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Studie : Familienunternehmen hängen die Konkurrenz ab

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Vor allem in Krisenzeiten schneiden Familienbetriebe besser ab als Publikumsgesellschaften. Zur Begründung heißt es in einer Studie, Familienunternehmer würden langfristiger denken als am schnellen Profit orientierte Anleger.

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          Familienunternehmen entwickeln sich vor allem in Krisenzeiten deutlich besser als Publikumsgesellschaften. Das ergibt ein Vergleich der 100 größten deutschen Industrie-und Handelsunternehmen, den die Bonner Unternehmensberatung Intes vorgelegt hat. So stiegen 58 Prozent der Familienfirmen unter den Top 100 im Jahr 2003 im Ranking auf, von den Publikumsgesellschaften schnitten nur 48 Prozent besser ab. Nur 24 Prozent der Familienunternehmen rutschten ab, während 35 Prozent der breit notierten Gesellschaften schlechter als im Vorjahr dastanden.

          „Familienunternehmen sind in Krisenzeiten stabiler als Publikumsgesellschaften“, stellt Intes-Gründer Peter May fest, der als einer der erfahrendsten deutschen Unternehmensberater für Familienunternehmen gilt. Von den deutschen Top-100 sind 38 Unternehmen unter dem beherrschenden Einfluß von Unternehmern oder Unternehmerfamilien. Zu den besonders erfolgreichen Familien-Aufsteigern gehören die Schwarz-Gruppe (Lidl/Kaufland), die sich von Platz 20 auf 14 vorschob, Röchling (Rheinmetall) von Platz 70 auf 61 und Familie Herz (Tchibo) von Platz 88 auf Platz 70. Zusammen setzen die Familienunternehmen der Top-100 fast 400 Milliarden Euro um.

          Deutlicher Vorsprung beim Gewinn

          Noch deutlicher wird der Erfolg der Familienunternehmen beim Vergleich des Gewinns. Insgesamt 27 Familienunternehmen legten Zahlen dazu vor. Davon haben 17 trotz der Krise im vergangenen Jahr mehr verdient, also 63 Prozent. Bei den Publikumsgesellschaften lagen nach der Intes-Studie von 35 Unternehmen Ergebnisse vor. Nur 14 verdienten mehr, das sind 40 Prozent. Und nur 3 der 16 Firmen in den roten Zahlen waren unter Familienkontrolle.

          Berater May begründete die Stabilität der Familienunternehmen damit, daß die Eigentümer langfristiger denken als auf schnellen Profit orientierte Anleger. Außerdem arbeiten viele Familien in den Unternehmen mit oder verfolgen die Geschicke als Aufsichtsräte. Weil es bei allen Entscheidungen um ihr eigenes Geld geht, sind sie nach Ansicht von May weniger leichtfertig. Er hält gut geführte Familienunternehmen grundsätzlich für erfolgreicher als Publikumsgesellschaften.

          In Boomzeiten nicht so dynamisch

          Umgekehrt sind die Familienfirmen nach Beobachtungen von May in Boomzeiten nicht so dynamisch, weil sie vor allem bei Firmenübernahmen oder Fusionen kaum mitmachten. „Der Einfluß der Familie soll bewahrt bleiben“, begründet er die Zaghaftigkeit. Börsennotierte Unternehmen unter Familieneinfluß wie BMW, Henkel oder Porsche sind nach seiner Überzeugung auch für Kleinanleger interessant, weil sie von der Weitsicht mitprofitieren können. Die Deutsche Börse hat darauf reagiert und den neuen Index GEX geschaffen, in dem ab Januar notierte Familienunternehmen zusammengefasst werden.

          Allerdings macht der Berater eine Einschränkung: Überlegen seien nur gut geführte Familienunternehmen. Das sind nach seiner Ansicht diejenigen, bei denen das Wohl der Firma über das der Familie gestellt wird. So sollten Angehörige der Eigentümer nicht bevorzugt werden, etwa durch Firmenwagen oder zugeschanzte Aufträge. Auch dürften Familienangehörige nur dann auf den Chefsessel, wenn sie nach den gleichen Bewerbungskriterien wie externe Bewerber gemessen werden.

          May fordert dazu die Einführung eines von ihm erarbeiteten Corporate-Governance-Kodex, wie er für Dax-Firmen vor zwei Jahren vorgestellt wurde. „Der Grundsatz muß sein: Es gibt etwas wichtigeres als die Familie, nämlich die Firma“, meint May.

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