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Bahnprojekt Stuttgart 21 : Und schon wieder eine Milliarde mehr

Geht hier alles mit rechten Dingen zu? Ein Blick auf die Stuttgart-21-Baustelle am Stuttgarter Hauptbahnhof Bild: Nerea Lakuntza

Das Infrastrukturvorhaben Stuttgart 21 gilt als Milliarden-Grab. Diesem zweifelhaften Titel macht das Megaprojekt alle Ehre: Es soll jetzt statt 8,2 sogar 9,2 Milliarden Euro kosten.

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          Eigentlich geht es voran mit Stuttgart 21. Vergangene Woche verkündete die Projektgesellschaft der Bahn, man habe das nächste Etappenziel erreicht. Für den künftig unterirdischen Stuttgarter Hauptbahnhof, der im Jahr 2025 fertig sein soll, seien jetzt die Bahnsteige betoniert und alle vier 420 Meter langen Plattformen komplett begehbar; rund 15 000 Kubikmeter Beton kamen zum Einsatz. Diese für die Bauleitung gute Zwischennachricht trübt jetzt abermals eine Erkenntnis, die das Megaprojekt seit seinem Start begleitet: Die Kostensteigerungen scheinen kein Ende nehmen zu wollen.

          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.

          So dürfte das Infrastruktur-Großvorhaben nochmals rund eine Milliarde Euro teurer werden als bisher geplant, wie am Freitag bekannt wurde. Nach Informationen der F.A.Z. schlagen die Verlegung des Bahnhofs der baden-württembergischen Landeshauptstadt in den Untergrund und der komplexe Bau der Anbindungen mit insgesamt knapp 9,2 Milliarden Euro zu Buche. Bislang war man von 8,2 Milliarden Euro ausgegangen. Die Deutsche Bahn (DB) will sich zu diesen Zahlen nicht äußern.

          Schon der Rechnungshof äußerte Bedenken

          In Berlin ist zu hören, dass die kräftig steigenden Baupreise schuld an der abermaligen Planrevision seien. Immerhin: Es handele sich nicht nur um Kostensteigerungen rund um die eigentliche Auftragsvergabe. Vielmehr habe man noch einen Puffer vorgesehen. Er soll verhindern, dass die Bauherren schon in kurzer Zeit wieder mit neuen Zahlen aufwarten müssen.

          Der jetzige Kostenzuwachs kam indes nicht völlig überraschend. Schon im Jahr 2019 gab es Befürchtungen, dass das eingeplante Geld nicht ausreicht. Damals warnte der Bundesrechnungshof in einem Bericht für den Rechnungsprüfungsausschuss des Bundestages vor weiteren Kostensteigerungen, Folgen für den Bundeshaushalt und Risiken für die gesamte Eisenbahninfrastruktur. Solche Bedenken haben sich bisher fast immer bestätigt. Das im Jahr 1994 aus der Taufe gehobene und seit 2010 im Bau befindliche hoch umstrittene Infrastrukturprojekt sollte ursprünglich 2,6 Milliarden Euro kosten, dann mehr als 4 Milliarden Euro. Zuletzt waren die Prognosen auf 8,2 Milliarden Euro aufgestockt worden.

          Die jüngste Teuerung geht nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ aus einem Gutachten des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens Pricewaterhouse-Coopers hervor, das dem Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats der DB in den kommenden Wochen vorgestellt werden soll. Dies kommt mehr als ungelegen in ein politisches Umfeld, das ohnehin vom Streit um die Finanzierung geprägt ist. Zuletzt hatte Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) im Januar seine Forderung bekräftigt, dass der Bund sich an den Mehrkosten von Stuttgart 21 beteiligen müsse.

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