https://www.faz.net/-gqe-91k2k

Soziales Netzwerk : StudiVZ ist pleite

  • Aktualisiert am

SchülerVZ: So sah die Seite des Ablegers für die jüngere Generation aus. Bild: dpa

Es hat sich ausgegruschelt: Das Netzwerk StudiVZ, wo einst viele Deutsche ihre ersten Erfahrungen im Internet sammelten, hat Insolvenz angemeldet. Schon vor langer Zeit hatten sich die Nutzer scharenweise verabschiedet.

          Wissen Sie noch, was gruscheln ist? Eine Kombination aus virtuellem Grüßen und Kuscheln in den sozialen VZ-Freundschaftsnetzwerken. Einst galten sie in Deutschland als riesige Erfolgsstory. Deutsche Studenten, Schüler und Berufstätige trafen sich vor rund zehn Jahren eher bei StudiVZ, SchülerVZ oder MeinVZ als bei Facebook. Jetzt ist der einstige Facebook-Konkurrent zahlungsunfähig.

          Das Unternehmen Poolworks, das hinter dem ehemals größten deutschen Freunde-Netzwerk steht, meldete beim Amtsgericht Charlottenburg Insolvenz an, wie aus einer öffentlichen Bekanntmachung des Amtsgerichts am Freitag hervorgeht.

          Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Jesko Stark bestellt. Poolworks wie auch Stark waren zunächst nicht zu erreichen. Das Online-Magazin „Gründerszene“ hatte zuerst von der Pleite berichtet. Dort zeigte sich Jesko zuversichtlich, dass der Betrieb mit derzeit nur noch sieben Mitarbeitern fortgeführt werden kann.

          Das Rennen um Nutzer schon vor Jahren verloren

          Eine zeitlang wurden die VZ-Netzwerke als große Erfolgsgeschichte gefeiert. In guten Zeiten brachten sie es auf rund 17 Millionen Nutzer. StudiVZ hatte aber schon vor Jahren das Rennen um Nutzer an Netzwerke wie Facebook, Instagram, Linkedin und Xing verloren. Vor allem nach einer Offensive von Facebook auf dem deutschen Markt wechselten die Nutzer scharenweise zu dem größeren Konkurrenten. Und weil ein soziales Netzwerk nur funktioniert, wenn möglichst viele Teilnehmer dort sind, begann sich eine Abwärtsspirale zu drehen. Poolworks spricht auf seiner Internetseite von zehn Millionen Menschen, die noch bei den VZ Netzwerken angemeldet sind; ob das aktive Nutzer sind, ist aber unklar. Zum Vergleich: Facebook wird monatlich von mehr als zwei Milliarden Menschen genutzt.

          Der Stuttgarter Holtzbrinck-Verlag hatte StudiVZ im Jahr 2007 zwei Jahre nach der Gründung übernommen und gut 80 Millionen Euro dafür auf den Tisch gelegt. Ein knappes Jahr später hätte Holtzbrinck Digital zumindest mit heutigem Wissen die Chance gehabt, die Investition zu Geld zu machen: Konkurrent Facebook bot damals an, die VZ-Netzwerke zu übernehmen, um sich seinen Start in Deutschland zu erleichtern. Angeblich stand eine direkte Beteiligung an Facebook als Angebot im Raum. Doch das Geschäft kam nie zustande. 2008 stieg dann Facebook mit einem deutschen Angebot auf dem hiesigen Markt ein, und der Abstieg der VZ-Netzwerke begann - zuerst schleichend, dann immer schneller.  Es hieß es sei bei dem gescheiterten Deal damals von allem um Datenschutzbedenken gegangen, die Holtzbrinck hatte. Sie sollen die Verhandlungen, die wohl schon sehr weit fortgeschritten waren, zu lange verzögert haben.

          Dabei wäre ein Verkauf an Facebook für Holtzbrinck sehr lukrativ gewesen: Durch den zwischenzeitlichen Facebook-Börsengang und den Kursanstieg wäre der Wert des Aktienpakets bis heute explodiert und würde sicherlich in die Milliarden gehen.

          Für Holtzbrinck entpuppte sich StudiVZ am Ende als großer Flop: 2012 wurde die Betreiberin der Internet-Plattform, Poolworks, an die amerikanische Investmentgesellschaft Vert Capital verkauft.

          Weitere Themen

          Wo unsere Smartphones herkommen Video-Seite öffnen

          Von Afrika über China zu uns : Wo unsere Smartphones herkommen

          Wir benutzen sie jeden Tag, doch wir fragen uns selten, wo sie herkommen: Der Weg eines Smartphones beginnt in Afrika und Südamerika und führt zu riesigen Fabriken in China. Unsere Grafik nimmt Sie mit auf die Reise.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.