonders viel arbeiten. Dieser Eindruck täuscht. Wer den Fokus auch auf weniger reiche Länder richtet, sieht sofort, dass die Japaner zwar viel arbeiten, aber bei weitem nicht so viel wie die Menschen in Ländern mit geringerem Pro-Kopf-Einkommen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Ein schönes Gegenbeispiel ist eines der direkten Nachbarn Japans, Südkorea. Mit einer Wirtschaftsleistung je Kopf von umgerechnet 36.500 Dollar haben Südkoreaner im Vergleich zu Japanern noch aufzuholen. Zahlen der OECD für 2016 zeigen für Japan ein Pro-Kopf-Einkommen von 42.300 Dollar.

          Die Diskrepanz im Einkommen mag einer der wichtigsten Gründe sein, warum die Japaner im Vergleich mit den Südkoreanern weit weniger arbeiten. 1724 Stunden im Jahr schaffen abhängig Beschäftigte in Japan im Durchschnitt, in Südkorea sind es 2052 Stunden im Jahr. Das reicht den Südkoreanern nach Mexiko für Rang 2 im Kreis der OECD-Staaten. Zum Vergleich: Für Deutschland nennt die OECD eine Arbeitsleistung von 1298 Stunden im Jahr bei einem Pro-Kopf-Einkommen von 48.950 Dollar.

          Bislang auch 16 Stunden Arbeit am Wochenende

          Unter dem linksliberalen Präsidenten Moon Jae-in will die Regierung in Seoul den Südkoreanern nun mehr Freizeit auferlegen. Weniger arbeiten war eines der Wahlversprechen, mit denen Moon im vergangenen Jahr die Wahl gewonnen hatte. Nach Marathonverhandlungen genehmigte der Parlamentsausschuss für Umwelt und Arbeit nun einen entsprechenden Gesetzentwurf. Am Mittwoch wurde die Neuregelung auch endgültig vom Parlament beschlossen.

          Danach wird die maximale gesetzliche Wochenarbeitszeit von 68 auf 52 Stunden verkürzt. 52 Stunden je Woche bedeuten 40 reguläre Arbeitsstunden und 12 Überstunden. Zurzeit gilt als Regel 40 Arbeitsstunden, 16 Stunden am Wochenende und 12 Überstunden.

          Die neue Regelung soll von Juli an gelten und für Kleinunternehmen mit weniger als 300 Mitarbeiter erst in den kommenden Jahren eingeführt werden. Doch die Unternehmen klagen schon jetzt. Nach der Berechnung des Korea Economic Research Instituts kommen auf die Kleinunternehmen, die das Rückgrat der südkoreanischen Wirtschaft stellen, Kosten von umgerechnet rund 7 Milliarden Euro im Jahr zu.

          Die Klagen der Kleinunternehmen klingen besonders bitter, weil Moon ihnen mit der Erhöhung des Mindestlohns um 16 Prozent im vergangenen Jahr schon eine große Belastung auferlegt hatte. Das von der neuen Regierung versprochene einkommensbasierte Wachstum geht bislang auf Kosten der Unternehmen.

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