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Südafrika : Zumas Zulu-Tänze schrecken die Wirtschaft nicht

Machtvoll im Leopardenfell wie im Anzug: Jacob Zuma Bild: dpa

Mal reißerische Parolen, mal Sätze wie aus einem Lehrbuch zur Marktwirtschaft: Der künftige südafrikanische Präsident gilt als Pragmatiker. Für einen Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik gibt es wenig Spielraum.

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          Jacob Zuma ist kein langweiliger Politiker. Der mit großer Wahrscheinlichkeit nächste Staatspräsident Südafrikas tanzt bei Wahlkampfveranstaltungen gerne traditionelle Zulu-Tänze. Er wirft sich zu feierlichen Anlässen auch mal Leopardenfelle über. Trifft er Geschäftsleute, gibt er sich jedoch seriös im schwarzen Anzug. Keine reißerischen Parolen, sondern Sätze wie aus einem Lehrbuch zur Marktwirtschaft kommen dann aus seinem Mund.

          Claudia Bröll
          Freie Afrika-Korrespondentin mit Sitz in Kapstadt.

          Dass die jetzige Regierungspartei ANC mit Zuma als Präsidentschaftskandidat wiedergewählt wird, steht fest. Seit dem Ende der Apartheidregierung gewann der ANC jede Wahl mit überwältigender Mehrheit. Kritiker befürchten unter Zuma verstärkte staatliche Interventionen und Umverteilung. Der exotisch anmutende Kandidat aber hat es dennoch geschafft, sich die Gunst vieler Wirtschaftsvertreter zu sichern. Die Tatsache, dass die Landeswährung Rand und die Aktienkurse an der Johannesburger Börse in den vergangenen Monaten zulegten, deutet darauf hin, dass Investoren der Wahl gelassen entgegensahen. "Zuma ist schon in den Kursen berücksichtigt", sagt ein Analyst. Freilich seien Überraschungen nicht ausgeschlossen, wenn der politische Alltag nach dem Wahlkampf einziehe.

          Unternehmer sehen in Zuma einen Pragmatiker, der ihnen im Gegensatz zu seinem von vielen als arrogant beschriebenen Vorgänger Thabo Mbeki Gehör schenkt. Er sei ein "Teamspieler" und ein "guter Zuhörer", sagt Cyril Ramaphosa, ehemaliger Gewerkschaftsführer und heute einer der reichsten Geschäftsleute in Südafrika. "Zuma lädt Leute mit anderen Ansichten ein und bemüht sich um eine ausgewogene Lösung. Er wird sehr rege Kontakte zur Geschäftswelt haben."

          Charmeoffensive im Westen

          Auch bei ausländischen Managern hat die anfängliche Skepsis gegenüber dem Präsidentschaftskandidaten abgenommen - ungeachtet der Korruptionsvorwürfe, wegen deren er noch bis vor kurzem vor Gericht gestellt werden sollte. Nicht umsonst reiste der sich als "Zulu-Boy" vermarktende Zuma im vergangenen Jahr nach London, Davos und in die Vereinigten Staaten, um die internationale Wirtschaftswelt kennenzulernen. Die Reaktionen fielen überwiegend positiv aus.

          Die Charmeoffensive geht jedoch nicht nur von Zuma aus. Die Lobbyisten in Südafrika laufen seit Monaten zur Höchstform auf. Auf einem Empfang der amerikanischen Handelskammer in Johannesburg wurde Zuma schon im vergangenen Jahr wie ein großer Staatsmann umgarnt und permanent "Präsident Zuma" genannt - angeblich, um seinen bisherigen Posten als ANC-Präsident zu berücksichtigen. "Zuma weiß, dass er ohne eine funktionierende Wirtschaft keinen Erfolg haben kann. Das Schicksal von Millionen armen Südafrikanern liegt ihm natürlich am Herzen, aber das kann man ihm nicht vorwerfen", sagte Klaus Döring, ehemaliger Siemens-Chef in Südafrika, dieser Zeitung. Wirtschaftsprofessor Raymond Parsons beruhigt in seinem Buch "Zumanomics", dass Zuma kein zweiter Hugo Chávez sei, auch wenn seine Regierung vermutlich eine wichtigere Rolle im Wirtschaftsleben spielen will.

          Zuma - ein Chamäleon?

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