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Pandemie in Südafrika : Der Kampf gegen die Mutation

Menschen sonnen sich im Südafrikanischen Kapstadt im Februar 2021. Trotz der Mutation des Coronavirus sind die Strände wieder geöffnet. Bild: AP

Die zweite Welle der Infektionen in Südafrika ebbt zwar ab, doch die Sorgen, dass die Impfstoffe kaum wirken, nehmen zu. Nun drohen bereits gelieferte Astra-Zeneca-Dosen abzulaufen.

          3 Min.

          In Südafrika wird nach einem abrupten Impfstopp nun mit Hochdruck an einem Neustart gearbeitet. Wirtschaftsvertreter, Politiker und Forscher drängen zur Eile. Als neuer Hoffnungsträger gilt der Impfstoff von Johnson & Johnson (J&J), der allerdings noch nicht zugelassen ist. Gleichzeitig werden die Stimmen lauter, den Astra-Zeneca-Impfstoff (AZ) nicht voreilig zu verwerfen. Eine Studie der Witwatersrand-Universität in Johannesburg hatte am Wochenende für viel Aufregung gesorgt. Demnach bietet der AZ-Impfstoff nur einen „minimalen Schutz“ gegen milde und moderate Infektionen mit der mittlerweile berüchtigten „Südafrika-Variante“ B.1.351. Experten haben zwar die Hoffnung, dass der Wirkstoff schwere Infektionen verhindert. Die Studie aber konnte diese Frage nicht klären. Rund 2000 relativ junge und gesunde Testpersonen hatten daran teilgenommen.

          Claudia Bröll
          Politische Korrespondentin für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Für Südafrika ist das Ergebnis ein doppelter Schlag: Die „Südafrika-Variante“ ist dort mittlerweile dominant. Sie gilt als Haupttreiber der zweiten Infektionswelle. Zusätzlich kam vor gut einer Woche die erste Ladung von Astra-Zeneca-Impfstoffen an. Eine Million Dosen aus dem Serum Institute in Indien wurden geliefert, 500.000 sollten Ende des Monats folgen. Für diese Bestellungen hatte die südafrikanische Regierung einen stattlichen Preis von 5,25 Dollar je Dosis gezahlt, mehr als europäische Staaten. Anfang kommender Woche sollte es losgehen, zunächst für Mitarbeiter im Gesundheitswesen.

          Für die Wirtschaft könnten sich die gerade etwas aufgehellten Aussichten nun wieder eintrüben. In den vergangenen Wochen hat sich die Corona-Situation deutlich entspannt. So schnell die zweite Infektionswelle herangerollt war, so schnell ebbt sie ab. Am Mittwoch lag der Sieben-Tages-Durchschnitt der täglichen Neuinfektionen unter 2000. Anfang Januar waren es noch fast 20.000.

          Lockerungen trotz Mutation

          Staatspräsident Cyril Ramaphosa lockerte daher vor kurzem die Ausgangsbeschränkungen der Stufe 3. Ausschank und Verkauf von Alkohol sind wieder erlaubt, die Strände geöffnet. Ein nächtliches Ausgangsverbot gilt nun von 23 Uhr statt zuvor von 21 Uhr an. Restaurants, Cafés und Geschäfte durften ohnehin öffnen. Es besteht jedoch eine strikte Masken- und Abstandspflicht.

          Südafrikas Wirtschaft ist trotzdem extrem hart getroffen. Im vergangenen Jahr dürfte die Wirtschaftsleistung Schätzungen zufolge um 8 bis 10 Prozent gesunken sein. Vor allem der Tourismus und die Gastronomie sind nahezu am Boden. Das Auftauchen der besonders ansteckenden „Südafrika-Variante“ Ende vergangenen Jahres hatte auch nicht geholfen. Die Hoffnung war daher groß, die Impfungen könnten eine Wende einleiten. Die Weltbank hatte zuletzt ein Wachstum in diesem Jahr von 3,3 Prozent prognostiziert. Doch der verzögerte Impfstart und eine womöglich geringere Effektivität der Wirkstoffe sorgen nun für einen Dämpfer.

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          Ursprünglich wollte die südafrikanische Regierung bis Ende dieses Jahres 40 Millionen Menschen oder 70 Prozent der Bevölkerung impfen. Bisher hat sie neben den direkt georderten 1,5 Millionen Astra-Zeneca-Dosen weitere 12 Millionen Dosen über die Covax-Initiative der Weltgesundheitsorganisation, 9 Millionen J&J-Dosen und 20 Millionen Dosen des Pfizer-Biontech-Impfstoffs bestellt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg will man sich um weitere 20 Millionen Dosen des J&J-Impfstoffs bemühen. Dieser wird in einem Werk des südafrikanischen Pharmakonzerns Aspen abgefüllt und verpackt. Auch die russischen und chinesischen Impfstoffe sind im Gespräch.

          J&J-Impfstoff ist vielversprechend

          Statt auf eine Immunität eines großen Teils der Bevölkerung richten die Experten jetzt den Blick darauf, schwere Erkrankungen zu verhindern. Der J&J-Impfstoff beispielsweise soll dazu in der Lage sein. Vorläufigen Daten aus dem Phase-3-Test zufolge hat er eine 57-Prozent-Wirkung bei milden und mittleren Erkrankungen und eine 85-Prozent-Wirkung bei schweren Erkrankungen.

          Gleichzeitig warnen Fachleute davor, den Astra-Zeneca-Impfstoff zu verwerfen. Er schütze mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen schwere Erkrankungen, sagte der Virologe Shabir Madhi. Der Impfstoff sei zudem der günstigste, der Entwicklungs- und Schwellenländern zur Verfügung stehe. „Wenn Südafrika sich hierbei leichtsinnig verhält, könnte es globale Folgen haben.“ Jetzt wird geprüft, ob der Astra-Zeneca-Impfstoff für andere Gruppen eingesetzt wird. Gesundheitsminister Zweli Mkhize hielt auch einen Weiterverkauf für möglich. „In der restlichen Welt ist dies ein stark genutzter Impfstoff.“ Es gebe bereits Anfragen von anderen Ländern. Die Zeit drängt, denn die gelieferten 1 Million Dosen haben ein Ablaufdatum im April.

          Südafrika und Großbritannien gehören international zu den Vorreitern, die neue Virusvarianten über Genomsequenzierung entschlüsseln. Daher wurden die „Mutanten“ aus beiden Ländern sehr früh entdeckt. Forscher sind jedoch überzeugt, dass auch in anderen Ländern Varianten in verschiedenen Formen zirkulieren. Bisher aber sind sie unerkannt.

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