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Südafrika : Der Wein der guten Hoffnung

  • -Aktualisiert am

Landarbeiter in einem südafrikanischen Weingut Bild: Fabian Lange

Südafrikas Winzer werden verdächtigt, ihre Landarbeiter schlecht zu behandeln. Auf Druck der Kunden in Europa geloben sie jetzt Besserung. Ein Anfang ist gemacht.

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          Paul Cluver hat es hinter sich. Rund hundert Hektar Land seiner Farm im Elgin Valley bei Kapstadt hat der Winzer vor 17 Jahren in ein Jointventure eingebracht, damit seine farbigen Landarbeiter das erste schwarze Weingut Südafrikas gründen konnten. Sie tauften es „Thandi“, was „Liebe“ bedeutet. Der Geschäftsführer Vernon Henn machte die Farm zum Aushängeschild des neuen Südafrikas. Heute gehört es den 250 Familien zu 55 Prozent. Warum hat Cluver Teile seiner Farm abgetreten? „Wir Landbesitzer sollten unseren Teil zum Wandel beitragen. Und das ist eben meiner“, antwortet der Mann.

          In 350 Jahren Weinbaugeschichte am Kap ist der Wein zum Symbol geworden - für Wohlstand und Unterdrückung. Die riesigen Weinfarmen brauchten enorm viele Farmarbeiter, die mit ihren Familien auf den Farmen lebten und bis Mitte des 20. Jahrhunderts sogar in Wein ausgezahlt werden durften. Viele Arbeiter wurden Alkoholiker, selbst schwangere Frauen tranken, ihre Kinder erlitten schwere Schäden.

          Im Weinberg hört die Arbeit nie auf Bilderstrecke
          Im Weinberg hört die Arbeit nie auf :

          Nach dem Ende der Apartheid wurde „Black Economic Empowerment“ aus der Taufe gehoben. Im Weinbau sollen die besitzlosen Landarbeiter nun an der Wertschöpfungskette des Imageträgers Wein beteiligt werden.

          Und heute? Was bei Thandi fast schon abgeschlossen ist, hat der schwarze Manager Rydal Jeftha noch vor sich: Vor zwei Jahren ist er zum Geschäftsführer von Koopmanskloof ernannt worden. Es ist eine der größten Weinfarmen in Stellenbosch und gehörte dem weißen Farmer Stevie Smit, einem stolzen Buren, der sich 2007 am Ende seines Lebens dazu entschloss, 44 Prozent seiner 500-Hektar-Weinfarm lieber einem Konsortium von Landarbeitern und farbigen Investoren zu überschreiben als seinem Sohn. Und nun steht Rydal Jeftha vor der Aufgabe, den maroden Betrieb wieder flottzumachen. Mittlerweile exportiert Jeftha bereits die ersten Fairtrade-Weine.

          Ein gewaltiger Transformationsprozess

          Südafrikas Weinbau steckt in einem gewaltigen Transformationsprozess. Er wird begleitet von Ängsten, Ungeduld und Herablassung: Die einen fürchten Zustände wie in Simbabwe, wo Farmer planmäßig vertrieben oder ermordet werden. Die anderen wetten auf das Scheitern der schwarzen Weinprojekte, weil den neuen Winzern Erfahrung fehle. Inzwischen produzieren Schwarze im Rahmen des Black-Empowermen-Programms zwei Prozent des südafrikanischen Weins.

          Dem Phänomen schwarze Winzer wird große Aufmerksamkeit geschenkt, doch die wahren Umwälzungen erleben offenbar die Landarbeiter der Weinfarmen. Human Right Watch veröffentlichte im Herbst 2011 einen Bericht mit dem Titel: „Ripe with abuse“ (grob übersetzt: Mißbrauch bei der Reife). Dort werden in Wort und Film eklatante Missstände in der südafrikanischen Wein- und Fruchtindustrie angeprangert. Mehr als 100 000 Landarbeiter sind dem Bericht zufolge von den Farmen vertrieben worden. Es wird gezeigt, wie Farmer den Landarbeitern Trinkwasser abstellen oder die Hütten der Arbeiter abreißen, in denen sie seit Generationen hausen. Der Grund: Heute sind Tagelöhner viel billiger als residierende Farmarbeiter.

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