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Studie zur Rentenpolitik : SPD und FDP ziehen viele Ruheständler an

Dahinter sitzt meistens ein alter Kopf: Im Wahllokal Bild: dpa

Was unterscheidet und was verbindet die Anhänger der Parteien? Eine Studie will Aufklärung bringen. Vor allem in der Rentenpolitik kommen interessante Ergebnisse zur Tage.

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          Die politischen Ziele von SPD und FDP liegen in vielen Bereichen auseinander, allen voran in der Rentenpolitik. Ihre Wählerschaft weist allerdings in einer Hinsicht große Ähnlichkeiten auf: Beide haben in der Gunst von Rentnern und Pensionären stark zugelegt. Im Jahr 2000 waren nur ein Viertel der Wähler von Sozialdemokraten und Liberalen Ruheständler, 2016 waren es bei beiden Parteien 36 Prozent. Der Anteil der Senioren an allen Wahlberechtigten stieg in dieser Zeit von 26 auf 29 Prozent. Das zeigt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die einen Überblick über die Sozialstruktur von Wählern und Anhängern der verschiedenen Parteien liefert.

          Dietrich Creutzburg
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Für CDU/CSU zeigt sich, dass diese zwar im Jahr 2000 eindeutig die Rentner- und Pensionärsparteien Nummer eins waren, sie kamen schon damals auf ein Drittel Ruheständler. Da sich der Anteil aber kaum verändert hat, liegt die Union in dieser Hinsicht nur noch auf Platz drei. Derweil hat sich der Anteil der Ruheständler unter den Linken-Wählern fast im Gleichklang mit der Gesellschaft entwickelt. Nur die Grünen blieben insofern zurück: Der Rentner- und Pensionärsanteil an ihrer Wählerschaft lag 2016 bei 18 Prozent. Gegenüber dem Ausgangswert von nur 4Prozent im Jahr 2000 ist dies aber eine besonders rasante Steigerung.

          Die Rentner- und Penionärsanteile spiegeln sich auch im Durchschnittsalter der Wählerschaften: Hier liegen Unions- und SPD-Wähler mit 53 Jahren um zwei Jahre über dem Durchschnitt aller Wahlberechtigten, die FDP kommt gar auf 54 Jahre. Die Grünen sind zwar mit 48 Jahren weiterhin die jüngste Partei, doch ist keine andere Partei ähnlich stark gealtert – im Jahr 2000 waren Grünen-Wähler im Durchschnitt nur 40 Jahre alt.

          FDP wird als „Partei der Besserverdienenden“ angesehen

          Die Forscher Karl Brenke und Alexander Kritikos stützen sich dabei auf Ergebnisse der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaft (Allbus), mit der alle zwei Jahre eine Vielzahl von Sozialdaten erhoben wird. Dabei wird den Befragten auch die Sonntagsfrage gestellt – sie geben an, was sie wählen würden, wäre am nächsten Sonntag Bundestagswahl. So konnten die Forscher die Sozialdaten nach Parteipräferenz auswerten.

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          Blickt man auf die Geldbörsen der Wähler, steht die FDP nicht ganz überraschend als „Partei der Besserverdienenden“ da, während die Linkspartei Geringverdiener und Arbeitslose anspricht. Hier nutzt das DIW das sogenannte bedarfsgewichtete Haushaltsnettoeinkommen als Maßstab; dabei wird das Gesamteinkommen eines Haushalts nach einem standardisierten Verfahren durch die Zahl der dort lebenden Erwachsenen und Kinder geteilt. Nach diesem Maßstab können FDP-Wähler im Mittel über 2125 Euro im Monat verfügen, Union und Grüne belegen mit 1800 Euro gemeinsam den zweiten Platz. SPD-Wähler sind indes mit 1667 Euro annähernd repräsentativ für die Gesellschaft. Dagegen liegen Linken-Wähler mit 1598 Euro ein Stück zurück, haben damit laut DIW aber 55 Euro Vorsprung auf die Wähler der AfD. Eine Gruppe liegt indes noch weiter zurück: die bekennenden Nichtwähler. Für sie ermittelten die Forscher nur 1333 Euro.

          Anhänger von AfD und Linkspartei am wenigsten zufrieden

          Die Studie liefert zudem Hinweise darauf, wie sich das mittlere Einkommen der verschiedenen Wählerschaften seit dem Jahr 2000 entwickelt hat. In dieser Hinsicht sind die Wähler von FDP und Linkspartei die größten Gewinner: Während das mittlere Einkommen der Gesellschaft preisbereinigt um 18 Prozent stieg, verbuchten die Wähler der Linkspartei ein Plus von 25 Prozent, die der FDP gar ein Plus von 34 Prozent. Der Wert für Unionswähler liegt mit 20 Prozent knapp über dem allgemeinen Mittel, jener für SPD-Wähler mit 14 Prozent etwas darunter. Schlecht erging es in dieser Hinsicht den Grünen- und den Nichtwählern: Ihr mittleres Einkommen stieg um weniger als 6 Prozent. Dabei spielen freilich auch Verschiebungen der Wählerstruktur eine Rolle: Verliert eine Partei beispielsweise enttäuschte Geringverdiener an die Gruppe der Nichtwähler, dann steigt das mittlere Einkommen ihrer verbliebenen Anhänger an.

          Daneben liefert die Studie ein Bild der Einschätzungen zur Einkommenssituation. Hier zeigt sich, dass Anhänger von AfD und Linkspartei am wenigsten zufrieden sind. Auf einer Skala von null bis 10 bewerten sie ihre persönliche Lage mit knapp sechs Punkten, die Anhänger der anderen Parteien dagegen mit rund sieben Punkten. Eines verbindet indes die Anhänger aller Parteien: Sie halten die Situation in der Gesellschaft durchweg für schlechter als ihre persönliche. Die DIW-Forscher formulieren es so: Es sei „in erheblichem Maße die Auffassung verbreitet, in Deutschland mangele es an sozialer Gerechtigkeit, während die große Mehrheit sich selbst materiell überhaupt nicht ungerecht behandelt fühlt“.

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