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Studie der EU-Kommission : „Biokraftstoff schadet Klima“

Eine Palmölplantage auf Sumatra in Indonesien - Palmöl soll die Umwelt fast so stark belasten wie Teer- oder Ölsand Bild: dpa

Die EU-Kommission hat die indirekten Folgen der Herstellung von Biokraftstoff untersucht. Die Studie zeigt: Einige Biokraftstoffe sind schädlicher für das Klima als herkömmliches Erdöl.

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          Die Nutzung von Biokraftstoff, der aus Palmöl, Sojabohnen oder Raps hergestellt wird, belastet das Klima stärker als herkömmliche Treibstoffe aus Erdöl. Das geht einer noch internen Studie der Europäischen Kommission hervor, die die Behörde in den kommenden Wochen offiziell vorstellen will. In der Studie werden erstmals auch die indirekten Folgen der Herstellung von Biokraftstoffen für deren Ökobilanz berücksichtigt. Davon spricht man, wenn bisher unberührter Regenwald oder Feuchtgebiete landwirtschaftlich genutzt werden, weil auf den zuvor genutzten Flächen Pflanzen zur Biokraftstoffproduktion angebaut werden. Nur die Biokraftstoffe, die aus Zuckerrohr, Zuckerrüben oder Mais hergestellt werden, schneiden nach der Studie eindeutig besser ab als herkömmliche Kraftstoffe.

          Hendrik Kafsack
          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Nach der Studie belasten herkömmliche Kraftstoffe aus Erdöl das Klima mit 87,5 Gramm Kohlendioxid je Megajoule. Palmöl erreicht mit 105 Gramm einen höhere Wert - fast so hoch wie der umstrittene Teer- oder Ölsand mit 107 Gramm. Der Wert für Biokraftstoff aus Soja liegt bei 103 Gramm, für Raps bei 95 Gramm. Dieser Wert trifft vor allem die deutschen Hersteller von Biodiesel hart. Nach Angaben des Biokraftstoffverbands wird in Deutschland 87,5 Prozent des Biodiesels aus Raps gewonnen. Die Kohlendioxidwerte für Zuckerrüben und Zuckerrohr liegen bei nur 34 und 36 Gramm.

          Die indirekten Folgen der Nutzung von Biokraftstoffen hatten zuletzt im Rahmen der Debatte über den E10-Kraftstoff eine Rolle gespielt. In den EU-Klimaschutzvorgaben ist dieser Effekt bisher nicht berücksichtigt. Es gibt nur die Vorgabe, dass ein Biokraftstoff über den gesamten Lebenszyklus - also von seinem Anbau bis zum Verbrauch - mindestens 35 Prozent weniger Kohlendioxid freisetzen muss als ein herkömmlicher Kraftstoff. Auch darf für die Produktion etwa kein Regenwald gerodet werden. Wenn Bauern jedoch anderswo Regenwald abholzen, weil auf ihrem ursprünglichen Ackerland Pflanzen für die Biokraftstoffe stehen, bleibt das unberücksichtigt.

          Die Konsequenzen sind noch unklar

          Welche Konsequenzen die EU-Kommission aus der Studie zieht, ist noch unklar. Sie hat zwar angekündigt, im Frühjahr konkrete Vorschläge dazu vorzulegen, wie die indirekten Folgen der Biokraftstoffproduktion künftig berücksichtigt werden sollen. Die beiden zuständigen Kommissare, Günther Oettinger und Connie Hedegaard, haben sich bisher aber nicht auf eine gemeinsame Linie einigen können. Vom Tisch ist offenbar der Vorschlag, Biokraftstoffe mit schlechter Ökobilanz faktisch nicht mehr auf das EU-Ziel anzurechnen, den Anteil erneuerbarer Energiequellen im Verkehr bis 2020 auf 10 Prozent zu erhöhen, zugleich aber weiter Subventionen für solche Kraftstoffe zu erlauben.

          Starke Kritik an der Untersuchung übt der Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft. Die Studie basiere auf falschen Annahmen, sagt Geschäftsführer Dietrich Klein. Sie gehe davon aus, dass auf der Welt eine landwirtschaftlich bisher nicht genutzte Fläche von 1,7 bis 1,8 Millionen Hektar wegen der Biokraftstoffproduktion bis 2020 neu genutzt werde und beziehe das auf eine Gesamtnutzungsfläche von 1,1 Milliarden Hektar. Tatsächlich betrage die Anbaufläche auf der Welt nach Schätzungen der Ernährungs- und Agrarorganisation der Vereinten Nationen (FAO) aber mehr als 1,5 Milliarden Hektar. Damit sei die Ökobilanz der Biokraftstoffe positiver, als von der Kommission errechnet. Vor allem aber habe es keinen Sinn, alle Biokraftstoffe über einen Kamm zu scheren, sagt Klein. In Brasilien etwa sei die Ethanolproduktion stark gestiegen, ohne dass der Regenwald stark abgeholzt worden sei. In Asien sehe das ganz anders aus, weil dort die entsprechenden staatlichen Regeln fehlten.

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