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Stromnetz in der Nordsee : Seatec

  • -Aktualisiert am

Kommt nach Desertec jetzt Seatec? Nach dem Sonnenstrom aus der Sahara jetzt die Energie aus der von Wind und Wellen bewegten Nordsee? Die Projekte klingen phantastisch. Aber die Bundesregierung sollte aufpassen, dass sie vor lauter Begeisterung über das Nordsee-Netz nicht den zweiten vor dem ersten Schritt macht.

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          Kommt nach Desertec jetzt Seatec? Nach dem Sonnenstrom aus der Sahara jetzt die Energie aus der von Wind und Wellen bewegten Nordsee? Die Projekte klingen phantastisch. Sie eröffnen den Blick auf eine Zukunft, in der für die Stromerzeugung keine Kohlenstoffe verbrannt werden, die eine Stromversorgung ermöglicht, ohne die Umwelt zu schädigen, die nutzt, was die Natur im Übermaß bietet: Sonne, Wasser, Wind.

          Doch so ähnlich die Projekte erscheinen, so unterschiedlich sind sie. Bei Desertec soll geprüft werden, ob Sonnenstrom in Nordafrika erzeugt und zu erschwinglichen Kosten nach Europa transportiert werden kann. Dafür müssten solare Großkraftwerke errichtet und ein Tausende Kilometer langes Netz gespannt werden. Die Kosten werden auf mehrere hundert Milliarden Euro geschätzt.

          Bescheiden muten dagegen die auf einen zweistelligen Milliardenbetrag bezifferten Kalkulationen an, die für das Nordsee-Netz auszugeben wären, das die neun Anrainerstaaten zu bauen erwägen. Auch hier geht es darum, Strom aus Großkraftwerken - nichts anderes sind Windfarmen auf hoher See - abzutransportieren. Vor allem soll das Netz die Staaten besser miteinander verbinden. Nur so kann das Auf und Ab des Windstroms mit Energie aus skandinavischen Wasserspeicherkraftwerken gekoppelt und zu einem belastbaren Angebot geformt werden. Ob die skandinavischen Kapazitäten reichen, um den Windstrom von Irland über Großbritannien, die Beneluxstaaten und Deutschland bis in die Ostsee auszuregeln, darf bezweifelt werden.

          Finanzierung ungeklärt

          Womit die Untiefen des Projektes angesprochen wären. Eine bessere Vernetzung des europäischen Strommarktes ist notwendig. Aber bisher vermag Deutschland nicht einmal die Windfarmen an Land ausreichend zu vernetzen. Zu groß ist der Widerstand gegen neue Leitungen. Wer soll das neue Netz finanzieren? Konzerne wie Eon und Vattenfall trennen sich gerade auf politischen Druck hin von diesem streng regulierten Geschäft. Viele verlangen, der Staat müsse einen Kontrollanteil am Netz besitzen. Soll er also auch bezahlen? Hinzu kommt: Die Finanzkrise hat viele Pläne für den Ausbau von Windfarmen auf hoher See zu Makulatur werden lassen. Darauf lässt sich schwer ein Milliarden Euro schweres Netz planen.

          Der Netzausbau ist wichtig, die Planungen dafür erst recht. Aber die Bundesregierung sollte aufpassen, dass sie vor lauter Begeisterung über das Nordsee-Netz nicht den zweiten vor dem ersten Schritt macht - und dabei die Ostsee-Anlieger links liegenlässt.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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