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Wer profitiert? : Studie entfacht Streit über Euro-Auswirkungen

  • -Aktualisiert am

EZB-Chef Mario Draghi übergibt eine überlebensgroßen Euro-Münze Bild: AP

Die Untersuchung über die Rolle der Gemeinschaftswährung in der Wohlstandsentwicklung der Euroländer erzürnt Ökonomen und EU-Kommission. In der Kritik steht insbesondere die Methode.

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          Der Euro polarisiert auch zwanzig Jahre nach seiner Einführung. Das zeigen die Reaktionen auf eine jüngst veröffentlichte Studie der Freiburger Denkfabrik Centrum für Europäische Politik. Darin wurde die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts je Kopf in Eurostaaten mit solchen Ländern verglichen, die ihre nationale Währung bis heute beibehalten haben; im Fall von Deutschland etwa mit Bahrain und der Schweiz. Während der Euro jedem Deutschen im Mittel laut der Studie einen Wohlstandszuwachs von exakt 23116 Euro beschert haben soll, verbuchten fast alle übrigen Länder auf zwanzig Jahre aufsummiert ein großes Minus. Insgesamt übersteigen die Gesamtverluste von 8,6 Billionen Euro die Gewinne von 2,2 Billionen Euro laut Studie deutlich (F.A.Z. vom 26. Februar).

          Profitierende Deutsche, verlierende Südeuropäer und unterm Strich eine große Wohlstandsvernichtung also? Die Europäische Kommission reagierte empört auf diese Rechnung. Ein Sprecher sah sich zu einem ausführlichen Schreiben an die F.A.Z. veranlasst. Er nennt die Schlussfolgerungen der Studie „nicht durch Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt“. Man könne nicht Drittländern Eurostaaten gegenüberstellen, wenn es außer ähnlicher Durchschnittseinkommen keinen wirtschaftlichen Zusammenhang gebe. Das sei „analytischer Unsinn und eine freie Anwendung ökonometrischer Techniken“. Aus Sicht der Kommission ist der Euro „Symbol für Einheit, Souveränität und Stabilität“, das man nicht schlechtreden solle.

          Der scharfe Tonfall aus Brüssel überrascht, denn an der Tagesordnung sind derlei Reaktionen auf die Arbeit von Wissenschaftlern nicht. Doch ist die Kommission in dem Fall zwar mit ihrer Lobpreisung der Währung, nicht aber mit ihrer Kritik allein. Zahlreiche Fachleute zerpflückten die Freiburger Studie nach Strich und Faden. Die Kommentare reichen von „Voodoo-Ökonomie“ bis zum Vorwurf, die Autoren wollten Deutschland, auf dem seit Jahren große Haftungsrisiken lastet, zum großen Gewinner stilisieren. „Es gibt tausend Gründe für die unterschiedliche Entwicklung“, sagt der Leipziger Ökonom Gunther Schnabl der F.A.Z. Es nennt es „anmaßend und simplifizierend“, wenn die Autoren auf obendrein so wenig Seiten die Wohlstandsentwicklung einzig und allein auf den Euro zurückführten. So blieben alle übrigen Einflussfaktoren außen vor, etwa die einschneidenden deutschen Arbeitsmarktreformen.

          Hinzu komme die enormen Umverteilung durch ausstehende Forderungen gegenüber Ländern wie Italien. Sie flössen bislang nicht in das BIP ein, beliefen sich für Deutschland aber allein im Target-Zentralbanksystem pro Kopf auf 12.000 Euro, betont Schnabl. Auch der langjährige Präsident des Münchener Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, bezeichnet die Studie als „unbrauchbar“. Und die Autoren? Sie beteuern auf F.A.Z.-Nachfrage, dass man eine „etablierte Methode“ verwendet habe und in die Gewichtung der Vergleichsgruppe auch Indikatoren wie Exporte und Anlagevermögen einflössen. Dass das Modell länderspezifische Faktoren nach der Euroeinführung nicht berücksichtigen könne, habe man geschrieben – was die Frage nach der Brauchbarkeit auf seine Weise beantwortet.

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