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Südafrika : Genmais in der Schüssel

Menschen bei Monsanto: Arbeiter in einem Saatgutlager in Südafrika Bild: Bloomberg

Der kommerzielle Anbau genmanipulierter Pflanzen ist in Südafrika erlaubt. Der von Bayer übernommene Hersteller Monsanto erntet jedoch Kritik von Umweltaktivisten.

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          Der Hinweis ist eigentlich nicht zu übersehen: „Contains genetically modified organisms“ (enthält genetisch veränderte Organismen) steht in Großbuchstaben auf der Maismehlverpackung geschrieben. Kaum ein Kunde aber interessiere sich dafür, sagt der Manager eines Kapstädter Supermarktes. Auf jeden Fall hält er niemanden vom Kauf ab. In Südafrika stammen mittlerweile etwa 80 Prozent des Maismehls aus genmanipulierten Pflanzen. Da „Pap“ – ein heller weicher Maismehlbrei – für die schwarze Bevölkerung ein Grundnahrungsmittel wie Brot in Europa ist, dürften die Südafrikaner zu den größten Genmais-Konsumenten auf der Welt gehören.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Nichtregierungsorganisationen protestieren dagegen schon seit geraumer Zeit. Vor allem der amerikanische Agrarchemiekonzern Monsanto, den jetzt Bayer für 66 Milliarden Dollar übernehmen will, steht am Pranger. „Monsanto hat den hiesigen Maismarkt schon jetzt fest im Griff“, sagt Mariam Mayet, Leiterin des African Centre for Biodiversity, dieser Zeitung. Wie in anderen Ländern wird auch in Südafrika immer wieder gegen Genmais demonstriert. Eine Petition der Organisation, um weitere Feldversuche zu stoppen, unterschrieben mehr als 25.000 Menschen. Wellness-Märkte und eine exklusivere Supermarktkette werben mit dem Vermerk „GMO-Free“ (frei von genetisch veränderten Organismen) auf ihren Produkten. Sie bedienen aber nur eine kleine, besser verdienende Klientel.

          Viel bewirkt haben die Proteste bisher nicht. Vor zwei Jahren musste Monsanto in Südafrika Radiowerbung zurückziehen. Das Unternehmen hatte behauptet, mit Gentech-Kulturen könnten höhere Erträge mit weniger Ressourcen erzielt werden, dank geringeren Pestizideinsatzes würden die Umwelt geschont und der Ausstoß von Treibhausgasen verringert. Wissenschaftliche Belege von einer unabhängigen Stelle aber konnte es dafür nicht vorlegen.

          Große Hoffnung in Biotechnik

          Abgesehen von solchen Stolpersteinen, wird den Anbietern von Gentech-Saatgut jedoch kaum etwas entgegengesetzt. „Unsere Regierung hat vollständig akzeptiert, dass genmanipulierte Lebensmittel sicher seien“, sagt Mayet. Neben Mais werden auf großen Feldern auch genveränderte Soja und Baumwolle angepflanzt.

          Regierungsvertreter und die Agrarverbände setzen in die grüne Biotechnik große Hoffnungen. Schon 2012 sprachen sich die Agrar- und Wissenschaftsminister aus 24 afrikanischen Ländern auf einer Konferenz dafür aus, genverändertes Saatgut zuzulassen. Bisher ist der kommerzielle Anbau nur in sehr wenigen afrikanischen Ländern, darunter in Südafrika, erlaubt. In weiteren Ländern laufen Feldversuche.

          Das südliche Afrika erlebt derzeit eine der schwersten Dürren seit Jahrzehnten. In Südafrika haben Hilfsorganisationen sogar zu Spenden von abgeschnittenem Gras aufgerufen, weil das Vieh in besonders trockenen Gegenden kein Futter mehr findet. Normalerweise produzieren die Bauern genug Mais, um die eigene Bevölkerung und die umliegenden Länder zu versorgen. In diesem Jahr muss importiert werden.

          Test neuer Sorten

          Ohne widerstandsfähige genveränderte Maissorten wäre der Importbedarf aber noch viel größer, argumentiert der südafrikanische Industrieverband der Biotechnik-Branche. Wegen der Technologie sei der Maisertrag je Hektar heute mehr als viermal so hoch wie während einer ähnlichen Dürre Anfang der neunziger Jahre. Andernfalls hätte man mehr als 9 Millionen Tonnen Mais zu erheblich höheren Kosten zusätzlich einführen müssen. Nach Angaben des Getreideverbands Grain SA werden in diesem Jahr voraussichtlich 3,8 Millionen Tonnen Mais aus dem Ausland benötigt. Die Dürre bremst ohnehin schon merklich das Wirtschaftswachstum.

          Auch Organisationen wie die Bill and Melinda Gates Stiftung und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) unterstützen Biotechnologie, sie sehen in ihr ein „wichtiges Instrument“, um die Nahrungsmittelversorgung in Afrika zu sichern. So entwickelt Monsanto für das Programm „Water Efficient Maize for Africa“ (Wema) Maissorten, die sowohl Dürren als auch Insektenplagen trotzen soll. Sie werden derzeit in Südafrika, Kenia, Moçambique, Tansania und Uganda getestet. Später sollen auch Kleinbauern das Saatgut vergünstigt erhalten.

          „Es ist wie eine Sucht“

          Umweltaktivisten indes wettern gegen Wema und halten die Marktöffnung für die Agrokonzerne für einen schweren Fehler. Sie warnen vor nicht restlos geklärten Risiken für den Verbraucher und die Natur. Mayet befürchtet nach der Übernahme durch Bayer einen noch stärkeren Vorstoß von Monsanto in den Mais-, Baumwoll- und Sojasamenmarkt in Südafrika. Gleichzeitig schreitet die Konsolidierung im Rest der Branche voran. Das bedeute weniger Wettbewerb, geringere Wahlmöglichkeiten für Bauern und Konsumenten und letztlich steigende Preise.

          Auf der anderen Seite gerieten konventionelle Anbaumethoden, die über Jahrhunderte hinweg entwickelt werden und auf die Bedingungen in Afrika abgestimmt seien, zusehends in Vergessenheit: „Es ist wie eine Sucht, jeder will nur noch genmanipuliertes Saatgut einsetzen, ohne sich über Risiken und Alternativen Gedanken zu machen.“ Es sei zudem ein Trugschluss, zu glauben, der Hunger in Afrika lasse sich durch die Produktion immer größerer Mengen Mais lösen. „Tatsächlich ist die extrem einseitige Diät ein wichtiger Grund für die Mangelernährung.“ Sobald der Zusammenschluss mit Bayer besiegelt sei, wolle die Organisation Südafrikas Wettbewerbshüter einschalten.

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