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Stuart Lewis : Anshu Jains zweite Wahl

Der Schotte Stuart Lewis wird neuer Risikovorstand Bild: Deutsche Bank

Eigentlich wollte Anshu Jain einen anderen als Risikovorstand der Deutschen Bank. Doch die Finanzaufsicht hat offenbar ihr Veto eingelegt. Jetzt wird es der Schotte Stuart Lewis.

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          Einen Vorzug hat der künftige Risikovorstand der Deutschen Bank: Stuart Lewis hat bislang einen Bereich verantwortet, in dem 4000 Mitarbeiter tätig waren. Der zuvor von der künftigen Doppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen bevorzugte Kandidat, der 56 Jahre alte William Broeksmit, leitete den Bereich Portfoliorisiken mit lediglich 200 Mitarbeitern. Schon in Vorgesprächen signalisierte die Finanzaufsicht Bafin, dass sie den Amerikaner Broeksmit als neuen Risikovorstand der Deutschen Bank nicht akzeptieren würde. Eine formale Ablehnung habe es nicht gegeben, hieß es in Frankfurter Finanzkreisen. Als Grund wird die höhere Führungskompetenz des Schotten Lewis vermutet.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch wenn Jain und Fitschen sofort mit einem alternativen Kandidaten aufwarten konnten, muss das Veto der Finanzaufsicht als erste Schlappe im angestrebten Neuanfang der Deutschen Bank gewertet werden. Dass der Schotte Lewis bislang Stellvertreter des Ende Mai gehende Risikovorstands Hugo Bänziger war, lädt dazu ein, die Ablehnung der Bafin als persönliche Niederlage Jains zu werten. Denn sein Verhältnis zu Bänziger, dem auch Hoffnungen auf die Nachfolge Ackermanns nachgesagt wurden, gilt als angespannt. Jedoch hat auch Broeksmit unter dem Schweizer gearbeitet. Zudem war Lewis zuständig für die Kreditrisiken im Bereich Unternehmensfinanzierung und Investmentbanking, den Jain verantwortet. Dies setzt ein Vertrauensverhältnis zwischen dem Inder und dem 46 Jahre alten Schotten voraus.

          Zumindest setzt sich bei Lewis fort, was schon bei Broeksmit oder dem künftigen Technologievorstand Henry Ritchotte der Fall gewesen ist. Sie sind alles führende Manager der Deutschen Bank in London, wo das Investmentbanking sitzt. Aber in Frankfurt, dem Stammsitz, sind sie der breiten Öffentlichkeit unbekannt. Einzig der künftige Personalvorstand Stephan Leithner, der dem Lager Fitschens zugerechnet wird, ist als ehemaliger Leiter des deutschen Investmentbankings in Frankfurt bestens vernetzt.

          Seit 16 Jahren bei der Deutschen Bank

          Für Lewis dürfte aus Sicht der Bafin wohl seine längere Erfahrung bei der Deutschen Bank gesprochen haben. Er begann dort 1996 im Kreditrisikomanagement. Im Juli 2003 übernahm er leitende Funktionen für die Steuerung der Kreditrisiken im Investmentbanking. Zwei Jahre später zeichnete Lewis verantwortlich für die Kreditrisiken gegenüber Großunternehmen sowie dem deutschen Mittelstand. Zu den Aufgaben von Lewis gehörte die Reduzierung von Klumpenrisiken gegenüber einzelnen Schuldnern oder Branchen, aber auch die Absicherung über Kreditausfallderivate (CDS) oder der Risikoabbau anhand von Kreditverbriefungen. Im Dezember 2006 stieg er dann auf zum Hauptverantwortlichen für das Kreditgeschäft und zum stellvertretenden Risikovorstand. Bänziger würdigte Lewis damals als erfahrenen Fachmann für Derivate, Investmentbanking und das Kreditportfoliomanagement.

          Dagegen hatte Broeksmit seine Karriere bei der Deutschen Bank sieben Jahre unterbrochen. Zwischen 2001 und 2008 hatte er als unabhängiger Berater gearbeitet. Er war 1996 zusammen mit Jain von Merrill Lynch zur Deutschen Bank gewechselt. In seinen ersten fünf Jahren bei der Deutschen Bank hatte Broeksmit das Derivategeschäft in Europa für die Deutsche Bank aufgebaut. Vor vier Jahren heuerte er wieder dort an und war seitdem ebenso wie Lewis, allerdings eine Hierarchiestufe darunter, für die Risiken im Investmentbanking zuständig. An seiner fachlichen Eignung gebe es keinen Zweifel, wird im Umfeld der Deutschen Bank betont. Gleichwohl gilt Broeksmit, der in der Deutschen Bank den Spitznamen „Dr. No“ haben soll, als „in sich gekehrter Risikomanager“. Dies dürfte bei der Finanzaufsicht wohl Zweifel an seiner Führungskompetenz genährt haben.

          An Lewis gab es dagegen keine Zweifel. Für ihn dürfte auch gesprochen haben, dass er in seiner 16 Jahre währenden Karriere die Organisationsstrukturen und die führenden Manager der Deutschen Bank besser kennen dürfte als Broeksmit nach dessen langjährigem Intermezzo. Gerade im Risikomanagement kann dies ein wichtiger Vorteil sein. In der persönlichen Vermögensoptimierung bewies Lewis im August 2010 ein glückliches Händchen. Er verkaufte 4500 Deutsche-Bank-Aktien zu einem Kurs von 52 Euro. Im September 2010 gab die Bank ihre Kapitalerhöhung über 10 Milliarden Euro bekannt. Der Kurs fiel unter 40 Euro.

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