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Südamerika : Unkontrollierter Goldrausch im Amazonasgebiet

Doch die französische Regierung zögert, aus Guyana ein Bergbau-Departement zu machen. Auch der sogenannte legale Teil der Goldindustrie von Guyana ist nicht immer so legal, wie er sich gibt. Händler kauften das Gold aus zweifelhaften Quellen, berichten der WWF-Mann Taravella und die Abgeordnete Taubira übereinstimmend. Die Minenpräsidentin räumt ein, dass heute vor allem die brasilianische Regierung illegales Gold reinwasche, indem sie es mit einem offiziellen Label ausstatte. Dem gelben Metall sieht man seine Herkunft nicht an. Daher können es die Händler in Guyana mühelos weiterverkaufen. Die Pflicht, einen Legalitätsnachweis von Gold einzufordern, gilt kurioserweise in ganz Frankreich einschließlich seiner Überseegebiete - nicht aber auf Guyana. Man wollte die Goldindustrie fördern, damit das Departement nicht von französischen Subventionen und dem europäischen Weltraumbahnhof in Kourou abhängig ist. Stattdessen blühte die illegale Förderung auf. "Wir hoffen, in diesem Jahr die Nachweispflicht auf Guyana ausweiten zu können", sagt ein Sprecher des Übersee-Ministeriums in Paris.

Jagd auf illegale Goldschürfer

Frankreich hat in den vergangenen Jahren die Jagd auf die illegalen Goldschürfer verstärkt, setzte sogar die Fremdenlegion, eine Anti-Terror-Gruppe und schwerbewaffnete Gendarmerie ein. 2008 wurden nach Regierungsangaben 19 Kilogramm Gold und 193 Kilogramm Quecksilber sichergestellt. "Doch die Einsätze blieben punktuell. Aufgrund des hohen Goldpreises können die Garimpeiros inzwischen sogar vier Monate auf der brasilianischen Seite ausharren, um einfach die nächste gute Gelegenheit abzuwarten", berichtet Taubira. Außerdem rodeten die illegalen Goldschürfer heute seltener ihre Arbeitsorte nahe den Flussufern, sondern hielten sich unter dichten Bäumen auf, wo sie von den französischen Sicherheitskräften in ihren Helikoptern nicht auszumachen sind.

Der WWF macht derzeit mit einem Dokumentarfilm und Protestaktionen vor Pariser Edeljuwelieren auf diesen Missstand aufmerksam. Die Konsumenten sollen künftig bei den Juwelieren nach der Herkunft des Goldes fragen und so die Industrie unter Druck setzen, ein Nachweissystem von korrekt gefördertem Gold aufzubauen. Ein 2008 zwischen Frankreich und Brasilien abgeschlossenes Abkommen zur gemeinsamen Bekämpfung der illegalen Goldschürfer ist bisher von den Parlamenten nicht ratifiziert worden. Zumindest in Frankreich soll es nach Aussage von Außenminister Bernard Kouchner noch in diesem Sommer ratifiziert werden. Hinsichtlich der brasilianischen Gesetzgebung ist Taubira aber sehr skeptisch. "Die Goldschürfer bringen für die arme Grenzregion Brasiliens Einkommen und ernähren etliche Familien. Daher hat Brasilien letztlich kein Interesse an einer Bekämpfung. Doch solange Brasilien nichts tut, bekommen wir das Problem nicht in den Griff", sagt Taubira.

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