https://www.faz.net/-gqe-7m0hz

Studie : Mindestlohn bringt mehr Schwarzarbeit

  • -Aktualisiert am

Mehr als 50 Milliarden Euro Steuereinnahmen entgehen dem Staat aufgrund von Schwarzarbeit pro Jahr. Bild: dpa

Seit Jahren sinkt die Schwarzarbeit in Deutschland. Nun könnte sich das ändern - durch den Mindestlohn, den höheren Pflege-Beitrag und die „Rente mit 63“, sagt Arbeitsmarktforscher Friedrich Schneider.

          Die Pläne der großen Koalition, spätestens Anfang 2015 einen flächendeckenden Mindestlohn einzuführen und den Beitrag zur Pflegeversicherung zu erhöhen, sorgen für mehr Schwarzarbeit in Deutschland. Zu diesem Schluss kommt der Linzer Arbeitsmarktexperte Friedrich Schneider in einer gemeinsamen Studie mit dem Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung in Tübingen.

          Die Wirtschaftsforscher gehen davon aus, dass die Schattenwirtschaft in diesem Jahr um rund 2 Milliarden auf 338,5 Milliarden Euro zurückgehen wird. Der Rückgang fällt damit geringer aus als in den vergangenen Jahren.

          Bereits seit dem Jahr 2003 arbeiten Menschen in Deutschland weniger schwarz, haben die Forscher ermittelt - einzige Ausnahme war das Jahr 2009 gewesen: Wegen der Rezession infolge der Finanzkrise. Als Gründe für den zu erwartenden abermaligen Rückgang nennen die Wissenschaftler das voraussichtlich solide Wirtschaftswachstum in diesem Jahr und die damit einhergehende entspannte Situation auf dem Arbeitsmarkt.

          Die „Rente mit 63“ macht Schwarzarbeit attraktiver

          In den vergangenen Jahren hatten Arbeitsmarktreformen wie die Einführung von Minijobs und die von 400 auf 450 Euro erhöhten Obergrenzen großen Anteil daran, dass die Schwarzarbeit sank. Diese Entwicklung könnte sich ab dem kommenden Jahr jedoch umkehren, warnt Schneider: Unternehmen würden versuchen, den geplanten Mindestlohn von 8,50 Euro je Stunde zu umgehen - mittels illegaler Beschäftigung. Der Umfang der Schattenwirtschaft soll dadurch um mehr als eine Milliarde Euro zunehmen.

          Auch die Absicht, den Beitrag zur Pflegeversicherung zu erhöhen und die Pläne zur Rente mit 63 treibe mehr Menschen in die Schwarzarbeit, prognostiziert Schneider. Höhere Sozialversicherungsbeiträge erhöhen den Anreiz, in die Schwarzarbeit auszuweichen, weil die Differenz zwischen Brutto- und Nettoeinkommen zunimmt. Knapp zwei Milliarden Euro zusätzlich sollen durch diese beiden Vorhaben in der Schattenwirtschaft umgesetzt werden.

          Weitere fünf Milliarden Euro würden alleine wegen der sogenannten Kalten Progression pro Jahr zusätzlich in der Schattenwirtschaft umgesetzt. Kalte Progression bewirkt, dass Arbeitnehmer weniger Einkommen zur Verfügung haben, auch wenn die Realeinkommen trotz Inflation konstant bleiben. Ursache dafür ist,  dass die steigenden Nominallöhne höher besteuert werden.

          Insgesamt gehen Staat und Sozialversicherungsträgern zwischen 50 und 60 Milliarden Euro pro Jahr aufgrund der Schattenwirtschaft verloren, schätzen die Wissenschaftler.

          Als Schattenwirtschaft bezeichnen sie in ihrer Studie vor allem Schwarzarbeit, beziehen jedoch auch kriminelle Aktivitäten ein. Da Schwarzarbeit nicht direkt messbar ist, erfassen die Arbeitsmarktexperten für ihre Studie Fakten, die die Bereitschaft zur Schwarzarbeit beeinflussen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Länger leben : Kerle, macht’s wie die Frauen

          Von der Gleichstellung der Geschlechter profitieren auch Männer – sie sind gesünder und leben länger. Die regionalen Unterschiede, die in einer Studie sichtbar werden, überraschen.
          Viele Fragen an den Präsidenten in der Whistleblower-Affäre: Donald Trump beantwortet Reporterfragen vor dem Weißen Haus.

          Telefonat mit Selenskyj : Trumps Erpressung

          Für Donald Trump ist das Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten nicht verwerflich. Er sieht nichts Schlimmes darin, seine Macht zu nutzen, um politischen Konkurrenten wie Joe Biden zu schaden. Dabei beginnt der Skandal schon an anderer Stelle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.