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Studie : Heizen war 2012 und 2013 so teuer wie nie zuvor

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Wo das Geld verdampft: Der Anblick der Heizkostenabrechnung ist weniger idyllisch als der Schornstein in der Abendsonne Bild: dpa

Die Deutschen haben in den beiden vergangenen Jahren fürs Heizen so viel wie nie zuvor ausgegeben. Das zeigt eine Studie im Auftrag der Grünen-Fraktion, die der F.A.Z. vorliegt.

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          Deutschlands Mieter und Wohnungsbesitzer haben in den beiden vergangenen Jahren fürs Heizen so viel Geld wie nie zuvor ausgegeben. Zu diesem Ergebnis kommt eine der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegende Untersuchung im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen. Demnach ist die einseitig auf die fossilen Energieträger Öl, Gas und Kohle ausgerichtete energiepolitische Orientierung dafür verantwortlich, „dass 2012 und 2013 zu den teuersten Heizjahren der Geschichte wurden“. Grund dafür seien vor allem hohe Kosten für Öl und Gas, die sich für Mieter in teils hohen Nachzahlungen niedergeschlagen hätten. Gerade Heizöl sei „zur Preisfalle für 12 Millionen deutsche Haushalte geworden“.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          Die Heizkostenabrechnung sei 2012 für ölbeheizte Gebäude um 22 Prozent höher ausgefallen als 2011, heißt es in der Analyse. Für Gas mussten die Kunden demnach 9,5 Prozent mehr, für Fernwärme 10,5 Prozent mehr zahlen als im Vorjahr. Mieter einer 80 Quadratmeter großen Wohnung, die mit Öl beheizt wurde, erhielten 2012 im Schnitt eine Nachforderung in Höhe von 204 Euro. Nachdem die Heizkosten 2012 bundesweit um 9 Prozent zugelegt hätten, habe sich der Trend im langen Winter 2013 fortgesetzt.

          Enorme wirtschaftliche Risiken

          Allein das erste Quartal dürfte laut dem Deutschen Mieterbund zu Mehrkosten von 55 bis 65 Euro je Haushalt geführt haben. Eine Prognose für 2013 habe, Stand Oktober, ergeben, dass sich der Trend ganzjährig fortgesetzt habe. Für eine 80 Quadratmeter große Wohnung, die an das Fernheizsystem angeschlossen sei, mussten im Schnitt 175 Euro mehr als im Vorjahr gezahlt werden, für eine Ölheizung 157 Euro mehr; bei Gas hätten die Mehrkosten 151 Euro betragen. Zugleich bewegten sich die Netto-Importkosten für Öl, Gas und Kohle mit 91Milliarden Euro auf dem zweithöchsten Niveau, nach 94 Milliarden Euro im Vorjahr, heißt es in der Untersuchung. Damit müssten 2013 voraussichtlich 3,4 Prozent der im Bruttoinlandsprodukt (BIP) gemessenen inländischen Wirtschaftsleistung für Energiekosten aufgewendet werden. Das seit mehr als doppelt so viel wie vor zehn Jahren.

          „Ein immer größerer Anteil der Wirtschaftskraft muss für unsere fossile Energieabhängigkeit aufgewendet werden“, heißt es in der Studie, die rasant steigende Kosten für die Importenergieträger prognostiziert. Diese gingen weit über die 1135 Euro hinaus, die jeder Bürger im abgelaufenen Jahr rechnerisch für fossile Energieträger ausgegeben habe.

          Bärbel Höhn (Grüne), die neue Vorsitzende des Bundestags-Umweltausschusses, warnte vor den enormen wirtschaftlichen Risiken der Abhängigkeit von Erdöl, Gas und Kohle. Daran ändere der „momentan herbeigeredete Fracking-Boom“ wenig. „Die Autohersteller sollen endlich sparsamere Pkw bauen“, forderte Höhn zudem. Ihre Fraktionskollegin Julia Verlinden verlangte mehr innovative Heizkonzepte. Schlecht isolierte Gebäude und alte Heizungen verschwendeten immer noch zu viel Energie und Geld. „Leider haben Union und FDP bei dieser wichtigen Zukunftsaufgabe in der Vergangenheit versagt und der Koalitionsvertrag von Union und SPD bleibt diesbezüglich viel zu vage“, kritisierte Verlinden.

          Immer mehr Häuslebauer setzen auf die Kraft der Sonne

          In der Untersuchung wird darauf verwiesen, dass der Verbrauch an Heizenergie je Quadratmeter seit Ende der neunziger Jahre zwar stetig sinke. Dennoch gehe der Gesamtverbrauch nur unterdurchschnittlich zurück, weil die Menschen in immer größeren Wohnungen lebten. Auch fielen die Heizkosten individuell sehr unterschiedlich aus. Während sie in sanierten Gebäuden oder Neubauten sänken oder niedrig seien, würden die Mieter in älteren, unsanierten Gebäuden überdurchschnittlich vom Kostenanstieg betroffen. So seien noch 1,2 Millionen veraltete Ölheizungen in Betrieb.

          Studienautor Steffen Bukold macht diverse Vorschläge, etwa den Ersatz alter Ölheizungen, eine bessere Hausdämmung und sparsamere Motoren. Dänemark habe Ölheizungen in Neubauten verboten. Politisch wollen die Grünen mit der Studie ihren Einsatz für die mit einer Umlage von 24 Milliarden Euro nicht eben preisgünstigen Öko-Energien flankieren. Die Energiedebatte konzentriere sich vor allem auf die Kosten der Energiewende, heißt es. „Diese Debatte bleibt jedoch unvollständig, wenn nicht auch die Kosten und Kostenrisiken unserer bestehenden, ganz überwiegend fossil geprägten Energieversorgung berücksichtigt werden.“

          Derweil setzen immer mehr Häuslebauer auf die Kraft der Sonne. Mehr als jede fünfte 2012 neu errichtete Wohnung beziehe Heizwärme oder Warmwasser aus Solaranlagen, berichtete der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW). Das sei ein Drittel mehr als im Vorjahr. BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten König sagte: „Weil Heizkosten die Haushaltskasse übermäßig belasten, ist hier der Spareffekt besonders groß.“

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