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Studie über Airbnb und Co. : Sharing-Modelle sind nicht so nachhaltig wie ihr Image

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Ein Schlüssel mit einem Airbnb-Anhäger, ein Airbnbmag-Magazin und eine Herzlich-Willkommen-Karte liegen in der Wohnung eines Airbnb-Gastgebers. Bild: dpa

Uber, Airbnb, Kleiderkreisel – die Kultur des Teilens boomt. Häufig wird suggeriert, durch die „Sharing-Plattformen“ auch noch etwas für die Umwelt zu tun. Doch genau das Gegenteil ist der Fall, so eine neue Studie.

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          Heutzutage gibt es fast kein Produkt, was man nicht irgendwo leihen oder tauschen kann. Autos bei Uber, Ferienwohnungen bei Airbnb, Klamotten bei Kleiderkreisel; die Kultur des Teilens boomt. Neben den großen Unternehmen kommen auch immer mehr Start-ups auf den Markt. Jeder Zehnte nutzt regelmäßig solche sogenannten „Sharing-Modelle“. Häufig sind sie umweltfreundlicher als herkömmliche Unternehmen – würde man meinen. Doch der Nutzen von Sharing für die Umwelt ist gering, haben jetzt Forscher herausgefunden.

          Das Prinzip der „Sharing-Economy“ ist einfach: Anstatt selbst hohe Beiträge in Eigentum zu investieren, werden Gegenstände, Räume oder auch Ideen geteilt und zu einem vorher festgelegten Zeitraum gemietet. Häufig erfolgt die gesamte Abwicklung per App übers Smartphone: Hier kann man mit dem Anbieter kommunizieren; aber auch buchen und bezahlen können Nutzer mit einem Klick auf dem Smartphone. Die Plattformen suggerieren dabei häufig, besonders nachhaltig zu sein: Kleiderkreisel wirbt etwa damit, dass „hochwertige Kleidung lange leben sollte“. Der Grundgedanke ist, Secondhand-Mode zur ersten Wahl zu machen und so die Natur und ihre Ressourcen zu schonen.

          „Die Effekte sind geringer, als suggeriert wird“

          Das ist so bei vielen Anbietern aber häufig nicht der Fall. „So wie die Plattformen gegenwärtig genutzt werden, kann man nur von moderaten Umweltentlastungen ausgehen“, sagte Maike Gossen vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung. Gossen hat mit ihrem Team die Nutzung von Sharing-Modellen, und deren Ökobilanz erforscht. „Das Versprechen, Sharing leiste einen Beitrag zur Entlastung der Umwelt, kann man zwar bejahen - aber die Effekte sind geringer, als suggeriert wird“, so die Forscherin.

          Die Ökobilanz hängt nach Ansicht der Wissenschaftler vor allem davon ab, wie die Angebote genutzt werden. Aus den Ergebnissen könnte man also vereinfacht schließen: Schuld ist nicht der Anbieter, sondern das Verhalten der Nutzer. Ein häufiger Fall laut Gossen: „Man spart oder erhält sogar Geld – und das gibt man dann an anderer Stelle wieder aus.“ Bei den Nutzern spielen oft pragmatische Gründe eine vorrangige Rolle: Etwa, dass man Geld sparen oder hinzuverdienen könnte.

          Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Auch wenn der Nutzer auf die verlockenden Angebote reinfallen, schaffen die Anreize dennoch die Sharing-Plattformen. In einigen Fällen entstehe dadurch sogar zusätzlicher Konsum. Als Beispiel nennt Gossen die Unterkunftsplattform Airbnb, durch dessen Angebote die Nutzer möglicherweise erst zu neuen Reisen angestiftet werden. Und diese ist dann wiederum eine zusätzliche Belastung für die Umwelt.

          Trotzdem „wichtiger Baustein“ für Nachhaltigkeit

          Trotzdem ist der Gebrauch von Sharing-Plattformen nicht nur als kritisch anzusehen: Deutschlandfunk Kultur gegenüber sagte Maike Gossen, dass sie zwar nicht glaube, „dass das Sharing alleine die Welt retten wird“; aber es sei ein „wichtiger Baustein hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft“. Eine relativ positive ökologische Bilanz haben Gossen zufolge außerdem private Mitfahrgelegenheiten, durch die Extra-Fahrten eingespart werden. Hier teilen sich die Nutzer ein Auto, ein ehemals leeres Auto wird also voll genutzt.

          Verena Bax von der Umweltorganisation Nabu bewertet Sharing-Modelle grundsätzlich als positiven Beitrag zur Umweltentlastung. Allerdings seien sie für viele Nutzer keine echte Alternative zum Kaufen, weil nur wenige bereit seien, zu teilen. In einer „wachstumsgetriebenen Wirtschaft und Gesellschaft“ sei das Teilen – hingegen der medialen Aufmerksamkeit – noch nicht allzu verbreitet, so auch Maike Gossen: Mit etwa 50 Prozent Unbeteiligten oder Ablehnenden sei auch in Zukunft zu rechnen.

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